Ob
und darin.
Gedichte von Lisa Elsässer (2008,
Edition Pudelundpinscher).
Besprechung von als in Neue
Zürcher Zeitung vom 6.12.2008:
Dominoworte
als. «am anfang / war das wort», stellt das erste Gedicht in Lisa Elsässers Débutband «Ob und darin» lakonisch fest, «am ende mehrere anfänge». Und schon hat das Wort, das da den Anfang herbeiwirbelte, den Sinn destabilisiert und die Ordnung in Aufruhr gebracht. Ausgehend von einer kleinen Beobachtung, einem erwachenden Gefühl, einer blassen Momentaufnahme, begibt sich die 57-jährige Autorin mit ihren knappen Gedichten in einen Raum der Sprache, der nach den Gesetzen der Schwer- wie auch der Schwebekraft funktioniert und in dem sich die Worte gegenseitig federleicht antreiben, weiterstossen wie übermütig gewordene Dominosteine – so dass ein Wort zum Ort wird, zum Tor, zu Poren . . . Oder das Wachsen von Pflanzen erhält über einen einfachen Gleichklang plötzlich eine spirituelle Färbung: «nicht dass das paradies / dass das mit dem paradies / dass ohne das paradies // noch immer ein garten ist / zwischen mann und frau / wachsen die beete sie beten / dass es wächst.» Wenn die rhetorischen Bewegungen von Elsässers Texten schon den Eindruck des Fallens erwecken, so trägt das ungewöhnliche Layout der Buchseiten noch das Seine dazu bei. Denn Elsässer hat fast alle Texte in Blocksatz gebracht, so dass Zeilenanfang und -ende jeweils monolithisch gefestigt wirken, während im Innern die Weissräume toben, wie bleierner Nebel zwischen den Worten hängen und zuweilen auch haltlos in die Leere um den Sinn der Worte stürzen.
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