Nie mehr Nacht von Mirko Bonné, 2013, SchöfflingNie mehr Nacht.
Roman von Mirko Bonné (2013, Schöffling&Co.).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 28.9.2013:

Die Nachtseiten der Liebe

Ein Mann und sein Neffe fahren in einem alten Mercedes von Hamburg aus in die Normandie. Der Neffe lässt sich die blonden Haare ins Gesicht fallen und hört Musik, der Onkel erzählt ihm die wilden Geschichten seiner Jugend. Mirko Bonnés Roman „Nie mehr Nacht“ beginnt als Roadnovel – und führt tief in historische und familiäre Tragödien.

Bonnés Roman, für den Deutschen Buchpreis nominiert, bewegt sich auf verschlungenen Nebenstraßen auf sein eigentliches Thema zu. Markus Lee soll für ein Magazin in der Normandie Brücken zeichnen: Landmarken, denen 1944 bei der Landung der Alliierten eine wichtige Rolle zukam. Die Reise mit seinem 15-jährigen Neffen Jesse überschattet zudem die Erinnerung an seine Mutter Ira, Markus’ Schwester. Sie hat sich wenige Monate zuvor in der Garage selbst getötet, erstickte an Abgasen – so, wie einst die Soldaten in ihren Panzern erstickten

Ein bedrohliches Dunkel scheint sich immer enger um Markus zu legen. Seinen Auftrag führt er nicht aus, taucht ab, wohnt zuletzt allein in einem leeren Hotel. „Der Tag ist nur die halbe Wahrheit“, heißt es einmal: Daran glaubten Ira und Markus. Allmählich enthüllt Bonné, worin für das Geschwisterpaar die schreckliche Schönheit der Nacht besteht und deutet an, dass Jesse Markus’ Sohn sein könnte. Zugleich schenkt er seinem Protagonisten Erlösung in Form einer Doppelgängerin Iras: Lilith. Bei einer Fährfahrt von Cherbourgh nach Bremerhaven kommen sie sich näher. Der Schluss scheint, angesichts dessen, was dieser Markus und wir mit ihm durchlitten haben, seltsam geschmeidig und glatt. Gleichwohl bleibt der Eindruck eines außerordentlich mutigen Werkes, das sich einem Tabuthema fern vom schnellen Urteil nähert.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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