Längst nicht mehr koscher von Claudia Erdheim, 2007, Czernin Verlag

Längst nicht mehr koscher.
Roman von Claudia Erdheim (2007, Czernin Verlag)
Besprechung von tlu in Neue Zürcher Zeitung vom 28.07.2007:

Längst nicht mehr koscher

tlu. Ein nicht eben leichtes Unterfangen ist es, die eigene Familienhistorie zu fiktionalisieren. Es gehört zu den Tücken dieses literarischen Objekts, dass sich erzählend die Brüche allzu leicht kitten, dass das Leben zum wohlgeordneten Roman wird. Den Fallen einer zu neuer Beliebtheit gelangenden Gattung weicht die Wiener Schriftstellerin Claudia Erdheim mit ihrem Buch «Längst nicht mehr koscher» geschickt aus. Der Roman ist eine Familiensaga, die einen zeitlichen Bogen zwischen den Jahren 1874 und 1945 spannt und sich dabei gerade für die Widersprüche einer Zeit und einer Kultur interessiert. In einem armen galizischen Dorf wird der Vorfahr Moses Hersch Erdheim Unternehmer in Sachen Erdöl. Er nutzt die Gunst der Stunde und gelangt zu erheblichem Reichtum. Der authentisch kolorierte Roman zeigt den Aufstieg einer jüdischen Familie zwischen kultureller Verwurzelung und kosmopolitischer Assimilation. In den Greueln der NS-Zeit wird klar, dass die dunkle Seite der ersehnten Aufklärung mit dem technisierten Massenmord nicht wenig zu tun hat. Diese Dialektik der Geschichte wird auch zur bestimmenden Dialektik von Claudia Erdheims individueller Familiengeschichte. Mit grossem Können und imaginativer Kraft wird im Roman «Längst nicht mehr koscher» beides aufeinander bezogen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter nzzonline.jpg (1303 Byte)]

Leseprobe I Buchbestellung 0807 LYRIKwelt © NZZ