Nadelstreif & Tintenzisch von Michael Stavarič und Deborah SenglNadelstreif & Tintenzisch.
Ein Bestarium von Michael Stavarič und Deborah Sengl (2011, Haymon).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 21.10.20101:

Stavarič & Sengls - "Nadelstreif & Tintenzisch"

Terminifera von Michael Stavaric, 2007, ResidenzBestiarium - Bist du g'scheit, das hätte schiefgehen können! Aber der 1972 in Brno geborene und 1979 mit seinen Eltern nach Wien emigrierte Michael Stavarič; hat schon den Teufel mit einem Goldhamster namens Bruno zusammenleben lassen (in "Magma"). Und gelehrt hat er uns, dass Heuschrecken für eine bessere Durchblutung der Kopfhaut sorgen (in "Terminifera").

Er riskiert viel und ist deshalb der ideale Schriftsteller für "Nadelstreif & Tintenzisch". Für ein Bestiarium - eine Klassifikation von Tieren, die in diesem Fall erfunden sind; das heißt: Die Biester stecken in uns.

Michael Stavarič; gibt im KURIER-Gespräch zu, dass er sich im "Nadelstreif" wiedererkennt: So einer bedauert schon zu Lebzeiten den eigenen Tod, ist ein Verfechter der feinen Klinge und schreibt nie publizierte Essays, etwa über den "Jargon der Eigentümlichkeit".

Auch die 37-jährige Wienerin Deborah Sengl, deren Illustrationen das Buch so wunderbar "fett" machen, sieht das Nadelstreifische in ihrer Person - in Mischung mit der "Piorkowska", einem künstlerischen Tier, das in seinem Atelier ungebetenen Gästen (insbesondere mit Halskrause) die Köpfe abschlägt und diese zu dekorativen Zwecken räuchert. Die Piorkowska ernährt sich wie die meisten Künstler von Lichtpartikeln und Neonröhren.

Man sieht schon: Da muss man durch. Den zutiefst menschlichen Wahnsinn hält man nicht aus, will man ihn sich auf einen Sitz zu Gemüte führen. Man würde zu schnell satt werden.

Schlitzrüssler, Gieraffe, Sitzfleischriese, Faserschmeichler und Glutäugiger Schlingel brauchen Zeit, um sie zu durchschauen - und dann um dumm zu schauen, weil man sich ertappt fühlt. Ist man fertig, kommt "Das Biest, das dem Begräbnis folgt"und frisst die Leser. Aber das kommt sowieso, wenn man nicht in der Lage ist, das Tier in sich zu erkennen.

KURIER-Wertung: **** von *****

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

Leseprobe I Buchbestellung I home 1011 LYRIKwelt © Kurier