Mit Eichmann an der Börse.
Essay von Esther Dischereit (2001, Ullstein).
Besprechung von ber in der Frankfurter Rundschau, 10.11.2001:

Ganz aufrecht

Es gibt Lesungen, dasitzt man und möchte sich selbst prügeln dafür, dass man nicht daheim auf dem Sofa geblieben ist, dasselbe Buch in den Händen, unbelästigt vom realen Dasein seines Schöpfers. Ganz anders bei Esther Dischereit. Sie packt ihre Zuhörer an den Sinnen, am Herzen und am Verstand. Auch jene, die ihre Bücher schon gelesen haben.
Literarischer Mittwoch im Holzhausenschlösschen. Die Berliner Autorin, Jüdin der zweiten Generation nach dem Holocaust, steht am Pult, ganz aufrecht, ganz in Schwarz. Ein roter Kamm hält ihr Haar zurück. Kraftvoll und warm ihre Stimme.
So stark müssen die Zuhörer erst mal sein. Denn Dischereits Essays (Mit Eichmann an der Börse), ihre Gedichte (Raureifiger Mund) schmerzen. Sie erzählen von Kränkungen, von Nachlässigkeiten, von bohrenden Fragen. So klar, so scharf, so rhythmisch, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als mitzudenken, nachzudenken. immer fort. Auch wenn man das Holzhausenschlösschen längst verlassen hat.

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