Ruhm von Daniel Kehlmann, 2009, Rowohlt1.) - 6.)

Ruhm.
Roman von Daniel Kehlmann (2009,
Rowohlt).
Besprechung von Jobst-Ulrich Brand aus dem FOCUS, 13.6.2008:

Neuer Kehlmann-Roman
Kein Anruf auf diesem Handy

Im Januar erscheint „Ruhm“ – der neue Roman von Daniel Kehlmann. Herauskommen wird eine Geschichte in Geschichten.

Mehr gerühmt wurde keiner der jüngeren deutschsprachigen Autoren in letzter Zeit. Und mehr gekauft auch nicht. Anderthalb Millionen Exemplare hat der Rowohlt Verlag von Daniel Kehlmanns Wissenschafts-Humoreske „Die Vermessung der Welt“ abgesetzt. In mehr als 40 Sprachen wurde das Buch übersetzt – darunter Arabisch, Färöisch, Katalanisch und Hindi.

Es ist einer der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur, und die Sorge war groß, ob Kehlmann, gerade mal 33 Jahre alt, dem Druck, der nach diesem Welterfolg auf ihm lastet, standhalten kann. Es hat ihm geholfen, dass er kein Newcomer ist, kein One-Shot-Wonder, keiner, der sich belasten lässt von gigantischen Verkaufszahlen und gigantischen Einkünften. Sondern einer der Coolsten, die der Literaturbetrieb zu bieten hat. Und der zudem über reichlich Erfahrung verfügt. Fünf Bücher von ihm waren vor „Die Vermessung der Welt“ erschienen, dazu zahlreiche Essays. Kehlmann ist jemand, der seinen Werdegang und sein Werk minutiös plant. Der genau weiß, wie es weitergehen soll.

Vom Hoffnungs- zum Leistungsträger

Auf keinen Fall wollte er eine Kopie des Erfolgsbuchs abliefern, das hat er immer wieder betont. Eher schon reflektieren, was passiert ist mit ihm, seit er vom Hoffnungs- zum Leistungsträger der deutschen Literatur wurde. Er hat einfach weitergeschrieben, sich rar gemacht so gut es ging. Wenig Interviews gegeben, die Zahl der öffentlichen Auftritte auf ein Minimum reduziert. Nun ist er fertig mit dem nächsten Buch, und was dabei herausgekommen ist – beziehungsweise dabei ist herauszukommen – klingt so, als hätte er sich seine Ironie erhalten können.

„Ruhm“ nennt der Vielgerühmte seinen neuen Roman. Im Januar soll er erscheinen. Es ist eine Geschichte in Geschichten. Neun Episoden, jede in sich abgeschlossen und doch erschließt sich ihr ganzer Sinn erst, wenn sie sich am Ende zu einem Gesamtbild fügen.

Ein Schauspieler, den keiner anruft

„Ein Mann kauft ein Mobiltelefon und bekommt Anrufe, die einem anderen gelten; nach kurzem Zögern beginnt er ein Spiel mit der fremden Identität“, teilt der Rowohlt Verlag über den Inhalt mit. „Ein Schauspieler wird von einem Tag auf den nächsten nicht mehr angerufen, als hätte jemand sein Leben an sich gerissen. Ein Schriftsteller macht zwei Reisen in Begleitung einer Frau, deren größter Alptraum es ist, in einer seiner Geschichten vorzukommen. Ein verwirrter Internetblogger wiederum wünscht sich nichts sehnlicher, als einmal Romanfigur zu sein. Eine Krimiautorin geht auf einer abenteuerlichen Reise in Zentralasien verloren, eine alte Dame auf dem Weg in den Tod hadert mit dem Schriftsteller, der sie erfunden hat, und ein Abteilungsleiter in einem Mobiltelefonkonzern verliert über seinem Doppelleben mit zwei Frauen den Verstand.“

Das Buch sei „ein raffiniertes Spiel mit Realität und Fiktionen“, meint Rowohlt, „ein Buch über Ruhm und Verschwinden, Wahrheit und Täuschungen – voll unvorhersehbarer Wendungen, komisch und brillant.“ Es wäre schön, wenn es so wäre. Doch eines ist der neue Kehlmann ganz gewiss: ein garantierter Bestseller.

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Ruhm von Daniel Kehlmann, 2009, Rowohlt2.)

Ruhm.
Ein Roman in neun Geschichten von Daniel Kehlmann (2009,
Rowohlt).
Besprechung von Jens Dirksen in der NRZ vom 15.1.2009:

Und dann macht es wieder "Aha!"
Wer bin ich nicht und was ist Lüge: Daniel Kehlmanns neuer Roman "Ruhm" kreist heiter um Menschheitsfragen.

