Alexander Pusckin. Eine Biographie von Reinhard Lauer, 2006, Beck

Alexander Puschkin. Eine Biographie.
Biographie über Alexander Puschkin (2006, Beck - von Reinhard Lauer).
Besprechung von Thilo Castner in den Nürnberger Nachrichten vom 5.3.2007:

Porträt eines Lebemanns
Reinhard Lauers Biografie über Alexander Puschkin

Er gilt bis heute als der bedeutendste Dichter Russlands, als der «russische Goethe»: Alexander Puschkin. Seine Gedichte und Vers-Erzählungen ebenso wie die Romane und Geschichtsstudien sind unbestrittene Meisterwerke der Weltliteratur. Reinhard Lauer, Professor für Slavische Philologie und Vorsitzender der Kommission für Interdisziplinäre Südosteuropa-Forschung in Göttingen, hat Leben und Werk Puschkins in einer brillanten Studie aufgearbeitet.

Sein Fazit: «Alles geriet diesem Genie zur Poesie, so wie bei Mozart alles Musik wurde. Die Menschen, denen er begegnete, die Situationen, die Freundschaften, in denen er sich vorfand, die geschichtlichen, mythologischen, ethnographischen und literarischen Gegenstände, mit denen er sich beschäftigte, die nie versiegende Begeisterung für das schöne Geschlecht, der Lebensfluss, der ihn umgab - alles schwoll zu einem gewaltigen Strom der Poesie.» Der Leser erfährt, wie und unter welchen Umständen die Werke Puschkins entstanden und bekommt laufend literarische Kostproben, so vom Märchenpoem «Ruslan und Ljudmila», von der Tragödie «Boris Godunov», vom Versroman «Evgenij Onegin», von der Novelle «Pique Dame», dem Roman «Die Hauptmannstochter» sowie einer Vielzahl von Gedichten, die auch in der deutschen Übersetzung nichts von ihrer künstlerischen Vollkommenheit verloren haben.

Bereits auf dem Lyzeum von Carskoe Selo hatte Puschkin mit dem Dichten begonnen. Sein erstes veröffentlichtes Poem erschien 1814 im Boten Europas, da war er gerade mal 15. Und nur wenige Jahre später war er das viel bewunderte Dichtergenie, willkommener Gast in den Salons adliger Damen, geschätzt von Zar Alexander, gefeiert von Freunden, Gefährten und Dichterkollegen wie Gogol und Turgenev.

Der zu «Scherz, Liebelei und Provokation» neigende Musensohn hatte jedoch auch Neider und Feinde. Seine Sympathie für die Dekabristen führte zu einer vierjährigen Strafversetzung in den Süden und anschließend zur zweijährigen Verbannung nach Michailovskoe. Stets blieb er bespitzelt und überwacht. Alle seine Werke unterlagen strenger Zensur, Veröffentlichungen wurden erschwert und verzögert, was wiederum erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge hatte. Verschuldet war Puschkin dank einer maßlosen Spielleidenschaft ohnehin. Nach seiner Ermordung 1837 in einem ihm aufgezwungenen Duell hinterließ der 37-Jährige seiner Frau und den vier Kindern 75 Rubel und Schulden in Höhe von 30 000 Rubel, für die dann allerdings Zar Nikolaus generös aufkam.

Anschaulich schildert Reinhard Lauer auch das politische Leben zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Russland - die Vergnügungs- und Verschwendungssucht des Adels, die Willkür und Selbstherrlichkeit am Zarenhof, die Genügsamkeit und Unterwürfigkeit der Leibeigenen. Eingeblendet werden zudem historische Vorgänge wie die Dekabristenrevolte, der Polenaufstand, der russisch-türkische Krieg, die Juli-Revolution in Frankreich und die Freiheitsbewegungen in den südeuropäischen Ländern. Puschkin hat diese Ereignisse stets mit großer Anteilnahme verfolgt und in vielen seiner Schriften scharfsinnig kommentiert.

Insofern vermittelt diese Biografie nicht nur Einblick in das Schaffen des großen russischen Dichters, sondern auch in 40 Jahre europäischer Geschichte.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Nürnberger Nachrichten]

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