Rosenrot.
Roman von Arne
Dahl (2006, Piper
- Übertragung Wolfgang Butt).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der
NRZ vom
25.04.2006:
Das Buch im Blut
Es gibt immer noch etwas Schlimmeres in
Schweden: Arne Dahls neuer Kriminalroman "Rosenrot" zum Beispiel.
Wenn der Staat gefordert ist, zittern seine Diener. Anlässlich des EU-Gipfels in Göteborg fand sich die schwedische Polizei zwischen den Fronten wieder: eine schwere Zerreißprobe in Sachen Neutralität. Nicht gern stand man als Zielscheibe vor Steine werfenden Demonstranten, wo eigentlich das Militär hingehört hätte. Seit die Gewaltspirale im Ikea-Land Königshaus und funktionierende Demokratie irritiert, wächst bei den Vollzugsbeamten die Lust am Waffengebrauch. In ursächlichem Zusammenhang damit erhöht sich die Zahl der Prozesse gegen Dienstvergehen. Kein Wunder, wenn die Kommissare stiften gehen oder zumindest im Bürobummeltrakt ihre Pensionierung herbeisehnen. Per-Olov Hultin ist nicht frei von solchen Gedanken, dabei ist er als Chef der legendären A-Gruppe ein Garant der Verbrechensaufklärung von internationalem Zuschnitt. Dies ist der fünfte Roman um sein tiefsympathisches Aufklärungs-Septett, den wir zu lesen kriegen. Zehn sollen es werden, doch schon jetzt steht fest, dass diese an Individualisten reiche Crew in der Pole-Position des wahrlich bestens besetzten Krimirennens aus dem hohen Norden startet. Arne Dahl hat sie dort hingebracht. Er ist knapp über die Vierzig und heißt im richtigen Leben Jan Arnald. Auch andere Bücher hat er geschrieben, ist Doktor der Literaturwissenschaften und Herausgeber zweier Zeitschriften. Eine erscheint im Auftrag der Akademie, die Nobelpreise vergibt.
Angestachelte Leidenschaften
Arne Dahls Krimis sind ein engagiertes Lesefutter, bestens konstruierte Kaleidoskope, in denen sich Verfehlungen so bündeln, dass einem Angst und Bange werden könnte, würden nicht die versammelten Leiden vor den angestachelten Leidenschaften der Ermittler in die Knie gehen.Doch nun muss in Hultins Dienstzimmer von interner Untersuchung geredet werden. Ein Afrikaner ist durch einen Polizisten zu Tode gekommen. Was wie ein Notwehrdelikt aussieht, führt tief in die verdrängte Vergangenheit der besten Frau aus seiner Mannschaft. "Es gibt immer noch etwas Schlimmeres", tröstet sich ein Polizist. Das klingt wie ein Pfeifen im Walde, denn von Aids in Entwicklungsländern, Abschiebungspraktiken, Pharmaindustrie, Sucht, gewaltsamem Sex, Pädophilie und dubiosen Investmentgesellschaften wird im Fortgang der wuchtigen Ereignisse nichts ausgelassen, ganz zu schweigen von unkonventionellen Mordmethoden. Was bei jedem anderen Autor zum Dröhnen mit Versatzstücken missraten würde, puzzelt Arne Dahl zu einem spannenden Plot, zu einem temposcharfen Action-Szenario, bei dessen Entwirrung schlussendlich die Bibel hilft:
Ein Buch Blut unter Schwedens eingetrübtem Sommerhimmel, manchmal eine Spur zu effektvoll, doch ein Hohelied auf den Sieg über den Größenwahn der Gewalt. (NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0706 LYRIKwelt © Neue Ruhr/Rhein Zeitung