Daniel Kehlmann ist der lebende Beweis dafür, dass literarische Qualität kein Grund für Erfolglosigkeit ist. 1,5 Millionen Mal verkaufte sich seine "Vermessung der Welt" durch die wunderlichen Gelehrten Gauß und Humboldt, die mit tieferer Bedeutung scherzte und das verbreitete Bedürfnis nach heiterem Umgang mit Bildung stillte. 23 Übersetzungen in die Sprachen dieser Welt ließen auch darüber staunen, dass ein deutscher Roman sich im Ausland verkauft, ohne dass ein Nazi darin vorkommt. Hätte es "Die Vermessung der Welt" nicht gegeben, wäre Kehlmann (der vorgestern 34 geworden ist) wahrscheinlich weiter der hochbegabte Erzähljongleur, der eine große, aber überschaubare Zahl von Kennern genüsslich lächeln lässt vor Freude am ironischen Spiel mit Perspektiven und Klischees. Jetzt aber tritt Kehlmann vor ein Millionenpublikum und macht was? Er spielt ironisch mit Perspektiven und Klischees.

Sein neuer, fabelhaft zu lesender Roman "Ruhm", der ab morgen im Handel ist, nimmt sich die Welt der Bücher zur Brust. Mit "Beerholms Vorstellung" (1997) hat Kehlmann schon die Magie entzaubert, mit "Mahlers Zeit" (1999) die Welt der Physiker durchgeschüttelt und mit "Ich und Kaminski" (2003) den Kunstbetrieb in seinem hochtourigen Leerlauf verspottet.

Ein Reigen aus Geschichten

Und jetzt ein Roman nach dem "Short Cuts"-Prinzip, so wie man das hierzulande von Ingo Schulzens "Simplen Storys" kennt. Sie alle sind mehr oder minder lose miteinander verbunden, und jedesmal, wenn die Kehrseite einer Episode in einer anderen Geschichte wiederkehrt, macht es "Aha!" im Leser. Wie bei einem Ermittler, dem sich allmählich Zusammenhänge erschließen.

Keine Sorge: Auch am Ende wird kein System daraus, keine geschlossene Welt. Denn hier gibt es Figuren wie Rosalie, bei der 70 Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wird, die zum Tod auf Wunsch in die Schweiz fährt und dann den Schriftsteller, der sie erfunden hat, immer heftiger anfleht, sie doch bitte lieber nicht sterben zu lassen - mit überraschendem Ausgang. Ein Mann bekommt versehentlich die Telefonnummer eines berühmten Schauspielers zugeteilt und fuhrwerkt in dessen Leben herum, ein bekannter Schauspieler schleicht sich aus seinem eigenen Leben heraus, in das sich ein Doppelgänger hineindrängelt. Ein berühmter Esoterik-Schriftsteller aus Brasilien, der nicht Coelho heißt, aber dessen Bücher in jeder der neun Geschichten herumliegen, durchschaut sein Heile-Heile-Welt-Geschwafel und hat schon den Lauf einer Pistole im Mund; ein Telekommunikationsmanager verstrickt sich aus Lust an der Doppelexistenz heillos in einer Welt aus Lügen; eine Krimiautorin kommt auf einer Reise irgendwo zwischen Ulan Bator und Peking der Zivilisation abhanden; ein Schriftsteller quält sich durch eine Lese-Tournee in den Goethe-Instituten dieser Welt - und wird jedesmal gefragt, woher er seine Ideen nehme und ob er vormittags oder nachmittags schreibe.

Manchmal neigt Kehlmann dazu, den Witz der Wiederholung zu sehr zu strapazieren, aber schließlich sind es nicht die vielen Telefone oder Kalauer, die diesen Roman zusammenhalten, sondern Menschheits-Fragen, "Wer bin ich?", "Was ist Wahrheit?" Antworten, so wird spätestens beim Zuklappen dieses Buches klar, ergeben sich am ehesten, wenn man klärt, wer man nicht sein will und was gelogen ist. (NRZ)

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Ruhm von Daniel Kehlmann, 2009, Rowohlt3.)

Ruhm.
Roman von Daniel Kehlmann (2009,
Rowohlt).
Besprechung von Jobst-Ulrich Brand aus dem FOCUS, 16.1.2009:

Das Wunder E-Mail
Vier Jahre nach seinem Mega-Bestseller „Die Vermessung der Welt“ legt Daniel Kehlmann sein neues Buch vor: „Ruhm“ erzählt von den Wirrnissen unseres hochtechnisierten Alltags.

Am Anfang war die Form. Fast zwei Jahre lang hatte Daniel Kehlmann gerätselt, welches Buch er schreiben könnte nach seiner „Vermessung der Welt“. Welches ein einigermaßen würdiger Nachfolger wäre für einen der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur. Für ein Buch, das sich bis jetzt an die anderthalb Millionen Mal verkauft hat, in mehr als 40 Sprachen erschienen ist und außer in Deutschland auch noch zum Beispiel auf Island und in Taiwan an der Spitze der Bestsellerlisten stand.

