Luna Park von Franzobel, 2003, Zsolnay-VerlagLuna Park.
Gedichte von Franzobel (2003, Zsolnay).
Besprechung von Rudolf Kraus, 4.12.2003:

Franzobel ist in der Literaturszene längst als Wortakrobat und
unkonventioneller Bearbeiter eigenwilliger Stoffe bekannt. Nun liegt
erstmals eine Auswahl seiner Gedichte in Zyklen gefasst vor, die seit Anfang
der 90er Jahre in „Fieberschüben innerhalb kürzester Zeit“ entstanden sind.
Die Auswahl und Zusammenstellung hat der Autor selbst getroffen – und das
sei vorweggenommen: nicht gerade zum Nachteil des Buches. Er nennt seine
Wortgebilde „Vergnügungsgedichte“ und diese Bezeichnung wird den Gedichten
sehr wohl gerecht, da sie durchwegs einen hohen Unterhaltungswert besitzen.
Der Vergleich zu Ernst Jandl und der Wiener Gruppe kann da nicht ausbleiben,
spürt man doch in beinahe jedem Gedicht, dass dieser Einfluss nicht zu
verleugnen ist. Franzobel schreibt jedoch keine Plagiate (sollte dieser
Eindruck entstanden sein), sondern verliert nie seine phantasievolle,
wortgewaltige Eigenständigkeit. Wenn Alois Brandstetter Franzobel als
„...die Vollendung und die Vollstreckung von Ernst Jandl“ einschätzt, so
kann ich mich dem nach vollendeter, wiederholter Lektüre nur anschließen.
  Auch der Patriotismus Franzobelscher Färbung kommt nicht zu kurz,
zumindest nicht der Hinweis auf die Schönheit Österreichs „...daß / schon
die Schulkinder es aufschreiben müssen. / Müssen schreiben: Österreich fängt
schön an, und / schön hört Österreich auch auf. Ja. So ist das / mit
Österreich. Durch und durch schön. Hundertmal.“ Und dieses schöne Land ist
natürlich auch bekannt für wohlschmeckende Mehlspeisen wie den
„Zweschpenflöck“: „Wespen kräuln da übern Tag, und / du liegst da am Blech,
/ und schaust mich an mit zwarasiebzig Augen / Zweschpenflöck, Wespen schaun
da unter d Röck ...“.
  Also wiegen sie sich nicht in Sicherheit, denn Franzobels Worte könnten
ihnen wie Wespen um die Ohren fliegen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rudolfklaus.at Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks - Medium]

Leseprobe I Buchbestellung 0406 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Rudolf Klaus