Kant über Recht.
Philosophischer Text von Immanuel Kant (2004, Mentis Verlag, hrsg. von Wolfgang Kersting).
Besprechung von zyk in Neue Züricher Zeitung vom 18.12.2004:

Kennen Sie Kant?

zyk. Lange Zeit galten Kants «Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre» eher als Dokument abnehmender Geisteskraft und verlegerischer Fehlleistungen (ein Setzer soll versehentlich die Ordnung der Paragraphen durcheinander gebracht haben) denn als Schlüsseltext der Philosophie. An der Rehabilitierung der «Anfangsgründe» hatten Wolfgang Kerstings Arbeiten der achtziger Jahre, kulminierend in der Studie «Wohlgeordnete Freiheit», einen nicht unbeträchtlichen Anteil. In dem hier anzuzeigenden Buch «Kant über Recht» kommt Kersting auf den Text zurück, dem er sich zu Beginn seiner akademischen Karriere gewidmet hatte. Eine «anspruchsvolle Einleitung» in Kants Rechtsmetaphysik will die Arbeit bieten, eine «rekonstruktive Darstellung und philosophische Würdigung der systematischen Hauptgedanken», freigehalten von allem «philologischen Gelehrsamkeitsballast». Herausgekommen ist dabei eine mit dem Text aufs Beste vertraute, für Anfänger jedoch kaum geeignete Auslegung der «Anfangsgründe». Die «rekonstruktive Darstellung» ist auf Geschlossenheit aus und meidet es, konkurrierende Lesarten zu erwähnen. Um ein Beispiel zu geben: Die Einschätzung, dass es Kant bei seinen Überlegungen zum «äusseren Mein und Dein» um eine «Kommunismuswiderlegung» gegangen und er überdies bei dieser Widerlegung erfolgreich gewesen sei, würden viele Expertinnen und Experten wohl zurückweisen. Wer sich über die philosophischen Debatten der zeitgenössischen Kant-Forschung orientieren möchte, wird von Kersting nicht gut bedient. Zu vieles wird keines Blickes gewürdigt: kein Ludwig, kein Westphal, keine O'Neill, kein Willaschek, keine Korsgaard - so als beträfen deren Arbeiten nur «philologischen Ballast» und als könne sich, wem es um philosophische Würdigung und systematische Hauptgedanken gehe, allein an Kersting halten.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter nzzonline.jpg (1303 Byte)]

Leseprobe I Buchbestellung 0407 LYRIKwelt © NZZ