Römische
Affären.
Roman von Andrea
Isari (2002, Piper).
Besprechung von Canan Topcu in der Frankfurter Rundschau, 17.2.2003:
Römische Affären vom Main
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Krimi-Autorin Andrea Isari schickt ihre
Kommissarin Leda Giallo zur Ermittlungs-Arbeit in den Vatikan
Gianpiero Puccio, Bankinspektor in Rom, wird tot aufgefunden. Er war dahinter
gekommen, dass mit Kirchengeld üble Mafia-Geschäfte betrieben werden. Das
jedenfalls deckt die römische Kommissarin Leda Giallo auf. Wer des
Italienischen mächtig ist, horcht bei diesem Nachnamen auf und wird auf die
richtige Spur gesetzt: Giallo heißt nämlich auf Italienisch Krimi. Und es
handelt sich in der Tat um einen Krimi, und zwar um einen der in Frankfurt
lebenden Autorin Andrea Isari.
Das Erstlingswerk der 48-Jährigen heißt Römische Affären und greift
ein bekanntes Thema auf: die Verstrickungen von Vatikan und Wirtschaft. Die
Geschichte ist allerdings - schließlich ist's ein Roman - nicht nur an der
Wirklichkeit orientiert: "In Wahrheit gab es keinen Toten", erzählt
die Autorin.
Dass aber der neapolitanische Kardinal in dubiose Machenschaften verwickelt
war, ging Ende der 90er Jahre durch die Presse. Damals lebte Andrea Isari in
Rom. Die Ehefrau eines Italieners und Mutter eines Sohnes arbeitete als
Journalistin und befasste sich beruflich intensiv mit dem Fall. Für deutsche
Zeitungen durfte sie darüber allerdings gerade mal 120 Zeilen schreiben.
"Viel zu wenig für eine solch spannende Geschichte".
Und irgendwann setzte sie ihre Idee um und machte daraus einen Roman.
"Ein Buch schreiben, das wollte ich schon als Kind." Sie lacht, während
sie von "Pony-Büchern" erzählt, die sie auch noch selbst bebildert
habe.
Erfolgreich war sie als junge Autorin allerdings nicht, es brauchte einige
Jahrzehnte, bis sie mit dem Rohstoff aus Rom einen zweiten Anlauf nahm. Und es
dauerte etliche Monate, bis aus der Story um den toten Bankinspektor ein Krimi
mit rund 300 Seiten wurde. So recht kann es Andrea Isari noch immer nicht
fassen, dass die vielen Puzzleteile ihres italienischen Lebens - bestehend aus
Beobachtungen und Begegnungen in der Ewigen Stadt - inzwischen zusammengesetzt
in Buchform auf dem Markt sind. "Ich hatte Glück", meint Isari.
Denn alleine hätte sie sich auf dem Literaturmarkt wohl nicht
zurechtgefunden, zumal sie sich nicht sicher gewesen sei, ob ihr Krimi etwas
taugt oder nicht. "Ich wusste, dass es keinen Sinn hat, das Manuskript
selbst an Verlage zu schicken." So habe sie sich professionelle Unterstützung
geholt und mit ihrer Literaturagentin einen guten Griff gemacht.
Die gebürtige Koblenzerin Isari blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Vom
Rhein zog sie nach Rio, von dort dann nach Bonn, wo sie viele Jahre als
Korrespondentin für verschiedene Zeitungen tätig war, bis sie schließlich
der Liebe nach Rom folgte. Als ihre Ehe zerbrach, kehrte sie nach Deutschland
zurück und ließ sich vor zwei Jahren in Sachsenhausen nieder. Der Alltag der
Autorin, die unter dem Pseudonym Andrea Isari veröffentlicht, hat wahrlich
wenig mit dem römischen zu tun. Die 48-Jährige arbeitet heute als Sprecherin
eines großen Wirtschafts-Verbandes in der Mainmetropole. Als Krimi-Autorin
ist sie dort (noch) nicht bekannt. "Das eine hat ja mit dem anderen
nichts zu tun", meint die studierte Juristin, die erst am Abend zu Andrea
Isari wird. Dann sitzt sie am häuslichen Schreibtisch, wandert mit ihren
Gedanken nach Rom und lässt dort Leda Giallo an ihrem zweiten Fall arbeiten.
"Ich fahre auf verstopften Straßen, rieche die Abgase des tobenden
Verkehrs und habe den Geschmack von Cornetti im Mund." Es reiche aber
nicht, nur von Erinnerungen zu zehren. "Sachsenhausen ist zwar wunderschön,
aber es eignet sich nicht für typisch römische Affären", sagt sie mit
verschmitztem Lächeln. Der nächste Flug zum Auftanken neuer Eindrücke vom
Tiber ist schon gebucht.
Als erstes werde sie wohl einen Espresso in Marios Bar trinken. Den Wirt, der
in Römische Affären die Tagespolitik kommentiert, gibt es nämlich
wirklich. "Und sein Espresso ist der beste."
Leda Giallo hingegen ist eine Kunstfigur. Dass die Kommissarin recht
klischeehaft geformt ist, weiß die Autorin sehr wohl. "Ich hatte auch
nicht die Ambition, das Muster zu durchbrechen", erklärt sie und fügt
hinzu, dass Leda zwar dem Klischee über Kommissare entspreche, nicht aber dem
über römische Frauen. Diese Römerin macht sich überhaupt nichts aus
Kleidung, Schmuck und Schminke. Dafür isst Leda gerne, und das ist eine der
Gemeinsamkeiten von Kommissarin und ihrer Erfinderin.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.fr-aktuell.de]
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