Karneval der Götter von Heinz R. Unger, 1999, HaymonKarneval der Götter.
Griechenlandroman von Heinz R. Unger (1999, Haymon).
Besprechung von Josefine Weninger aus Rezensionen-online *bn*:

Die Reise zweier Griechen von Athen zurück zu den Stätten ihrer Herkunft und zu sich selbst, bei der auch die Götter ihre Finger im Spiel haben. (DR)

Takis, ein verbummelter Student vom Land, und Kastaniotis, ein kauziger, etwas heruntergekommener Kioskbesitzer, den alle wegen seiner verschrobenen Theorien "Professor" nennen, stecken, jeder auf seine Weise, in Schwierigkeiten. Schließlich fliehen sie, der Jüngere vor einer festen Beziehung, der Ältere vor einem Schuldeneintreiber, in einem klapprigen Lieferwagen auf den Peloponnes, wo sie die Vergangenheit einholt und wo sie Bekanntschaft mit den als Geschäftsleute getarnten Göttern machen. Die Wege der beiden Griechen kreuzt immer wieder eine deutsche Urlauberfamilie, typische Aussteigertouristen, die Land und Leute zu kennen glauben, sich aber ständig daneben benehmen.

Einige der berührendsten Passagen dieses ansonsten großteils ironischen und amüsanten Romans sind jene, in denen der sieche deutsche Großvater versucht, seine griechischen Kriegserlebnisse aus dem 2. Weltkrieg zu bewältigen und in denen Kastaniotis mit dem traumatischen Erlebnis eines Nazimassakers, das er als Kind überlebt hat, konfrontiert wird. Gerade diese einfühlsame Darstellung von Tätern und Opfern macht das Buch zu mehr als einer leichten Urlaubslektüre. Sehr empfehlenswert.

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