Meine Frau und ihr
Mann.
Eine Beichte von Pavel
Kohout (1998, Knaus).
Besprechung von Ulrich
Karger, Berlin:
Vilém Rosol hatte sich niemals gegen die strenge und bigotte
Erziehung seiner Eltern aufgelehnt. Sein dadurch äußerst scheu und keusch geratenes
Wesen sah sich unverhofft einer Frau mit "Vergangenheit" ausgeliefert, die ihr
Leben als Helikonspielerin in einer Damenkapelle verdingte. Auch Liliane bewies eine
schier überwältigende Dominanz und spricht sogar bei der überstürzten Vermählung für
Vilém das Ja-Wort. Er schien jedoch nun im siebten Himmel zu sein...
Pavel Kohout zieht mit seinen 70 Jahren noch einmal richtig vom Leder. Die Beichte von
Vilém Rosol über "MEINE FRAU UND IHR MANN" ist eine messerscharfe Satire in
zwei Teilen. Der Anfang wurde noch vor Kohouts Ausbürgerung verfaßt und ist von jener
augenzwinkernden Leichtigkeit, die ein wenig an die alte Schule eines Schweijk erinnert.
Vor einem halben Jahr fertiggestellt, weist der zweite Teil formal keinen Bruch zum ersten
auf, zieht jedoch in seinen Volten um einiges an und mündet schließlich in einem
hochexplosiven Finale. Anfangs noch als privates Idyll mißzuverstehen, werden die
Anspielungen auf die neue tschechischen Republik bald unübersehbar. Satire darf alles -
ein Hoch auf die Demokratie, die soviel schwarzhumorige Nabelschau und bitterböse
Hoffnungslosigkeit erträgt!
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.buechernachlese.de.vu]
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