Planmäßige Ankunft von W,. Sophie Reich, 2014, BoDPlanmässige Ankunft.
Erzählungen von W. Sophie Reich (
2014, BoD).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, September 2015:

da trieb ich mit dir/ im Meer der Steine
W. Sophie Reich, 1943 in Hannover geboren, lebt heute in Bochum, wo sie 20 Jahre eine Galerie leitete, ehe sie mit dem Schreiben von Erzählungen und Gedichten begann.

In ihrem Buch „Planmäßige Ankunft“ merkt der Leser schnell, dass die Autorin sich auskennt in der Welt der Kunst, des Theaters, der Bücher, des Films, ein Wissen, das sie immer wieder geschickt in ihre Erzählungen einzubauen versteht und so womöglich eine neue Literaturgattung schafft, die man vielleicht mit dem Begriff Dokumentarerzählung umschreiben könnte, neben den ganz konventionell verfassten Erzählungen, die manchmal surreal, manchmal als starke Erinnerungen oder intensive Lebenserfahrungsberichte daherkommen.

All diese Erzählungen wie auch die ins Buch eingestreuten Gedichte haben ihren ganz eigenen Charme. Verfasst in klarer zugänglicher Sprache lässt uns die Autorin sehr authentisch und unverfälscht an ihrem Leben, ihrem Denken und Handeln teilnehmen, „Schuhmachers Jüngste“, die mit 66 Jahren Geld als „Geschirr- und Besteck-Reinigerin“ verdienen muss oder als Statistin eine Wäscherin in „Yerma“, dem tragischen Gedicht in drei Akten von F. G. Lorca verkörpert als „altes Weib unterm Brautkranz“.

Die Autorin erzählt von ihren Erfahrungen, von Krieg, Kindheit und gescheiterter Liebe. Sie zeigt Herz für benachteiligte und stigmatisierte Menschen, beweist sich als reisender „Reisemuffel“, dass Reisen gelernt sein will und die gute alte Eisenbahn mit „Holzklasse“ und „Bahnsteigkarte“ gemütlicher war und die Reisenden, anders als heute, Bekanntschaft schließen ließ.

Manchmal ist ihr Blick ein wehmütiger, auch melancholischer, manchmal ein sehnsüchtiger und verträumter. Immer ist er ein suchender, sehr menschlich mitfühlend und loyal: „kämst du zurück/ mundraub belohnt ich dir.“

Traum und Wirklichkeit vermischt sich in manchen Geschichten und schafft neue Konstellationen, irreal, aberwitzig, aber logisch und nachvollziehbar wie etwa in der Spinnengeschichte „Frieda oder die Einsamkeit des Alters“ oder in der Albtraumgeschichte „Baumeln“.

Gerne folgt man den Beobachtungen der Autorin von Jahreszeiten und Natur, von Grün als Farbe des Lebens, von „Spätsommer“, „Herbst“ oder „Ausflug“ oder „Verbreitet Regen“: „Verbreitet Regen/ glänzend vor Nässe/ die Hecke des Nachbarn/ die scharlachroten Beeren/ leuchtende Berberitze.“

Sie entdeckt das Wesentliche wie in „Lenis Geheimnis“ oder kann mit „Kunst aufräumen“, frei nach Ursus Werhli, gemeinsam mit ihrer Enkelin, die noch eigensinniger ist als sie selbst. Berührend reflektiert sie übers Alter, Träume und Wünsche und die alles verändernde Liebe: „wenn ich einen freund hätte/ würde ich mir/ die nägel blau lackieren/ eine grüne jacke kaufen/ und einen bunten schal“.

W. Sophie Reichs Erzählungen und Gedichte ähneln einem Spiegel, in dem sich auch der Leser unverhohlen wieder erkennt.

Es macht Freude und lohnt sich, sie zu lesen.

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