Niemand im Damensalon von Eduardo Mendoza, 2001, Suhrkamp1.) - 2.)

Niemand im Damensalon.
Roman von Eduardo Mendoza (2001, Suhrkamp - Übertragung Peter Schwaar).
Besprechung von sy in der Frankfurter Rundschau, 8.6.2002:

Spass lass nach

Gerade erst aus der Irrenanstalt entlassen, muss der (namenlose) Ich-Erzähler schon ein Verbrechen aufklären, in das, sparsam geschätzt, 17 Personen verwickelt sind. Die sich irgendwann alle in der schäbigen kleinen Wohnung des (namenlosen) Ich-Erzählers treffen. Das heißt, nicht direkt treffen, denn kaum einer darf vom anderen wissen, und so verstecken sie sich: im Schrank (zu zweit), im Bad, unterm Bett, hinterm Vorhang (rechts und links vom Fenster)... wo sie dann noch nicht mal den klugen Worten des Namenlosen lauschen können, weil sie entweder Sex haben oder schlafen. Wenn das ein bisschen unglaubwürdig klingt: Glaubwürdigkeit ist sicher das geringste Anliegen Eduardo Mendozas, in dessen Roman höhere Töchter sich als dicke Männer verkleiden, riesenhafte Schwarze über Nacht Friseur werden und Bürgermeistern beim Reden ihre eigenen Gedanken in die Quere kommen. Niemand im Damensalon ist eher Satire als Krimi und macht zuerst richtig Spaß, dann nur noch Spaß, dann keinen Spaß mehr. Eine so exzessive Überdrehtheit nutzt sich ab.

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Niemand im Damensalon von Eduardo Mendoza, 2001, Suhrkamp2.)

Niemand im Damensalon.
Roman von Eduardo Mendoza (2001, Suhrkamp - Übertragung Peter Schwaar).
Besprechung von Albrecht Buschmann in der Neue Züricher Zeitung, 14.8.2002:

Irrwitz und Poesie
Eduardo Mendozas köstlich schräges Barcelona-Porträt

In einer Stadt im Norden Spaniens, deren Name hier nichts zur Sache tut (Barcelona), kämpft ein Namenloser im Namen der Gerechtigkeit: Mord und Menschenraub, Korruption und Falschparken, für nichts ist er sich zu schade, solange nur eine schöne Frau um seine Hilfe bittet. Und von denen gibt es in diesem Buch gleich zwei, wenn sie auch denselben Namen haben (Ivet). Das klingt nicht nur verwirrend, das ist es auch, und zwar mit Absicht.

Werfen wir zur Klärung einen Blick in die (Literatur-)Geschichte: Immer einmal wieder muss Eduardo Mendoza, Autor von «Die Stadt der Wunder» und damit des grossen Gründungsromans über das moderne Barcelona, seinem literarischen Affen Zucker geben; dann lässt er einen namenlosen Insassen eines Irrenhauses aus demselben raus und in seiner Heimatstadt ermitteln. Einer dieser Fälle wurde auch schon übersetzt («Das Geheimnis der verhexten Krypta», 1990), jetzt kommt der neueste zu uns: «Niemand im Damensalon» . Hier die Handlung - soweit ich ihr folgen konnte: Der Irre, der so irre nicht ist, sondern nur ein schlicht gestrickter Kleingangster, fliegt aus dem Irrenhaus, weil dessen Leiter mit der Immobilie spekuliert. Des Irren Schwager lässt ihn in seinem Damensalon arbeiten, obwohl er keinerlei Friseurtalent besitzt, eher das Gegenteil. Allerdings kommt auch kaum Kundschaft.

Ausser jener schönen Ivet, die sein Vorstrafenregister kennt und ihn zu einem lukrativen Einbruch überredet. Nur ein paar Akten soll er klauen. Neben denen liegt aber eine taufrische Leiche, die man flugs dem flüchtigen Irren in die löchrigen Schuhe schiebt. Nun betritt die zweite, die hochgeborene Ivet die Bühne des Geschehens und intrigiert gegen die erste, die schöne Ivet. Der Mord scheint Teil einer Verschwörung höherer Kreise zu sein, und bald sehen wir Barcelonas Spitzenmanager, wie sie dem debilen Bürgermeister bei Wahlkampfpartys städtische Aufträge für unbrauchbaren Plunder aus der Tasche leiern. Ein jeder erpresst und unterschlägt, dass es eine Art hat, und mittendrin unser Irrer, der seine Unschuld beweisen will. Das gelingt ihm zwar nicht eigentlich, aber in einem furiosen Showdown - köstliche Persiflage jener klassischen Krimi-Auflösungen, bei denen jede neu auftretende Person die bisherige Erklärung der Dinge noch einmal wendet und steigert - lässt er sämtliche Übeltäter sich gegenseitig ins Jenseits befördern....Fortsetzung

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