Bloß nichts Historisches, das war ihm von vornherein klar. Die Erfolgsgeschichte um den Weltenforscher Alexander von Humboldt und den Mathematiker Carl Friedrich Gauß sollte eine Ausnahme bleiben. Denn Kehlmann will sich in keine Ecke drängen lassen, will nicht festlegt werden auf historische Humoresken. Dazu ist er viel zu erfahren, viel zu klug, viel zu ambitioniert. In dieser Woche ist er 34 Jahre alt geworden, aber er hat schon acht Bücher vorgelegt. Und mit jedem hat er sich selbst eine neue Herausforderung gestellt. Es ist ihm wichtig, dass er sich nicht langweilt. Vor allem nicht bei dem, was schon immer seine Leidenschaft war: dem Schreiben.

Eine Geschichte in Geschichten

Also hat er gegrübelt, was folgen könnte auf die Groß-„Vermessung“ – und es fiel ihm nicht leicht, sich zu entscheiden. Ein paar Projekte begann er, auch ein größeres war darunter, an dem er lange festhielt, aber er legte sie alle zur Seite. Er musste versuchen, das Kritikerlob zu vergessen und die Auflagenrekorde, die sein Buch reihenweise brach. „Es ist natürlich schwierig, sich von diesen Zahlen freizumachen und beim nächsten Buch nicht an die großen Erwartungen anderer zu denken“, sagte er jetzt in einem FOCUS-Interview. „Man muss es schaffen, sich bei der Arbeit vorzugaukeln, man schreibe nur für sich selbst – anders geht es nicht.“

Und dann kam auf langen Spaziergängen die Idee zu einem formalen Experiment. Eine Geschichte in Geschichten wollte er erzählen. Einen Roman schreiben, der aus Erzählungen besteht, ohne fest gefügten Handlungsablauf, ohne durchgehende Hauptfigur und dennoch in sich zusammenhängend. Danach war sie wieder da, diese Leichtigkeit des Schreibens, die er kannte aus der Zeit vor dem ganz großen Durchbruch. Ein Jahr hat er dann noch gebraucht, um sein 200-Seiten-Buch „Ruhm“ fertigzustellen. Und er wusste bei jeder Erzählung, bei jeder Seite, bei jedem Satz: Es wird gut.

Neun Geschichten hat er geschrieben, die sich – das war die Bedingung, die er sich selbst gestellt hatte – unabhängig voneinander lesen lassen. Die verständlich sind aus sich selbst heraus, deren besonderer Witz aber darin liegt, dass sie alle aufeinander verweisen. Kehlmann erzählt von einem Schriftsteller, der gerne Menschen aus seiner realen Umgebung in seine Erzählungen einbaut – zu deren großen Ärger – und von einem Computer-Nerd, der sich danach sehnt, einmal in der Geschichte eines Schriftstellers aufzutauchen. Er erzählt von einem Schauspieler, dem ein Double sein Leben stiehlt und von einem Familienvater, dem es lange gelingt, zwei Leben gleichzeitig zu führen. Es ist ein raffiniertes Spiel, das Kehlmann inszeniert, seine Geschichten stecken ineinander wie russische Matrjoschka-Puppen.

Eine Art Telepathie

Immer geht es um Technik, die an entscheidender Stelle versagt. Mal wird eine Telefonnummer doppelt vergeben und führt zu Verwicklungen. Mal hat ein Handy, das Rettung bringen könnte, keinen Strom. Auch in dieser Hinsicht ist „Ruhm“ ein Gegenbuch zur „Vermessung der Welt“. Damals ging es Kehlmann darum, sich auf die Lebenswirklichkeit einer vergangenen Epoche einzulassen, jetzt lässt er sich auf etwas ein, das so neu ist, dass wir es noch gar nicht begriffen haben. „Ich lehne Technik nicht ab. Ich benutze sie ja selbst“, sagt Kehlmann. „Die E-Mail ist ein echtes Wunder! Als wäre uns eine Art zuverlässiger Telepathie geschenkt worden, nach der wie uns seit Tausenden von Jahren gesehnt haben. Aber gleichzeitig prägt die Kommunikationstechnologie, die in den letzten 15 Jahren über uns gekommen ist, natürlich unsere Lebenswirklichkeit ganz entscheidend. Darüber wollte ich nachdenken: wie sich zum Beispiel zwischenmenschliche Beziehungen verändern, dadurch, dass wir ständig erreichbar sind, oder unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit dadurch, dass wir, umgeben von einer Musikglocke, durch die Stadt spazieren.“

