Love after love.Acht Abgesänge.
Gedichte von Ilma Rakusa (2001, Edition Suhrkamp).
Besprechung von Sibylle Birrer in Neue Zürcher Zeitung vom 23.03.2002:

Den Schmerz auf der Zunge
«Abgesänge» - Gedichte von Ilma Rakusa

«Einsamkeiten» - mit dem schlichten, aber schillernden Plural im Titel edierte die Autorin und Übersetzerin Ilma Rakusa 1996 eine Sammlung von Texten aus dem 20. Jahrhundert, die diesem Grundgefühl der menschlichen Existenz mit Sprache zur Seite stehen. Der entleerte Himmel der Moderne habe zwar die «modischen Koketterien» mit der Einsamkeit ad absurdum geführt, kommentierte Ilma Rakusa im Nachwort. Dennoch liess sie die Anthologie in die sprachliche Rehabilitation des Alleinseins münden, indem die letzten Textausschnitte von der positiv gewerteten Einsamkeit sprachen - derjenigen der solitär Denkenden und Schreibenden.

Nicht nur von der Einsamkeit, sondern vom noch viel Schmerzlicheren davor sprechen nun ihre eigenen, neusten Gedichte: von der Trennung, vom Verlust und vor allem vom Verlassenwerden. «Love after love» lautet der vermeintlich distanzierte Titel, hinter den sich acht «Abgesänge» der ausdrucksstarken und -willigen Art reihen. Es sind Langgedichte, der Rhythmus frei, hier beschleunigend, da verlangsamend, hier nachdenklich, da furios anklagend. Vor allem aber sind es Abschiedstexte, vom Wechselspiel zwischen Deutsch und Englisch, der Zweisprachigkeit jener verlorenen Liebe, unterspült: «Und mein Gesicht: blind. / Mein Haus: Verzicht. / Verzieh dich! / Leave me, lover. Belagerung beendet. / Die Festung freit sich selbst. Ruine. Aber frei. / Freit sich, lover. In frivoler Verzweiflung. / Don't cry. / Don't be shy. / Und das Pendel schwingt: Nein.»...Fortsetzung

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