Mein Studium ferner Welte von Alex Capus, 2001, ResidenzMein Studium ferner Welten.
Erzählungen von Alex Capus (2001, Residenz).
Besprechung von C.S. aus der Frankfurter Rundschau, 2.5.2001:

Alex Capus gab Einblick in sein "Studium ferner Welten"

Man könnte sich den 1961 in Frankreich geborenen und heute in der Schweiz lebenden Schriftsteller mit den blonden Locken und der massiven Statur durchaus als Anführer einer Trekking-Bergtour vorstellen; ein Eindruck, der sich allerdings relativiert, wenn Capus, der 1997 mit seinem Debütroman Munzinger Pascha einen Publikumserfolg landete, in feiner Schweizer Diktion zu sprechen beginnt.

Als einen "Roman in 14 Geschichten" hat Capus sein neues Buch Mein Studium ferner Welten untertitelt. Lange, so sagt der Autor, habe er versucht, den Plot in eine geschlossene Form zu bringen - ohne Erfolg. Für Capus ein Signal dafür, dass mit dem Zeitalter der großen Ideologien möglicherweise auch die Zeit für große erzählerische Bögen zu Ende gegangen sei. So ist es auch kein Zufall, dass sein neuer Roman in seiner Konstruktion stark an Ingo Schulzes Simple Stories erinnert.

Auch Mein Studium ferner Welten spielt in einer Kleinstadt. Im Zentrum der 14 Erzählungen steht der Fernsehjournalist Max Mohn, der bereits in Munzinger Pascha und dem Erzählungsband Eigermönchundjungfrau zum Personal gehörte. Die zwei Geschichten, die Capus las, waren dramaturgisch geschickt gewählt: Kleopatra setzt auf einer Beerdigung ein und endet in der Vergangenheit; Madame Alice geht exakt den umgekehrten Weg.

Alex Capus' Sprache ist ebenso schlicht wie elegant. Mit einfachen Mitteln gelingen prägnante Szenarien, in denen mit Leichtigkeit sowohl die oberflächliche Komik der Situation, aber auch die darunter verborgene Verzweiflung sichtbar werden: Der scheinbar amüsante Streit zwischen Max Mohns Eltern um den Kauf eines Hauses, dessen Klofenster vergittert sind und dessen Fassade ein ägyptisches Mosaik ziert, ist in Wahrheit der Ausdruck eines tief greifenden Zerwürfnisses - kurz darauf werden die Eltern sich trennen.

Und auch hinter den kuriosen Herrenbesuchen, die Madame Alice, Max' greise Nachbarin, täglich empfängt, verbirgt sich die unglückliche Lebensgeschichte eines unehelichen Bauernkindes, dem seine Schönheit und Ausnahmeposition innerhalb der Familie die Fähigkeit, wirklich geliebt zu werden, genommen haben. Bei ihrer Beerdigung stehen siebzehn alte Männer und der junge Max in komplizenhafter Eintracht um das Grab herum. Was hätte nicht alles sein können, wenn . . .

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