Insofern sind seine Geschichten nicht nur metafiktionale Form-Spielereien, sondern sie reflektieren, wie in unserer modernen Welt die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen – zum Beispiel im Internet. Kehlmann ist ein kluger Kopf. Einer, der lange nachdenkt, bevor er etwas aufschreibt. Aber er weiß auch, dass allzu verkopfte Literatur kalt, künstlich, steril wirkt. Aber auch dieses Problem hat er selbstverständlich bedacht: „Natürlich war ich mir bei einem Buch, das so sehr auf einer strukturellen Idee basiert, bewusst, dass diese Gefahr besteht“, sagt Kehlmann. „Ich glaube aber, dass ich mein Bestes getan habe, um ihr entgegenzuwirken. Es gibt da die Geschichte von Rosalie, einer alten, kranken Frau, die in die Schweiz reist, um zu sterben. Mir haben jetzt schon ein paar Menschen gesagt, dass sie buchstäblich weinen mussten bei der Lektüre. Nicht dass das jetzt ein entscheidendes Kriterium wäre für gelungene Literatur, aber es ist doch auch nicht das Schlechteste, wenn uns ein Buch zu Tränen rührt.“ Stimmt, findet nicht nur Elke Heidenreich.

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Ruhm von Daniel Kehlmann, 2009, Rowohlt4.)

Ruhm.
Ein Roman in neun Geschichten von Daniel Kehlmann (2009,
Rowohlt).
Besprechung von Gudrun Norbisrath in der WAZ, vom 17.01.2009:

Kehlmanns Sammelsurium
Ich hasse Buchtitel mit Tiefsinn, vor allem, wenn sie sich erst am Ende erschließen und dann zur gründelnden Deutung des Textes aufplustern. Sonst hasse ich an Daniel Kehlmanns neuem Buch gar nichts, es ist nett und geht mich wenig an, auch da nicht, wo es besser ist.


„Ruhm" heißt der schmale Band, und er handelt vom Leben der Stars und von der Veränderung der Realität durch elektronische Medien. Das eine klingt hintergründig, das andere mindestens philosophisch; in Wirklichkeit ist beides einigermaßen schlicht. Der Bestsellerautor reflektiert seinen Erfolg und ein Stück der modernen Welt.

Kehlmann, 34, ist ein erstaunlicher Autor. Sein Roman „Die Vermessung der Welt" gehört seit vier Jahren zu den meist verschenkten Büchern, und man darf annehmen, dass er ungewöhnlich häufig gelesen wird. Denn es ist ihm gelungen, eine eigenartig abseitige, versponnene Geschichte mit starken Wurzeln in der Wirklichkeit so bodenständig zu erzählen, dass er ein breites Publikum erreicht – und das mit Protagonisten, die Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß heißen. Diesmal erzählt Kehlmann, irritierend behäbig, von einer rasanten, unheimlichen Welt; von Mobiltelefonen, E-Mails und Chatrooms. Bei ihm erlauben sie eine fast mystische Ausdehnung des Menschen, oder seine Reduktion auf eine Stimme, ein Schriftbild. Er erzählt auch ein paar andere Geschichten, das sind die besseren. Die meisten aber sind verliebt in den Gedanken, dass einer heraustreten kann aus seiner Person und eine neue Identität finden. Das ist ein altes Thema, letztlich findet man es schon beim Froschkönig; die Brüder Grimm, elektronisch. Und dass die Personen von Geschichte zu Geschichte springen, ist keine Innovation, eher ein lustvolles Spiel.
Ein Mann bekommt auf dem Handy Anrufe, die einem Anderen gelten – einem Filmstar mit aufregendem Sexualleben. Er antwortet als der Andere und glaubt, plötzlich zu leben.

Oder: Ein Autor hält Vorträge über das Ende der Kultur. Dies sei das Zeitalter der Bilder, „des rhythmischen Lärms und des mystischen Dämmerns im ewigen Jetzt – ein religiöses Ideal, Wirklichkeit geworden durch die Macht der Technik." Das schrappt schräg artifiziell an guter Satire. Und es gibt gute Sätze; über das gelangweilte Publikum: „Und dafür all die Arbeit, all der Kampf und die Sorge, das ganze versäumte Leben."

Es gibt auch Ärgerliches. Ein Filmstar geht sich verloren: „Er hatte schon lange den Verdacht, dass das Fotografiert werden sein Gesicht abnützte". Solche esoterischen Banalitäten sind längst in der halbseidenen Literatur unterwegs.

Oder Rosalie. „Von all meinen Figuren ist sie die klügste", sagt der Autor. Warum? Weil sie weiß, dass sie ausgedacht ist und den Autor überredet, auf ihren Tod zu verzichten. Aber kann man das bestürzende Thema Sterbehilfe ausnutzen, um eine literarische Spitzfindigkeit zu platzieren?

