Leo Kaplan.
Roman von Leon de Winter (2001, Diogenes - Übersetzung Hanni Ehlers).
Besprechung von pms aus der Frankfurter Rundschau, 3.3.2001:

Suchende Krokodilsseele

Leo Kaplan kriegt es einfach nicht hin. Mit der Liebe nicht, mit der Literatur nicht, mit dem Leben nicht. Am Scheitern seiner zweiten Ehe, von außen betrachtet so perfekt, ist der Enddreißiger nicht unschuldig. Nicht sein offenes Herz und seine noch offeneren Arme für alle Frauen jedoch haben allein das Aus verursacht, das ihn in die Krise stürzt. Aber was dann? Was? Der Schriftsteller aus Amsterdam, der nicht mehr schreiben kann, flüchtet sich in Exzesse, bemitleidet sich, hasst sich und andere, taumelt, fällt. Erst als Leo in Rom seiner leidenschaftlichen Jugendliebe Ellen wiederbegegnet, beginnt er zu suchen. Nach seinen Wurzeln. Was seine Kindheit bedeutet, sein jüdisches Elternhaus, das väterliche Erbe, das er bald ausgezahlt bekommen wird, und vor allem: Warum es seit Ellen mit den Frauen nicht mehr klappt und seine "Krokodilsseele" ihn immer wieder dazu bringt, geliebte Menschen zu "zerfleischen". Fans von Leon de Winter finden in seinem jetzt erstmals in Deutsch, im Original bereits 1986 erschienenen Roman alles, was ihn auszeichnet. Ein furioser Erzähler, der unterhalten kann, der verführt, fantasiert, brilliert, spottet, besoffen macht mit wilden Szenen, die mal in seinen Figuren und mal um sie herum toben. Leo, der leidende Held, kann die Pest sein. Aber am Ende ist er so vertraut, dass er einem fehlen wird. Und wie.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter fr-logo]

Leseprobe I Buchbestellung 0301 LYRIKwelt © Frankfurter Rundschau