Napule von Kurt Lanthaler, 2002, HaymonNapule.
Roman von Kurt Lanthaler (2002, Haymon).
Besprechung von Markus Köhle, 2002:

Im Radio ein Bericht über das WEF in Salzburg, für jeden Demonstranten ein Polizist, in meinen Händen der neueste Lanthaler, für jeden Leser eine Fundgrube. Warum? Lanthaler ist längst ein Garant für Kriminalgeschichten, die mit mehr als nur Spannung aufwarten können, im konkreten Fall ist beispielsweise einiges bisher konsequent Verschwiegenes über die Ereignisse in Genau 2001 nachzulesen.

Wie jeder der seit 1993 im Haymon-Verlag erscheinenden Tschonnie-Tschenett-Romane, so ist nämlich auch "Napule", der fünfte Band aus dieser Reihe, mit einem ausführlichen, minutiös recherchierten Glossar ausgestattet. Dort kreidet Lanthaler an, führt aus, schweift ab, die Geschichte aber ist eine straff konstruierte. Kurt Lanthaler wurde 1960 in Bozen geboren, lebt in Berlin, Tschonnie Tschenett redet nicht viel, das macht in wert- und geheimnisvoll. Er ist ein Guter. Die Zeit in der er sich bewegt - die unsrige, die Welt - das Berlusconi-Italien und spezieller - Neapel oder eben Napule, wie sie die Einheimischen nennen.

Der Held schippert wie ein etwas angeschlagener Schlepper durch die Gegend, schlittert irgendwie in irgendetwas, gerät in böses Fahrwasser, wird hineingezogen in Verschwörungs-, Korruptions- und Camorra-Stromschnellen. Tschenett ist etwas kauzig, verträumt, gemütlich und trotz allem auch noch gelassen entspannt - ein feiner Charakter. Jetzt habe ich eigentlich noch nichts über den Inhalt verraten, aber das soll doch so sein, bei Kriminalgeschichten, oder?

Nur soviel: es gibt Straßenschlachten, Polizeiaufstand, einen sympathischen o' prufessore, eine majestätisch rauchblasende Tante Teresa, eine verschwundene Frau, einen toten Matrosen, mehrere tote Hühner, haufenweise Pferdeäpfel, es geht um italienische Drohrituale, Voodoo-Methoden, Gaukler, die wissen, dass die Leute über den Tisch gezogen werden wollen, Glauben, Aberglauben, einzigartige Seesäcke, diverse Kaffeetrinkarten usw usf. und hat man von Napule gekostet, so kann man nicht mehr davon lassen, geht es einem wie einem Dürstenden in der Oase, denn: "Geschichten sind wie Wasser: Man schätzt sie erst, wenn man keine mehr hat. Sie sind den meisten Leuten gleichgültig solange sie da sind."

Lanthaler hat eine Menge guter Geschichten auf Lager, die einem nicht gleichgültig sein können, sondern fesseln und sie sind ab sofort zu haben. Buch in Warenkorb geben - Bestellen - Lesen - Weiterempfehlen - Danke!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.autohr.at]

Leseprobe I Buchbestellung 0305 LYRIKwelt © Markus Köhle