Banal, wie eine Krimi-Autorin in der Steppe verloren geht; ihr Akku ist leer, aber in einem Laden steht ihr Bestseller. Glänzend dagegen die Geschichte über den Verfasser salbungsvoll verquaster Ratgeber; seine Bücher liegen in allen Geschichten herum. Er bekommt Post von einer Äbtissin: Er möge ihr Gott erklären. Da verfasst er eine wütende Kritik seines eigenen blasierten Geschreibes, schiebt sich eine Pistole in den Mund und die Geschichte ist zu Ende.

Am Ende reist ein inzwischen wohlbekannter Autor in ein afrikanisches Krisengebiet und ruft zum Entsetzen der humanitären Helfer: „Ich kann mich nicht erinnern, wann etwas je so wirklich war!" Der Autor wird als zweitklassiger Gott bezeichnet. Das versöhnt fast mit der mäßigen Originalität.

So ist das. Es sind keine guten Geschichten und keine schlechten, sie werden auf dem Nachttisch keinen Schaden anrichten. Experimentelle Lust kann man der Sprache nicht nachsagen und der Form auch nicht, trotz hin- und herhüpfender Protagonisten.

Schade. Von einem Dichter, der unter Genieverdacht steht, hätte man ein bisschen Innovation erwarten dürfen.

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Ruhm von Daniel Kehlmann, 2009, Rowohlt5.)

Ruhm.
Roman von Daniel Kehlmann (2009,
Rowohlt).
Besprechung von Guido Rohm in textem.de, 12.02.2009:

Die Ewigkeit kann uns gestohlen bleiben
Man sollte den Zauberberg sprengen. Wenn das nicht geht, sollte man ihn wenigstens meiden oder einfach umfahren. Deutsche Autoren, diese selig verträumten Bauchnabelbeschauer, scheinen in vielen Fällen nur eines im Sinn zu haben: ihre eigene Unsterblichkeit.

Und weil die ihnen wichtiger als jede Geschichte ist, vermeiden sie das Erzählen wie der Teufel das Weihwasser.

Man könnte sich in endlosen Aufzählungen ergehen, die all die Dinge benennen, um die sich Autoren nicht kümmern mögen: Naturwissenschaften oder die Wirtschaft sind da nur einige wenige Oberbegriffe. Viel lieber erzählt man von den Schwierigkeiten des Erzählens. Die Qualen der Autoren. Gott, wie wir mit ihnen leiden würden, wenn sie das alles doch nur interessant erzählen könnten.

Einer, der interessant erzählen kann, der alle Kniffe und Techniken der Literatur wie kaum ein anderer in diesen Landen beherrscht, ist Daniel Kehlmann; eben der Mann, der mit seinem Welterfolg „Die Vermessung der Welt“ zu Recht den größten Erfolg der Nachkriegsliteratur hatte.

Daniel Kehlmann ist es auch, der nun allen anderen vormacht, wie man die Themen der Moderne am Schopf packt und aus dem Sumpf der Gegenwartsliteratur zieht.

In seinem neunen Roman „Ruhm“ erzählt Kehlmann in neun Geschichten von Doppelgängern, von Verlust, von den Tücken der modernen Technik und dies mit dem Können eines Großmeisters, der so ganz nebenher auch noch neun verschiedene Stile im Ring auspackt. Wer will gegen einen solchen Boxer schon gewinnen?

Man könnte jetzt natürlich einwenden: Halt, halt, halt! Okay, der Mann beherrscht die Tonfälle von Carver bis Burgess, aber er hat keine eigene Handschrift, hat keinen eigenen Ton. Das ist falsch und richtig!

Daniel Kehlmann gehört zu jener seltenen Spezies von Autoren, die sich ganz und gar in den Dienst einer Geschichte stellen, auch wenn er das in einer seiner Geschichten („Rosalie geht sterben“) mehr als gekonnt unterläuft. Hier mischt sich die literarische Figur gegen ihren Schöpfer auf, schwächlich versucht sie Argumente gegen ihren Tod zu finden, aber der Herr, ihr Schöpfergott, kann ihr schnell klarmachen, dass es sie ja nur wegen ihres zu bestehenden Todes gibt. Drum fügt sich das literarische Personal dann doch. Der Frieden des papierenen Kosmos ist wiederhergestellt. Scheint zumindest so …

Schon die erste Geschichte „Stimmen“ spielt mit den Machtmitteln der Fiktion. Da bekommt einer Anrufe an sein frisch erworbenes Handy, die überhaupt nicht für ihn sind. Weil es aber keiner merkt, gewinnt er schnell Spaß an der fremden Rolle und spielt Schicksal. Da ist die Sucht nach der fremden Identität vorprogrammiert; das romantische Doppelgängermotiv wird zum tonangebenden Klang, der sich durch das ganze Buch zieht. Die Sprache ist unprätentiös. Da muss einer erst gar nicht mit dem angeben, was er sowieso kann.

