Otra vez eros/Noch einmal Eros von Cristina Peri Rossi, 2004, teamartOtra vez eros/Noch einmal Eros.
Gedichte von Cristina Peri Rossi (2004, Teamart-Verlag - Übertragung Margrit Klingler-Clavijo).
Besprechung von nb in Neue Züricher Zeitung vom 26.02.2005:

Obszöne Walrösser
Gedichte von Cristina Peri Rossi

Gleich zu Beginn treten jene «süssen Vorfahren» auf, die der Schreibenden etwas bedeuten. Sappho und Virginia Woolf gehören dazu, Gertrude Stein und all die anderen, die ihre Einsamkeit zelebrierten. «Sie haben Platz im Herbarium / neben seltenen Exemplaren / mit verschiedenen Blattgerippen.» Was wie ein kleiner Abgesang klingt, ist in Wahrheit der Auftakt zu einem Sprachritt über die schlüpfrigen Pfade des Begehrens. Von einfachen «Liebesgedichten» zu reden, wäre etwas schmeichelhaft - Cristina Peri Rossi, 1941 in Montevideo geboren, kultiviert in ihren pointierten Freiversen eine Sprache des Körpers, die den Blutdruck des Lesers schnell steigen lässt. Trockene Begriffe kontert sie mit dem Erzittern der Haut, biologische Thesen mit der «schwerfälligen Obszönität der Walrösser». Trotzdem weiss sie genau, dass die Gedichte von der Distanz leben, dass sie es mit der Sprache zu tun haben und die Erinnerung bewahren. «Nur das Unmittelbare ist wahr / Ausser in der Dichtung.» Die schönsten Gedichte des Bandes sind vielleicht jene, die ihre Dinge ganz leicht machen: «Die Holzschiffchen in deinem Zimmer . . . / schienen gerade abzulegen / nach der Liebe / trieben sie auf den Laken dahin / die ganz feucht waren / lösten sich von den himmelblauen Wänden / Lichteten die Anker vom Bett.»

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