Romane und Dramen.
von Kuno Raeber (2004, Nagel & Kimche, hrsg. von Christiane Wyrwa und Matthias Klein).
Besprechung von Hanno Helbling aus Neue Zürcher Zeitung vom 06.05.2004:

Im Fluidum der Sprache
«Wirbel im Abfluss» von Kuno Raeber

In dem jetzt erschienenen vierten Band der Werke Kuno Raebers (der fünfte und letzte soll im Herbst herauskommen) steht zwischen der dramatischen Skizze «Bocksweg» (1985) und drei späten Erzählungen («Bilder Bilder», 1994) der Roman «Wirbel im Abfluss» (1989). Dieses zweifellos bedeutendste Werk des Autors ist seinerzeit unter dem Titel «Sacco di Roma» publiziert worden; man versteht den Verleger, der Raeber zu dieser Änderung überredete oder nötigte; und man versteht Raeber, der dann an seiner - jetzt wieder respektierten - Fassung des Titels festhielt. Sie verweist auf das Formprinzip, das nicht erst dieses Buch, sondern das gesamte Schaffen des Dichters bestimmt: Raeber hat schon in Spiralen geschrieben, bevor er Spiralen oder eigentlich die Spirale schrieb.

Soll aber ein Titel die Struktur des Textes verraten und nicht fürs Erste doch eher nur einen thematischen Hinweis geben? Die Frage ist immerhin legitim. Gegen «Sacco di Roma» spricht andererseits, dass die so geheissene Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte im Jahr 1527 nur eines von vielen Ereignissen ist, bei denen die Erzählung, und nicht etwa «der Reihe nach», vorbeikommt; auch der Brand des Borgo von 847 und die Pest des Jahrs 590 werden evoziert, und mit dem König von Frankreich, mit dem Papst, mit dem Kaiser sind immer wieder andere historische Gestalten gemeint; oder allgemeiner gesagt: Nicht Historisches kommt zur Sprache, sondern Geschichte verwirklicht sich im kreisenden Fluidum der Sprache....Fortsetzung

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