„Ruhm“ ist ein Buch gegen die Bedeutungssucht und somit ein schon fast perfekter Nachfolger für den Bestseller „Die Vermessung der Welt“. Sich selbst um die Ecke zu schreiben, sich nicht in den Kanon hineinschreiben, weil man sonst schon zu den Toten gehört. Kehlmann tut dies alles. Wo ein Tellkamp sich an Thomas Mann heranschreiben will und eine wortfüllige Darmentleerung betreibt, schnappt sich Kehlmann den Lachsack und drischt gekonnt auf ihn ein.

Selten ist ein Autor so sehr von Beginn an auf der Höhe seines Könnens gewesen, und da nutzt all das Lamentieren mancher Kritiker nichts.

In „Ruhm“ erleben wir den Autor Kehlmann als einen, der sich einen Dreck um die Erwartungen von Lesern wie auch Kritikern schert. Er schreibt, als ob es dabei um sein Leben ginge. Und er gewinnt.

Und ganz nebenbei bekommt auch noch ein Paolo Cuello sein Fett weg, den Denis Scheck einmal als „Supergau der Literatur“ bezeichnete. Der Scheck war gedeckt. Kehlmann verrät Cuello nicht, das tun Autoren seines Ranges nie, sie nehmen ihm den Heiligenschein und machen ihn zu einer halbwegs erträglichen Person, nämlich einem Menschen.

Die Ironie ist ein verlässlicher Begleiter Kehlmanns. Die beiden verstehen sich gut, und so entkommt er gekonnt den Schergen der Schwerfälligkeit, die sich ach so wichtig nehmen. Solche Schreiber sind die idealen Sprengmeister für die Ewigkeitssehnsüchte der Zauberberglehrlinge. Seine Lunten hat er gelegt. Jetzt muss er noch sprengen.

In dem Autoren Leo Richter, der immer wieder in „Ruhm“ seine Nase nach oben streckt, hat er nicht sich abgebildet. Richter ist ein Autor ganz in der Tradition der Ausbeute. Man hätte ihn fast auch Thomas Mann nennen können. Er schreibt einfach alle Menschen seines Lebens (oder beinahe alle, denn auch davon handelt eine Geschichte) in Literatur um. Ein nervöser und ängstlicher Übersetzer. Ein Abbild deutscher Literaten. Aber gibt es die überhaupt noch, diese deutschen Literaten? Natürlich gibt es die. Und natürlich gibt es die nicht. Eines der Vorteile der Literatur ist es, jede Art von Dogmatismus unterlaufen zu dürfen. Daniel Kehlmann jedenfalls unterläuft beständig und fleißig alle Dogmen.

Die Welt könnte auf so intelligente Art interessant sein. Leider tut sich das deutsche Geraune immer so schwer damit, sich selbst zu verstehen. Daniel Kehlmann gibt uns die Leichtigkeit der Sprache zurück. Fast könnte man Freude an der Endlichkeit des Lebens entwickeln …

Aber Sie wissen ja: Miesmacher gibt es auf jeder Party. Wenn man aber einen Kehlmann hat, der sie in eine Geschichte baut, dann kann man auch an denen seinen wahren Spaß haben.

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Ruhm von Daniel Kehlmann, 2009, Rowohlt6.)

Ruhm.
Ein Roman in neun Geschichten von Daniel Kehlmann (2009,
Rowohlt).
Besprechung von Wolfram Schütte aus dem titel-magazin vom 02.03.2009:

Artist in seiner Zirkuskuppel: turnend - Kehlmanns prosaischer Ruhm im Gegenlicht.
Daniel Kehlmanns neuer Roman hat dem Autor mehr Vergnügen bereitet, als einem Leser, der von Julio Cortázar und Italo Calvino verwöhnt worden war und in dem artistischen Ruhm nur eine schöne Kunstfigur sehen kann.

Das gespannte Interesse sowohl der Buchkäufer wie der Kritiker an Daniel Kehlmanns „erstem Buch” nach seinem „Welterfolg” ist durchaus verständlich. Seine Vermessung der Welt ist um die Welt gegangen und auf Deutsch soll sie 1,3 Millionen Mal verkauft worden sein. Aber die schneeballartig akkumulierte Käuferresonanz beim Publikum hatte 2006 ff. die deutschsprachige Kritik verunsichert. Manche Kritiker, die das Buch bewundert hatten, glaubten sogar, sich revidieren zu müssen, weil Die Vermessung der Welt nun doch „so gut auch wieder nicht ist“. Als sei Kehlmanns vielfach berätselter Bestsellererfolg eine Schande, für die man sich als rezensierender Lobredner nun zu schämen habe.

