Mein Name
sei Gantenbein.
Roman von Max Frisch (1964).
Besprechung von Hartmut Ernst, Homepage Kübelreiter:
Der Konjunktiv im
Titel deutet bereits an: Es geht um ein Spiel mit Möglichkeiten angesichts der
Verunsicherung von Identität. Das explizite Durchspielen von Rollenentwürfen korreliert
erzähltechnisch der ständigen Brechung und Änderung der Erzählperspektive. Das
Erzählte ist daher nur noch als fragmentierter Steinbruch von Erlebnissen und Reflexionen
zuhanden, was für manchen Leser zunächst gewöhnungsbedürftig sein dürfte.
Sprachlich auf der Höhe seines Schaffens (1964), gelingen Frisch nicht nur Präzision und
Treffsicherheit der Darstellung, sondern oft auch verblüffende Reflexionen und
Einsichten.
In Abkehr von einem harten Realismus rückt im "Gantenbein" die Konstruktion der
Wirklichkeit durch die Perspektive in den Vordergrund. Die Möglichkeiten erscheinen
interessanter und bedeutsamer als die Wirklichkeit(en). Das erzählende Ich, das sich
polar auch immer über seine vorgestellten Antagonismen definiert (Gantenbein - Enderlin),
re-konstruiert sich selbst angesichts jener Uneindeutigkeit der Welt, die sich nicht mehr
als gegebene, sondern (nur noch) als vorgestellte denken und aussagen läßt.
Die Relativierung der Perspektive verleiht dem Roman einen resignativen Grundtenor, was
damit zusammenhängt, daß die Verwirklichungen beliebig werden, wenn alle Möglichkeiten
gleich-gültig sind.
Die häufige Reflexion der Perspektive und der Rolle des Erzählerichs (auch in Form der
Schachtelung von Metaebenen) schafft eine oft kühle Distanz, die den Leser ständig
zwingt, das Gelesene nur als Mögliches und Kontingentes zu fassen. Ein Roman, dessen
Thema die Verunsicherung von Identität ist, wird natürlich keine eindeutigen
Identifikationsvorgaben bereitstellen können, sondern zuletzt auch den Leser mit der
beunruhigenden Frage zurücklassen: Wer bin ich? Oder treffender noch: Wer sei ich?
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