Literaturzeitschrift Podium 135/136, 2005Das Doppelheft der Literaturzeitschrift „Podium 135/136“ (Pölten 2005) „Ungarn“.
Nach Polen und Tschechien hat nun auch Ungarn ein eigenes Doppelheft in der nunmehr seit 34 Jahren Bestand habenden Podium-Reihe.
Besprechung von Paul Alfred Kleinert, Berlin-Kreuzberg, Dezember 2005:

Gut ausgewählt und ebenso übertragen von György Buda (Wien), hält jenes (neben Klassikern wie Kertész und Márai) auch eine Anzahl interessanter Dichterinnen und Dichter der mittleren Generation vor, von denen man im deutschen Sprachraum (mit Ausnahme  Endre Kukorellys – erinnert sei an Poet`s Corner 14 in der bilingualen Auswahl Irene Rübberdts, Berlin 1992, und an „Die Gedächtnisküste, Graz/Wien 1997) bisher noch nicht viel gehört hat.

Da sind die Verse des Dichterjuristen Csaba Báthori, dessen zuweilen lakonische Diktion an Erich Kästner erinnernde Sätze wie: „Wie denken nach und sterben mittlerweile.“ aufführt und dem eindringliche, Verlust und Erinnerung beschreibende Zeilen in seinem „Im Tor der Versöhnung“ gelungen sind, so daß man sich ein auch quantitativ stärkeres Vertreten-Sein seiner Gedichte in der Anthologie gewünscht hätte.

Oder die Verse des Budapesters Sándor Tatár, eines Hungarologen und Germanisten, dessen feine, wie ziselierte Sprache verschiedene Bedeutungsspektren aufzubrechen vermag, den durch die Texte erweckten Bildern eine mehrdeutige Projektionsfläche an die Seite stellend. Sich auf dieser dann virtuos bewegend, gibt Tatár den Lesenden die Eindrücke seiner sich in feine Bahnen verzweigenden Gedankenketten mit auf den Weg, die eine Betrachtung wie auch ein Nach-Denken lohnen. Ein Gedicht wie „Zu deiner/ unserer Hand“ gibt davon ein beredtes Zeugnis.

Man wird auf das im kommenden Jahr in Deutschland erscheinende bilinguale Buch „Endlichkeit mit bittrem Trost“ des Dichters (der übrigens Nachdichter/innen wie Annemarie Bostroem, Günther Deicke oder Paul Kárpáti, um nur drei zu nennen, für die Nachdichtung seiner Texte zu gewinnen vermochte) gespannt sein dürfen.

Zudem sei ein Streiflicht auf die Gedichte des Theologen Mátyás Varga geworfen, der in zarter Schilderung („Am Abend der Abfahrt“, „Dort, an der steinernen Mauer“) einer verrinnenden Zeitlichkeit Momente dinghaft macht und deren Eindrücklichkeit im Bild aufzufangen und wiederzugeben vermag.

Durchaus verdienten auch andere, in der Anthologie aufgenommenen Autor(inne)n eine namentliche Würdigung, was hier jedoch aus Platzgründen unterbleibt.

9 bzw. 6 Jahre nach dem Erscheinen der bilingualen Anthologie Másnap/ Anderntags (Budapest/Köln 1996) in der Herausgabe Paul Kárpátis und der von G. Faulkner und O. Kalasz herausgegebenen „Budapester Szenen“  (Köln 1999), erhält ein interessiertes Publikum im deutschsprachigen Raum mit dieser Publikation wieder einen Einblick in derzeit in Ungarn interessierende Themen  - und das, wie der unterzeichnete Rezensent meint, in einer, Dank dem Herausgeber und Übersetzer Buda, gelungenen Form.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

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