Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause.
Roman von Frédéric Beigbeder (2001, Rowohlt - Übertragung Bettina Grosse).
Besprechung von Thomas Laux in Neue Züricher Zeitung vom 13.12.2001:

Rotzfrech simuliert
Frédéric Beigbeder als böser Junge

Die «Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause» sind Frédéric Beigbeders Romandébut von 1990, aber es wäre abenteuerlich, hier eine Art maskulinen Gegenentwurf zum ersten Memoirenband der Beauvoir ausmachen zu wollen. Tatsächlich liegt im Titel schon ein Bluff vor, und weitere sollen folgen. Mit seinem Gedankenfreund Houellebecq verbindet Beigbeder etwas, was man als postmodernen Feierabend-Existenzialismus bezeichnen könnte, wozu die stilisierte Wahrnehmung von Lifestyle-Angeboten ebenso gehört wie der Frust, wenn man zu den grossen Events eben doch nicht eingeladen wird. Wirklich wichtig ist das nicht. Alles gerinnt zur Attitüde, Nihilismus ist nur eine Pose, anything flows.

Der Jargon macht die Musik: Es ist vielleicht nicht schön, auf der Welt zu sein, aber richtig schlecht ist es auch nicht, denn immerhin gibt es ja die hedonistische Angebotspalette, die dem eigenen Narzissmus ein paar wohlfeile Häppchen liefert. «Er verliebte sich an geraden Tagen und wollte an ungeraden sterben.» Das ist keine neue Werther-Romantik. Der sich selbst als «Libertin» feiernde Protagonist kann menschliche Nähe überhaupt nicht zulassen. Das Zusammenleben mit einer Frau degradiert er, frei nach Baudrillard, zu einer «umfassenden Simulation». Das hat die Postmoderne freilich nicht verdient....Fortsetzung

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