Perseus-Augo. Hellblau.
Briefe, Texte, Notizen von Gerhart Hauptmann und Erhart Kästner (2004, Aisthesis-Verlag, hrsg. von Julia Freifrau Hiller von Gaertingen).
Besprechung von Hg in Neue Zürcher Zeitung vom 31.12.2004:

Gerhart Hauptmann aus Distanz und Nähe

Erhart Kästner war Bibliothekar in Dresden - seit 1934 Leiter der Handschriftenabteilung an der Sächsischen Landesbibliothek -, als er die unerwartete Gelegenheit erhielt, bei dem von ihm leidenschaftlich verehrten Gerhart Hauptmann als Sekretär in Dienst zu treten. 1936 liess er sich für ein Jahr, nach dessen Ablauf nochmals für ein halbes Jahr beurlauben, um diese Chance zu nutzen, und über die Zeit seiner Tätigkeit im Hause Hauptmann hinaus blieb er dem greisen Dichter, den er in Briefen mit «Vater» anredet, eng verbunden. Den Zweiten Weltkrieg überstand er im besetzten Griechenland und in englischer Gefangenschaft; durch seine wie Hauptmanns Begeisterung für das Hellenische - Landschaft, antike Kultur - war die Freundschaft zwischen dem 1862 und dem 1904 Geborenen wohl schon gestiftet worden, und sie blieb ein Hauptinhalt ihres Austauschs. Die Rolle, die Kästner in nächster Nähe des grossen Mannes zufiel, war schwierig; seine Briefe über ihn klingen anders als die an ihn gerichteten; so anders, dass der treue Diener manchmal etwas doppelzüngig wirkt. Doch da sich die räumliche Distanz wieder herstellt, versiegt die Médisance, und die Anhänglichkeit kommt rein zum Ausdruck. Die Herausgeberin hat indessen gut daran getan, nicht nur den Briefwechsel Hauptmann - Kästner (der ziemlich einseitig von dem Jüngeren geführt wurde), sondern eine viel breitere Dokumentation zu dem Verhältnis, zwar etwas knapp kommentiert, vorzulegen. Albert von Schirnding bringt sich mit einem Vorwort ein.

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