Reizkers Entdeckung.
Prosa von Dieter Zwicky (2006, Bilgerverlag).
Besprechung von Markus Köhle, 2006:

Reizkers Entdeckungen

Zwickys zweites Buch enthält 49 Prosaminiaturen. "Der Schwan, die Ratte in mir" hieß das erste. Diesmal sind die Texte eher pflanzen-, nein, sprachkonzentriert aber eben mit pflanzenaffinen Helden. Ewald zum Beispiel. "Ewald möchte einen Palazzo haben, einen gelben Palazzo, worin er seine Finger kühlte. Er möchte das nicht erklären. […] Ewalds Welt sind hübsche kleine, unwahre Sätze. Im gelben Palazzo setzen sie sich durch, eine Art Bevölkerung." Da kam jetzt zwar gar keine Wesensverwandtschaft mit Pflanzen vor, aber das macht nichts. "Denn die Ausflüge des Blicks spotten so lange jeder Beschreibung, als damit nur der Rastplatz um ein wenig Sinn gemeint ist."

Ja, Sie haben richtig (noch nicht) verstanden. Lassen Sie sich Zeit, hetzen Sie nicht durch diese Texte. "Worte brauchen viel Schlaf." Und ausgeschlafene Leser Sätze wie diese: "Stets ist das ‚Ziel' das Dorthin, wohin einen ein paar schöne Sätze bringen. Der schöne Satz bestimmt die Geografie, falls Wünsche eine solche haben. Ja, Wünsche haben eine Geografie; Wünsche ‚wissen ein Land'. Wissen kann man es nicht, aber wünschen." Wünsche wohnen überall. Eine gute Ausgangsposition fürs Dortbleiben.

"Dort wären Worte lediglich ihrem Hirn verpflichtet, der eigenen Vorstellungskraft." Ach ja, das Grußhafte von Bäumen wollte ich noch unterbringen, bevor ich mich mit Zwicky verabschiede: "Die wichtigsten Worte verrichten ihre Arbeit allein." Solch ein Buch braucht Fürsprecher, Leserherzen sind ihm gewiss.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.autohr.at]

Leseprobe I Buchbestellung 0907 LYRIKwelt © Markus Köhle