Letternmusik im Gaumentheater.
Gedichte von A. J. Weigoni (2001, TTTT-Verlag).
Besprechung von Jürgen Diehl:

Das Programmatische hat stets lebendige Funktion bei A. J. Weigoni: wird sein hiermit vorgestelltes lyrisches Polydram in fünf Akten tatsächlich dramatisiert werden, dürfte die Bühne zugleich beben und in versunkenes Schweigen fallen. Überall und allerorts hat dieser Betrachtende seismographisch aufgenommen und gerann folgerichtig zu fragenden, behauptenden und verwunderten Formen des Lyrischen, hinein in alle Kanalisationen des Herzens.
Nachdenkliches, Tiefgang und Betroffenheit scheinen konterkariert, katapultieren aber immer in ein szenisches Zentrum. A. J. Weigoni ist ein Textjockey, der an der Lyrik feilt. Stets geht es ihm darum, Situationen Wort für Wort zurückzuholen. Den Verzicht auf normative Versbaugesetze ist adäquater sprachlicher Ausdruck dichterischer Vorstellung von der Welt. Um dieses Fluidum kommt niemand herum, der noch liest und mit den Augen denkt.
Den anthologischen Charakter dieses Werkes stellt A. J. Weigoni in überraschender Weise provokativ in Frage, ohne um Distanz zum Eigentlichen bemüht zu sein. Seine Spaziergänge finden immer einen Ort,­ durch den Kunstgriff des kürzesten Weges.
Lesen Sie diese szenische Lyrik als leises Spiel zum Hören: die Bretter, die die Welt bedeuten, knarren bei jeder Vorstellung.

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