Nebelsturm.
Roman von Johan Theorin (2009,
Piper).
Besprechung von cb in Die
Presse vom 4.10.2009:
Der Klappentext verspricht viel. Wenn das „Svenska Dagbladet“ schon vor Angst geschlottert hat, was muss sich zwischen diesen Buchdeckeln Grausliches abspielen? Wer „Öland“ von Johan Theorin gelesen hat, ist vorgewarnt. Da hat er eine Frau auf die Spur nach ihrem verschollenen Sohn geschickt. Die Bewohner der Insel haben auch einen Verdächtigen zur Hand – nur ist der tot. Und war das schon, als der Bub verschwunden ist.
Theorin
spielt also gern mit dem Aberglauben der Insulaner. Auf Öland verbringen neben
der Königsfamilie Tausende andere Schweden ihre Ferien. Ab Mitte August ist
Öland ausgestorben. Und gibt den perfekten Hintergrund auch für Theorins zweiten
Roman. Joakim Westin zieht mit seiner Familie aus Stockholm auf einen alten Hof
neben zwei verwilderten Leuchttürmen. Hätte sich Joakim vorher umgehört, hätte
er erfahren, dass der Hof noch keinem Besitzer gutgetan hat. Und so ist auch
bald die erste Tote aus der Familie zu beklagen. Parallel erzählt Theorin die
mit Unglücksfällen gespickte Chronik des Hofes.
Das lässt den Leser mitunter den kalten Inselwind spüren. Aber während in „Öland“ der Spuk diskret – und deshalb so wirkungsvoll – hinter der Krimihandlung schimmerte, geht es nun oft ins (zu) Esoterische. Die Verbrechen in der Welt der Lebenden treten zurück. Aber das ist vielleicht konsequent: Theorin beschreibt die niedergeschlagene Rastlosigkeit eines Trauernden so gut, dass man einsieht, zu welchen Aufbrüchen der Verstand fähig ist, wenn man sich einfach nur noch mal verabschieden möchte. cb
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