Rudernde Hunde von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, 2002, HanserRudernde Hunde.
Erzählungen von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder (2002, Hanser).
Besprechung von Felix Mauser aus dem Münchner Merkur, 8.9.2002:

Geplagtes Känguru
Erzählband von Heidenreich und Schroeder

Wer hätte gedacht, dass Oblomow, Hund und treuer Weggefährte des berühmten Tänzers Rudolf Nurejew, im stillen Gedenken an seinen Herrn heimlich Ballettposen einnimmt, am Bois de Boulogne, im nächtlichen Paris? Dass ein großes schwedisches Möbelhaus zeitlebens für praktische Bücherregale sorgt, für das letzte Kapitel des menschlichen Daseins aber kein Modell verfügbar hat? Und was verbirgt sich hinter dem Geheimnis der chinesischen Wäscherei? Diesen und ähnlichen Fragen gehen Elke Heidenreich und Bernd Schroeder nach, die viele Jahre nach gemeinsamer Arbeit an Drehbüchern für Fernsehspiele zusammen einen Erzählband geschrieben haben.

Sonst in unterschiedlichen literarischen Gefilden beheimatet, sitzt das beidseitig schreibende Ehepaar nun buchstäblich in einem Boot: "Rudernde Hunde" vereint 19 meist amüsante, in Flora und Fauna angesiedelte und in fast jedem Fall poetisch anmutende Geschichten von Menschen und Hunden, Hühnern, Igeln, Lieben und Launen, von praktischen und von romantischen Seiten des Lebens. Beide Autoren, die abwechselnd Beiträge zusammengetragen haben, bleiben sich und ihrem Stil im besten Sinne treu. Die pure Lust am Geschichtenerzählen, die Genauigkeit des Beobachtens und der feinsinnige Humor, all das ist hier wieder zu finden. Die Tiere, die Menschen und ihr Verhältnis zueinander haben es ihnen angetan.

Mit Chuzpe und Hintergedanken entdecken Heidenreich und Schroeder die Absonderlichkeiten bei Tier und Pflanze, im menschlichen Verhalten. So kommt ein Eichhörnchen im morgendlichen Südpark zu Wort und stellt der joggenden Läuferin Fragen. Ein Känguru, von Filmleuten mit Trachtenjacke und Hut verunstaltet, hoppelt durch die Prärie, der schüchtern liebende Herr Hürzeler mit grünem Daumen nähert sich der frisch Verwitweten.

Der Romancier Bernd Schroeder und die Alltags- und Liebesgeschichten erzählende Elke Heidenreich ergänzen sich in ihren sprachlichen Differenzen und Neigungen, im Wunsch, Erdachtes und selbst Erlebtes zu Papier zu bringen. "Kaum ein Manuskript verlässt unser Haus, das nicht vorher vom anderen gelesen wurde", erklärt Heidenreich die bisherige Arbeit im literarischen Duett, das stille, über Jahre gewachsene Vertrauen der beiden Autoren zueinander. "Vier Augen sehen mehr als zwei. Man kann ganz ehrlich miteinander umgehen und sich offen kritisieren." Nun können die Anhänger von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, ein Jahr nach zwei so unterschiedlichen Büchern wie den Erzählungen "Der Welt den Rücken" und dem Roman "Die Madonnina", erneut in Geschichten schmökern - ein erfreuliches Wiedersehen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.merkur-online.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0902 LYRIKwelt © Münchner Merkur