Lesezeichen von Hugo Ernst Käufer, 2001, GrupelloLesezeichen.
Ausgewählte Essays, Reden, Rezensionen von Hugo Ernst Käufer (2001, Grupello).
Besprechung von HJL in der WAZ, vom 6.10.2001:

Der Zeitzeuge für 50 Jahre legt ein literarisches Credo vor
Hugo Ernst Käufers »Lesezeichen« warten mit regionalen Akzenten auf

75 Jahre wird Hugo Ernst Käufer im Februar 2002. Im Vorgriff auf dieses Datum widmet der Düsseldorfer Grupello Verlag dem Autor und Literaturvermittler, der von 1977 - bis 87 Leiter der Stadtbücherei Gelsenkirchen war, einen Essayband: »Lesezeichen«.
Insgesamt war der gebürtige Wittener, der seit Jahren in Bochum wohnt, über 20 Jahre in Gelsenkirchen tätig. Es waren »fruchtbare, anregende und gute Jahre«, wertet Käufer im Rückblick die hiesige »Ära«. Immerhin habe es mit der Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen (ab 1968) und dem »Werkkreis Literatur der Arbeitswelt« Zirkel gegeben, die eine regionale Literaturszene etablieren halfen. Käufer: »Davon ist wohl wenig geblieben. Zwar gibt es mit Michael Klaus, Peter Schmidt und Inge Meyer-Dietrich u. a. interessante, wichtige Autoren - aber ein kollektives Ringen um eine literarische Lebendigkeit herrscht heute nicht mehr vor.«
Der Lyriker und Aphoristiker Käufer tritt in »Lesezeichen« nur bedingt auf - allenfalls aus Reaktionen auf seine vielen Werke ergibt sich ein umfassender bibliographischer Blick auf sein stets engagiertes Schreiben. Doch der Band selbst gruppiert sich um den Essayisten, Förderer, Kritiker, Literaturhistoriker und Freund prominenter Kollegen (Irmgard Keun, Paul Schallück, Philipp Wiebe, Heinrich Böll, Paul Karalus oder Ernst Claudius). Noch nicht enthalten in dieser Publikation ist die Auseinandersetzung mit dem Schaffen Rainer Horbelts, der Anfang dieses Jahres in Portugal starb. Käufer arbeitet an dem Nachlaß des vielseitigen Schriftstellers, der einst die Revier-»Szene« mitprägte.
Daß die Auswahl mit Texten aus 50 Jahren mit einer Besprechung von BölIs »Haus ohne Hüter« beginnt (1954), ist nicht zufällig. Drehte sich doch das literarische Verständnis jener 50er und 60er Jahre oft um das »Zentrum Böll«. Weitere Themen, die Käufer kenntnisreich ausbreitet und subjektiv wertet, sind beispielsweise Schallücks »Don Quichote«-Roman (1967), die »Neuen Wirklichkeiten - Schreiben heute« (1970), Georg Weerth (»Der erste Dichter der deutschen Arbeiterbewegung« 1956), »Verbrannte Bücher und verfolgte Bilder« (1985), Laudatio für Max von der Grün (Kogge-Preis 1998)oder »Literatur und Autoren in der Region« (bezogen auf Gelsenkirchen, 1995) - sämtlich Aufsätze; Reden und Referate, die schnell von der Würdigung einer einzelnen Stimme zum Grundsätzlichen des Literaturbetriebs übergehen. Dabei unternimmt Käufer auch Seitensprünge zu anderen Disziplinen: Er war und ist ein Freund der bildenden Kunst (Grieshaber, Schrader) oder des Films (Karalus).
Käufers Stärke lag/liegt in der brückeschlagenden Perspektive. Sie wird in vielen Beiträgen von »Lesezeichen« unterstrichen. Ein Autor, ein Buch, ein Projekt dient ihm dazu, auf Allgemeines, auf Tendenzen, auf die Problematik zeitbezogener Literatur aufmerksam zu machen. Das liest sich heute so spannend wie in der Veröffentlichungszeit.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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