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München
Blues.
Roman von Max
Bronski (2007, Kunstmann).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der
NRZ vom
26.06.2007:
Kleiner Mann, großes Spiel
Max Bronski hat den "München
Blues" und damit die Leichtigkeit des Schattendaseins.
Julius ist genau der Freund, den man braucht: depressiv, bekifft und arbeitslos, aber Computerfreak. Gerade sind die Covergirls des "Playboy" seine Datenbasis für ordnende Untersuchungen zur Schamhaarrasur über die Jahrzehnte. Ansonsten läuft seine Ich-AG derzeit schleppend. Er ist ein resignierter Vertreter der New Economy.
Gossec, der treffend beschrieben wäre, fehlte sein finales c, ist sein Freund und Gegenteil. Seine Ökonomie ist alt. Er handelt mit Trödel, den er bei Haushaltsauflösungen einsammelt. Da muss man zupacken können und sich wehren. Ein ganzes Buch lang wird er kräftig davon Gebrauch machen. Auch in seinem zweiten Krimi schickt Max Bronski dieses Duo infernale in die Spur, ohne dass eine tendenzielle Qualitätssteigerung zu bemerken wäre.
Wieder sind wir im Münchner Schlachthofviertel, wo man das Ende des Sommers ahnt, wenn der Kadavergeruch verfliegt. Und wieder braucht die Gegend ihren Gerechtigkeitsfanatiker. Ganz in der Nähe ist die Theresienwiese, wo zwei Oktoberfestwochen lang die Brauereibilanzen in den grünen Bereich getrieben werden, worauf man sich aus verschiedenen Öffnungen in die nahen Hauseingänge entleert und manchmal auch dort liegen bleibt. Zum Beispiel vor Gossecs Laden. So will es die regionale Folklore, deren materielle Auswüchse hinterm Schaufenster feilgeboten werden. So weit, so schlecht.
Doch der da niederbayerisch lallend und ausgeraubt durch den Türschlitz röchelt, ist Staatssekretär und wird dem Ladenbesitzer fortan verpflichtet sein. Umso mehr, als Freund Julius infolge seiner Mietrückstände brachial entmietet wurde. Wie es sich für den kleinen Mann gehört, ist er eine Figur im großen Spiel. Oben ist oben, und unten ist gut. Wir ahnten es voraus, wie alles, was in diesem Schnoddermodder-Buch passieren wird: Höchste Stellen sind wie immer schuld.
Von platten Reifen und platten Typen
Wie sich das gehört für Metropolenlenker, sind sie bestrebt, die Schickeriaviertel wandern zu lassen durch die Stadt. Vorsorglich schaffen sie Baufreiheit für neue Pläne. Mit allen Mitteln. Nur ahnten sie nicht, wie Gossec durchs Revier robinhoodet, Ex-Catcher malträtiert, schöne reife Frauen pflückt und instrumentalisiert für gute Zwecke, Blessuren hochprozentig desinfiziert und jegliche Form von Klemmen löst. Verfolgungsjagden mit Lokalkolorit, instinktsichere Angstlosigkeit, Prügelresistenz, Typen wie vom Zorro-Casting, Scheinfirmen, Frust im Bioladen, Spesenritter und Tresenredner, robuste Schritte in die richtige Richtung, galanter Zutritt ganz oben, platte Reifen, platte Typen, platter Plot.
Alles, bloß keine Spannung. Dies ist genau das Buch, das man braucht. (NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0707 LYRIKwelt © Neue Ruhr/Rhein Zeitung