Der österreichische Autor, dem bewusst war, im langen Schatten seines Erfolgs nun von aller Welt neu vermessen zu werden, hat sich angestrengt, um alle durch einen literarischen Tour-de-force-Ritt zu überraschen – mit einem „Roman in neun Geschichten“, der witzigerweise Ruhm heißt. Die selbstbezügliche Ironie des Titels ist aber leider das einzig wirklich Witzige, wenn man seine schwergewichtig dröhnende, enervierend lange Parodie des sprachlichen Internet-Geschwurbels („Ein Beitrag zur Debatte”) nicht auch noch für witzig, statt bloß für albern hält.

Es sieht aber für mich eher so aus, als habe Daniel Kehlmann über seine literarische Klöppelarbeit an Allusionen und „Links”, mit denen er ein Netzwerk von Bezügen zwischen seinen neun Geschichten zu einem „Short-Cut“-Potpourri knüpft, vergessen, dass sein persönlicher Spiel-Spaß an der Erfindung von Figuren, Konstellationen & Motiv-Verweisen nicht notwendigerweise von einem Nach-Leser geteilt werden muss.
Die neun Geschichten haben, wie der Roman, der sich über sie entwickelt, ein gemeinsames Thema: die Entwirklichung der gelebten Welt durch die neuen Kommunikationsmedien Handy, Internet & TV einerseits; und andererseits die Fiktionalisierung des Erlebten durch Schriftsteller, denen ihre erfundenen Figuren das ihnen zugedachte Lebens- & Sterbenskonzept durchkreuzen („Rosalie geht sterben“), sodass sie sich am Ende sogar „In Gefahr“ (& höchster erzählerischer Not) aus dem Staub machen und in Luft auflösen.

Der zur Buchvermarktung seines Bestellers und zum deutschen Prestige (auch für das „Goethe-Institut”) viel gereiste junge österreichische Bestsellerautor hat gewiss auch eigene Erfahrungen mit wechselnden Ortlosigkeiten, persönlichen Verlassenheiten & mit wiederkehrend dämlichen Fragen auf seiner Vorlesetour verarbeitet – wie auch als geistesgegenwärtiger Intellektueller, der er ist, den Talmiglanz des öffentlichen, weltumspannenden Ruhms und dessen Kollateralschäden bei Promis, Stalkern & Fans reflektiert. Gut & schön.

Dreifach aufgefächertes Schriftsteller-Personal

Es ist also ein durchaus zeitsymptomatisches, die virulenten Medien „hinterfragendes” Interesse, dessen essayistische Recherchen & Bedenken Daniel Kehlmann in sein erzählerisches Glasperlenspiel von neun parabelhaften und parabolischen Geschichten übersetzt. Wie sehr er sowohl über als auch von sich als Künstler dabei spricht – wie übrigens in allen seinen letzten Büchern über Intellektuelle im Fokus der Öffentlichkeit –, offenbart allein schon das dreifach aufgefächerte Schriftsteller-Personal seiner neun Erzählungen: der bekannte & bewunderte, hypersensible Kurzgeschichtenschreiber Leo Richter, aus dessen Feder eine und eine halbe der Ruhm-Geschichten stammen soll; die hilflos in Asien während einer PEN-Reise strandende und verschwunden bleibende (& dadurch „berühmte”) Krimiautorin Maria Rubinstein; und der überdeutlich dem weltweit erfolgreichen Lebenshilfe-Guru Paolo Coehlo nachempfundene Miguel Auristos Blanco, dessen Bücher in allen neun Geschichten gelesen werden, der aber als „Antwort an die Äbtissin” sich entleibt, weil die ehemalige Jugendfreundin mit ihren Theodizee-Fragen ihn dazu gebracht hat, sich des Humbugs seiner falschen literarischen Tröstungen für das Leiden in der Welt inne zu werden. Als Selbstmörder würde er seinen Ruhm sowohl widerrufen als auch krönen.

