Loriot-Biographie, 2011, © Riva Verlag (hf1011)Loriot - Biographie.
Biographie über Loriot (2011, Riba Verlag, von Dieter Lobenbrett).
Besprechung von Zoran Gojic im Münchner Merkur, 1.9.2011:

Nur für Einsteiger
Eher ein Nachschlagewerk: Das Buch „ Loriot – Biographie“ des Riva Verlags kommt heute in den Buchhandel

Timing ist beim Humor das Wichtigste, und so ist es wohl auch im Verlagswesen. Gerade mal elf Tage ist es her, dass Loriot gestorben ist, da wirft der Riva Verlag schon die erste „postume Biographie“ auf den Markt. Zufall natürlich, aber ein glücklicher für den Autor, der mit dem Pseudonym Dieter Lobenbrett zeichnet. Für den geneigten Leser und Loriot-Verehrer hält sich das Glücksgefühl dagegen eher in übersichtlichen Grenzen, denn der Verfasser beliebt zu scherzen. Er versucht es zumindest, wie man schon an der Auswahl des Tarnnamens erahnen kann, der erkennbar von Loriots Figurenuniversum inspiriert ist.

Loriot - ein Streifzug durch sein Leben

Auch im Tonfall müht sich Lobenbrett die distinguiert-vormoderne Ironie des Meisters zu treffen, sondert aber lediglich bemüht onkelhafte Prosa der Sorte ab, die man von Theo Lingens Einführungen zu den „Dick & Doof“-Filmen aus dem Sonntagnachmittagsprogramm des ZDF kannte, damals in den fernen Siebzigerjahren. Mit Humor ist das ja wie mit Fußball, Kochen und Politik – das kann jeder. Mit zunehmender Lesedauer nimmt das ohnehin eher geringe Vergnügen an dem verquast-gequältem Stil ab. Dran bleibt man als Fan dennoch, denn Lobenbrett ist zwar nicht komisch, aber sehr fleißig. Er hat die komplette Familiengeschichte der von Bülows bis ins 12. Jahrhundert rekonstruiert, porträtiert einige recht bekannte Vertreter der Familie und stellt auch wichtige Weggenossen und Mentoren des jungen Loriot vor.

Allerdings ist das alles reichlich unstrukturiert im Buch untergebracht, in der Art alter Reiseberichte etwa, wenn der Autor nach Erwähnung eines Ortes eine seitenlange Beschreibung folgen lässt und dann wieder mit der Floskel „Aber nun zurück zum eigentlichen Thema...“ weiterfährt. Diese Floskel kommt übrigens auch in diesem Buch vor, und man hat den dringenden Verdacht, dass sie komplett ironiefrei verwandt wurde. Löblich immerhin ist, dass Lobenbrett sich durch das Feuilleton der letzten 60 Jahre gearbeitet und einige erhellende Rezensionen zu Loriots Wirken in sein Buch aufgenommen hat.

Loriot in Berlin beigesetzt: Bilder von seinem Grab

Loriot selbst, Verwandte oder Freunde hat der Autor nicht gesprochen, und das ist das große Manko des Buchs. Es liefert ein Bild, das gewissermaßen aus einiger Entfernung gezeichnet wurde. Persönliche Erinnerungen und Anekdoten sind Interviews und vor allem Loriots biografischer Skizze „Möpse und Menschen“ entnommen, die man als Fan allerdings ohnehin kennt. Es ist eher ein Buch für Loriot-Einsteiger. Lobenbrett erzählt brav einige der bekanntesten Sketche nach und zeichnet gewissenhaft Daten und Stationen von Loriots Karriere nach. Selbst die oft vergessene Beinahe-Karriere als Kleindarsteller beim deutschen Nachkriegsfilm ist dokumentiert. Eine Analyse von Loriots Humor, eine Deutung des Einflusses, den der Mann hatte, sucht man vergebens. Abgesehen von der Beobachtung, dass es ziemlich viele mittelalte Herrschaften gibt, die in Gesprächsrunden gerne mal den Versuch unternehmen, mit einem eingeworfenen „Moooment!“ oder einem beiläufigen „Ach was“ Lacher zu ernten.

Dass Herr Vicco von Bülow, wie Loriot ja hieß, ein Mann von preußischem Arbeitsethos war, ein zur Pedanterie neigender Perfektionist, wusste man – von Loriot selbst. Als Nachschlagewerk und Quelle ist diese Biografie auf jeden Fall hervorragend geeignet, aber dem wahren Liebhaber kann sie nicht allzu viel bieten. Für den neugierigen Leser, der Loriots Werk nur oberflächlich oder vom Hörensagen der Älteren kennt, ist es ein lohnenswerter Einstieg in den Loriot-Kosmos. Am besten ist aber: einfach mal die Sendungen, Bücher und Filme ansehen. Hätte Loriot selbst mutmaßlich auch am besten gefallen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.merkur-online.de]

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