Kindbettfieber von Sabine Schiffner, 2005, S. FischerKindbettfieber.
Roman von Sabine Schiffner (2005, S. Fischer).
Besprechung von Marcel Beyer , 2005:

»Sabine Schiffner schickt uns mit »Kindbettfieber« direkt in die Köpfe ihrer Figuren: Sie lehrt uns, das zwanzigste Jahrhundert zu sehen, zu hören, zu riechen und zu schmecken. Wir geraten in Tuchfühlung mit vier Frauengenerationen, von der Urgroßmutter, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Wochenbett liegt, bis zur Urenkelin, die Anfang der achtziger Jahre zwischen Ostermarsch und Westernhagen-Konzert unverhofft auf die Geschichte ihrer Vorfahrinnen stößt. Es ist, als würden die fieberhaften Anfälle bis an den Rand des Wahns ebenso wie die fiebrigen Träume von den Müttern auf die Töchter übertragen. Denn während die Großväter, Väter und Söhne frühmorgens das Haus verlassen, um über den Deichweg in den Sumpf zu verschwinden, oder auf Dienstreisen gehen, oder für immer in die Fremde ziehen, bleiben die Frauen zurück in Bremen, der wachsenden, Erinnerungsspur um Erinnerungsspur auslöschenden Stadt. Umweht von Seeluft und Kolonialwarendüften, zwischen Sombreros, Papageien und exotischen Pflanzen horchen Sabine Schiffners Romanheldinnen auf ferne Musik, um jene Fremde abzuwehren, die sich in ihnen ausbreiten will.«

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