Das übrige Personal von Daniel Kehlmanns Ruhm ist der lieblos verheiratete technische Angestellte Ebling, der Computer repariert und auf seinem Mobiltelefon durch einen Vergabefehler plötzlich Anrufe von Geliebten des weltbekannten Schauspielers Ralf Tanner erhält, worauf Ebling mit der unverhofften Verwechslungsmöglichkeit zu spielen & seine Gattin wieder zu begatten beginnt („Stimmen“). Ralf Tanner wiederum – in der Geschichte „Der Ausweg” – wird durch das mobile Dazwischengefunke des Fremden „sich selbst unwirklich“, und weil er seiner öffentlichen Präsenz überdrüssig ist, ergreift er die Chance, als „Ralf-Tanner-Imitator” sich aus seinem Leben davon zu stehlen, nachdem ein anderer Imitator sich an seine Stelle und in sein gemachtes Nest gesetzt hat. Schließlich werden wir noch mit dem „Leiter einer großen Telekommunikationsfirma” bekannt gemacht, der unverantwortlicherweise für den Schlamassel verantwortlich ist, in den Ebling und Tanner verwickelt werden und der daran scheitert, dass ihn sein Doppelleben als Geliebter & Ehemann logistisch überfordert („Wie ich log und starb“). Und obwohl Kehlmann seine neun kürzeren oder längeren Gedankenspiele aus der mobilen Telekommunikationswelt & aus der Wunderkammer der schriftstellerischen Allmächtigkeit mit dem ceterum censeo seiner kulturkritischen Merksätze gepflastert hat, lässt er auch noch zweimal einen rotbemützten Dämon hilfreich auftreten, der dann über das Heideggersche „Gestell”, in dessen jüngsten Erscheinungen der Autor seine Figuren zappeln lässt, sein salbungsvolles Credo verkündet: „Sie fragen, warum so vieles nicht geht, lieber Herr? Weil ein Mensch vieles sein will. Im wörtlichen Sinn. Er will viel sein. Vielfältig. Möchte mehrere Leben. Aber nur oberflächlich, nicht im Tiefsten. Das letzte Drängen, lieber Freund, zielt darauf, eins zu sein. Mit sich, mit allem.”

Von allen realen Widersprüchen aseptisch befreit

Vieles & vielfältig will auch Daniel Kehlmann in der von ihm aufgesuchten Löwengrube der selbstreflexiven & -referentiellen literarischen Moderne als Autor sein. Seine Drei- oder Vielfaltigkeit reicht vom Bauprinzip seines Romans und der erzählerischen Logistik literarischer Produktion bis zur persönlichen Postproduction durch die vorauseilende Explikation eines autorisierten Lesemodells: also von A bis (FA)Z.

So sehr man Kehlmanns artistisches Jonglieren als handwerkliche Meisterschaft eines bewundernswert kenntnisreichen poeta doctus hochschätzen kann, ja: muss, so enttäuschend ist aber die sprachliche Dürftigkeit, Spannungs- & Glanzlosigkeit seiner Prosa und die Trivialität seiner demonstrativ arrangierten Parabeln. Sie „funktionieren” nur, weil der Autor sie von allen realen Widersprüchen aseptisch befreit hat. Dem Roman fehlt leider Charme, Farbe, Eros & stilistische Pointiertheit – was einem vor allem dann schmerzhaft auffällt, wenn man ihn gegen die Romane & Erzählungen von Autoren hält, mit denen der Autor auf eng vergleichbarem Feld der postmodernen phantastischen Literatur spielt: ich meine Julio Cortázar und Italo Calvino.

Allerdings hat Kehlmann das Glück, dass weder die deutsche Kritik noch das Publikum eine substantielle Erinnerung an die komplexen Oeuvres beider Autoren hat, also das literarische Gefälle z. B. von Rayuela und 62/Modellbaukasten oder Wenn ein Reisender in einer Winternacht ... zum Ruhm abschätzen kann – im Gegensatz zu dem österreichischen Autor, der sich in ihre literarische Tradition stellt und dem man, bei aller Freude und Stolz über die ihm gelungene Spielanordnung, ein selbstkritisches Urteil im Vergleich zu seinen meisterlichen Kollegen zutrauen darf.
                         
Der Zufall will es, dass jetzt bei Wagenbach sieben „Episoden aus dem Alltag der Italiener” von Gianni Celati erschienen sind. Der 1937 geborene italienische Schriftsteller lässt unter dem Titel Was für ein Leben! seine Leser gewissermaßen sehenden Auges an der literarischen Zurichtung seiner erinnernden Ausgrabung teilnehmen, mit der er seine Kindheit in den 50er-Jahren erzählerisch heraufruft. Und zwar durch sieben, um einzelne Charaktere und Situationen gelagerte Episoden, in denen Celatis provinzielle Helden & Heldinnen in wechselnden Konstellationen und Lebensphasen erscheinen und alle miteinander ebenso durchgängig „verspiegelt” werden, wie das Kehlmann durch seine Motivverkettungen getan hat. Dem lässig-spielerischen Fabulierer Celati gelingt dabei so etwas wie ein komödiantischer Flickerlteppich der Erinnerung und der Imagination, wogegen Daniel Kehlmanns Roman leider „nur eine schöne Kunstfigur” bleibt. Immerhin: an konstruktiver Kunstfertigkeit dürfte es kein Gleichaltriger unter den deutschen Schriftstellern dem dreiunddreißigjährigen literarischen Vabanque-Spieler gleichtun können.

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