Landschaften
einer fernen Mutter.
Roman von Said
(2001, Beck).
Besprechung von Wieland Freund aus Die Welt vom 10.3.2001:
Das
erste Exil
Mann ohne Land, Sohn ohne Mutter - Der
iranische Lyriker und deutsche PEN-Präsident Said
Ein Nachtland, auch bei Tag. Der Italiener, den man links liegen lässt, heißt wirklich
"Al Pacino", von den Litfasssäulen herab grüßt Hollywood, die Diskotheken
haben die Tore zur Unterwelt verrammelt. "München leuchtet", ist von jeher ein
Euphemismus gewesen, es flimmert tatsächlich, nicht nur bei Föhn, und es nähme nicht
wunder, hätte der Verlag C. H. Beck, in der Mitte des reichen, runtergekommenen Schwabing
eine Zugbrücke, um das Abend- gegen das Nachtland zu verteidigen. So muss eine schwere
Metalltür reichen, um die eine von der anderen Welt zu schützen. Fällt die ins Schloss,
ist es still im Foyer mit seiner Ottomane, ein im Nachtland verlorenes Wort. Darüber
wacht der Verlagsgründer, gestochen scharf, ein aufklärerisches Profil. Und in seiner
guten Gesellschaft: der Dichter Said, in Teheran geboren und seit vergangenem Mai
Präsident des deutschen PEN.
Vielleicht ist es das: Im Nachtland rücken Morgen- und Abendländer näher zusammen. Vielleicht aber ist Said auch tatsächlich jener Karl Kraussche Agent des Morgenlands im Schlafgemach des Abendlands, der immer wieder den Vers seiner Fremdheit schreibt. Im Regal an der Stirnseite des Roten Salons jedenfalls ein Werk über Hartmann von Aue, und Said redet über Remarque. Er sitzt mit den Augen zur Tür. Doch das ist ein Zufall mittlerweile. "Die iranische Fraktion an die Mauer", wie es früher in seinem Freundeskreis hieß, wenn Said sich mit dem Rücken zur Wand setzte - das gilt nicht mehr. Said weiß, dass seine Post geöffnet wurde, einmal hat er eine Kopie des an ihn adressierten Schreibens im Umschlag gefunden. "Wissen Sie", sagt er, "ein Geheimdienst, der so schlampig arbeitet, ist nicht gut."...Fortsetzung
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