Pinky Helskinki von Lütfiye Güzel, 20151.) - 2.)

Pinky Helsinki.
Gedichte von Lütfiye Güzel (2015).
Besprechung von Thomas Becker in der WAZ vom 19.12.2014:

Lütfiye Güzels Reise in die Finsternis

Wer Lichterschein und sonniges Glück sucht, der ist bei Lütfiye Güzel an der falschen Adresse. Die junge Duisburger Autorin hat jetzt mit „Pinky Helsinki“ ihr viertes Buch veröffentlicht, das auf der finsteren Titelseite diesmal keine schwere Poesie, sondern ungereimte „Notizen…“ verspricht, die in rabenschwarzer Hoffnungslosigkeit irgendwo zwischen Lyrik und Prosa über reichlich Saft und Kraft verfügen. Die 1973 in Alt-Hamborn geborene Lütfiye Güzel eröffnet in „Pinky Helsinki“, das als Titel auf dem Cover auf dem Kopf steht, den literarischen Reigen mit einer düsteren Selbstmord-Geschichte eines jungen Mannes, den die Autorin aus persönlicher Sicht kommentiert: „Ich würde den Sprung auf die Zuggleise vorziehen, das hat zumindest ein bisschen was von ,Letzte Reise‘.“

Präzise und klare Sprache

Und zu viel Licht kann einen verdunkelten Kosmos in Unordnung bringen: „Die Sonne scheint. Ich kann nicht schreiben und nicht denken, wenn die Sonne scheint. Ich bin gedrückt, weil sie Druck macht. Ich kann nicht im Bett bleiben und fernsehen, weil ich im Augenwinkel den Staub sehe und durch den Türspalt noch eine Tür und den kleinen Monstertisch, und draußen ist nur Rasen und eine Maus, die wühlt…“.

Wie schon in ihren vorherigen Büchern beweist die längst landesweit prominente Autorin ihr Talent, für ihre Augenblicke eine präzise und klare Sprache zu finden. Ihr Blick auf die Welt fällt aber durch dunkles Glas. Doch wie heiter kann auch schwarzer Humor sein: „Die Motte ist wieder aufgetaucht. Jetzt klebt sie an der Jalousie. Ich habe sie nicht vergessen.“

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Pinky Helskinki von Lütfiye Güzel, 20152.)

Pinky Helsinki.
Gedichte von Lütfiye Güzel (2015).
Besprechung von Thomas Becker in der WAZ vom 14.3.2015:

Das Lächeln tut weh
„Früher war alles besser, und ich schließe aus, dass jemand so etwas einmal über das Heute behaupten wird. Man muss nicht dabei gewesen sein…“

Wer von Lütfiye Güzel eine gestylte Performance und ein optimistisches Alles-wird-gut erwartet, der ist in der falschen Veranstaltung. Die junge Duisburger Dichterin las bei den Akzenten im gut besuchten Café Alex aus ihrem jüngsten Buch „Pinky Helsinki“, das zwar keineswegs heiter, aber allemal nachdenklich stimmt. Mit ihren knappen und intelligenten Texten kann der Blick in den Abgrund auch rabenschwarze Freude bereiten und die Lust an der Kunst des pointierten Formulierens wecken, die hier mit lakonischer Illusionslosigkeit spielt. Wenn man denn philosophisch dafür gebaut ist.

Die mit dem Fakir-Baykurt-Preis ausgezeichnete Autorin, die mit „Pinky Helsinki“ nun schon ihr viertes Buch veröffentlichte, hat sich längst weit über Duisburg hinaus als eine Dichterin mit sehr persönlicher und eigenwilliger Handschrift jenseits des blumigen Mainstreams einen guten Namen gemacht. Charles Bukowski lässt grüßen.

Ein kleiner Tisch, ein Glas Wasser, wenige kleine Bücher und schon lädt Lütfiye Güzel mit klarer Stimme sehr konzentriert zur Reise nach „Pinky Helsinki“ ein, das man seit den Filmen von Aki Kaurismäki als depressiven und grauen Ort mit schweigsamen Menschen kennt. Wie sie sagt, gehört „die Selbstmordrate in Helsinki zu den höchsten Europas“. Doch sie weiß auch: „Jeder hat sein eigenes Helsinki…“

Tief im dunklen Keller brennt dann doch noch ein humoristisches Licht: „Menschen zu begegnen, denen man vielleicht zu recht nichts bedeutet, das macht schlapp. Ungenaue Dialoge, substanzlos und man spürt jede Sekunde, dass man unbedingt gehen, sich nicht verschleudern sollte, aber man bleibt und spielt sich selbst. Und das Lächeln tut dem Gesicht weh, und nachdem man das beschadet überstanden hat, will man nur noch in den Zoo und Gorillas zeichnen…“ Viel Beifall.

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