Madonnina von Bernd Schroeder, 2001, Hanser-VerlagDie Madonnina.
Roman von Bernd Schroeder (2001, Hanser).
Besprechung von Jamal Tuschick aus der Frankfurter Rundschau, 8.11.2001:

Über der Menschheit
Bernd Schroeder las bei Carolus seine kernige Prosa

Im Rahmen einer Präsentation des Hanser Verlags bei Carolus stellte Bernd Schroeder seinen neuen Roman Die Madonnina vor. Der Titel spielt auf eine Figur an, die den Mailänder Dom schmückt. Im weiteren spielt der Roman in einer Landschaft, die Schroeder wiederholt "archaisch" nannte. Er bekannte, auch von einem Überdruss an der Zivilisation zu der Geschichte angestiftet worden zu sein.

Der Autor und Regisseur zahlreicher Hör- und Fernsehspiele, der als Erzähler erstmals 1993 mit Versunkenes Land hervor trat, dürfte nicht ohne Wehmut die überschaubare Zahl seiner Zuhörer registriert haben. Hätte seine Frau, Elke Heidenreich, an seiner Stelle gestanden - tatsächlich las Schroeder im Stehen - wäre die Buchhandlung zu einem überlaufenen Wallfahrtsort geworden. So wirkt sich Fernseh-Prominenz aus. Schön ist, dass in der Literatur Erfolg immer noch an anderen Margen gemessen wird.

Als "wunderbarer Autor in einem wunderbaren Verlag" war Schroeder eingeführt worden und diese Einschätzung wurde von seinem Publikum auch hörbar geteilt. Der Vortrag war kernig, ein Eindruck, der von Schroeders bayrischer Mundart verstärkt wurde. Kernig ist auch seine Prosa: Sie will alles einfach mit den alten Namen benennen. Erzählt wird von der Bergbäuerin Severina, die gleichsam über der Menschheit hoch in den Alpen lebt. Sie verstummt, als ihr der Mann abhanden kommt. Seine unerwartete Rückkehr zwingt sie auf einen Parcours heikler Erwägungen. Severina stellt sich die Frage, ob ihre Liebe das lange Schweigen überlebt hat.

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