Leichte Verfehlungen.
Roman von Elke Schmitter (2002, Berlin-Verlag).
Besprechung von Sabine Dultz aus dem Münchner Merkur vom 3.4.2002:

''Leichte Verfehlungen''
Roman von Elke Schmitter

Diese Frauen gibt es in jeder Großstadt. Und auch in kleineren Orten finden sie sich, freilich in geringerer Zahl und vermutlich eingeschränkter Exklusivität - die taffen, selbstständigen, schöngeistigen Erfolgstypen weiblichen Geschlechts. Die intellektuelle Würze jeder elitären Szene-Party. Die Schicken und gestylt Schlichten, die coolen Geldweiber und die arrivierten Lesben. Und irgendwie techtelmechteln sie alle mit der Kultur.

Nun hat Autorin und Spiegel-Redakteurin Elke Schmitter ihren Artgenossinnen einen bunten Strauß gewunden. In ihrem Buch "Leichte Verfehlungen" - es ist nach ihrem Erfolgsdebüt "Frau Sartoris" ihr zweiter Roman - zeichnet sie ein mit satirischem Kick versehenes Gesellschaftsporträt der privilegierten Salonlöwinnen.

Schauplatz ist Berlin. Ein Ort, an dem sich die Autorin - früher auch mal taz-Chefredakteurin - bestens auskennt. Aber nicht etwa ganz Berlin, sondern nur der alte Westteil. Eine Beschränkung, die auf die Figuren zurückschlägt. Möglicherweise hat das Elke Schmitter sogar beabsichtigt. Denn es lässt sich nicht behaupten, dass der Reigen der hier vorgestellten Frauen direkt sympathisch wäre. Sie führt sie uns vor als Wesen der eher oberflächlich gelackten Art. Ihre Probleme scheinen hausgemacht, ihre Sorgen entspringen dem Überfluss, ihre Nöte der einstigen West-Berliner Insel-Saturiertheit. Jetzt sind die Damen um die vierzig, Torschlusspanik macht sich breit. Das Leben wird zum Malheur: entweder Kinder und kein Beruf oder Job, dafür aber keine Kinder. Und mit den Männern wird's auch nicht leichter. . .

Schmitters Stil zeichnet sich aus durch eine gewisse Lakonik und feine Ironie. Diese miteinander verquickten Frauengeschichten aus der Mitte des Lebens lesen sich fabelhaft - als eine Art Abgesang auf die große Freiheit, die sich letztlich auch nur als Lebenslüge entlarvt. Ob es sich um Selma oder Bettina, Angelika oder Marlene handelt, um Journalistinnen, Galeristinnen oder theatermäßig ambitionierte Hausfrauen: Der große Witz der Autorin macht diese Gänse auf Stelzen am Ende doch noch ein bisschen liebenswert und ihr intellektuelles Geschnatter erträglich. Und eigentlich - über die Bedeutung dieses Partikels wird an einer Stelle des Buches ausgiebig philosophiert - sind damit die "Leichten Verfehlungen" doch ein amüsantes, dialektisch geschliffenes, gutes Stück Unterhaltung. Ein Roman über die Liebe und über eine kleine Gesellschafts-Clique, die einem seltsam überlebt vorkommt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.merkur-online.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0402 LYRIKwelt © Münchner Merkur