Paraiso, metamorfosis y memoria. La influencia de Proust y Kafka en la obra de Mujica Lainez.
Sachbuch von Dinana García Simon (1998, Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften)
Besprechung von Rudolf Kerscher in Hispanorama, 81/1998:

Manuel  Mujica Lainez (1910-1984, seine Familiennamen werden in verschiedenen Varianten geschrieben) gehört zu den bekanntesten argentinischen Autoren unseres Jahrhunderts. Die Verfasserin beginnt mit der Vorstellung seines erzählenden Werkes unter den Gesichtspunkten „Begegnung zweier Kulturen“, „Suche nach dem Paradies“ (vor allem am Beispiel des Pier Francesco Orsini und der Melusine), „Labyrinth“, sowie „Schauplatz Paris“. Sie bezieht ziemlich ausführlich auch den frühen, weniger bedeutenden Roman „ Don Galaz de Buenos Aires“ mit ein. Bei ihren literarischen Vergleichen stützt sie sich auf das europäische Mittelalter, den Ritterroman und die Celestina, aber auch Carpentier, García Márquez, Fuentes und Rulfo. In diesem ersten wie auch in den folgenden Kapiteln hält sich die Verfasserin streng an den Text und geizt nicht mit Belegstellen.

Garcia Simon erläutert dann die Einstellung von Mujica Lainez zur phantastischen Literatur, zum Wunder, zu künstlichen Menschen, Doppelgängern, Feen und Gespenstern. Im Anschluß daran zeigt sie Parallelen zwischen Mujica Lainez und Kafka auf (Thema Verwandlung, Zeuge, Schrei, Tod), mit überraschend vielen Beispielen (mehr inhaltlicher Art  als wörtliche Vergleiche). Noch erstaunlicher fällt freilich der folgende Vergleich mit Proust aus. Die Verfasserin greift einige typische Elemente heraus: Frauengestalten (auch Dienstmädchen), Gegenüberstellung von Aristokratie und Bürgertum (Alltag, Essen, Tanz - und Musikveranstaltungen, Lebensstil), Homosexualität, und natürlich die Erinnerung. Im Anhang finden sich auf 30 Seiten Auszüge aus Werken der beiden Autoren (leider auch Proust auf Spanisch zitiert), mit überwiegend verblüffenden Ähnlichkeiten, manchmal freilich kann der Leser die angesprochenen Parallelen nicht erkennen.

Im Schlußkapitel zeigt die Verfasserin auf, wer in Argentinien die Tradition von Mujica Lainez  fortführt (u.a. Posse, Piglia und Saer). Die Informationen im Anhang zu Mujica Lainez und seiner Familie, sowie zu Personen und Werken der Zeitgeschichte wirken etwas deplaziert und kaum begründet. Das Autorenregister und die Bibliographie erweisen sich als hilfreich.

Das durchwegs gut lesbare, klar gegliederte Buch  sollte den Leser verlocken, wieder zu den Werken  von Mujica Lainez zu greifen, weil man sie nun gewiß mit mehr Gewinn genießen wird. Es könnte des Französischen kundigen Leser  erst recht anregen, sich wieder an Proust zu wagen. Denn für das Werk dieses Autors gilt ganz bestimmt, was Cabrera Infante über den „Don Quijote“ sagte: “Es un libro más comentado que leído“.

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