|
|
Kalte
Herberge.
Bruchstücke von Werner
Kofler (2004, Deuticke).
Besprechung von Renate Langer bei Rezensionen-online
*bn*:
Was ist zu tun, wenn man in Kärnten einem Bären begegnet? (DR)
Bei unvorhergesehenen Treffen mit Bären oder Bärinnen in freier Natur ist es ratsam, halblaut vor sich hinzureden und langsam davonzugehen. Doch worüber spricht man sinnvollerweise in einer solchen Situation? Über Karl Mays "Durchs wilde Kurdistan"? Über das Bärental und seinen Bewohner? Oder, warum auch nicht, über Zeitungs- und Ladendiebstahl? Und wie wäre es mit etwas Gesang? Etwa einer italienischen Liebesschnulze? Werner Koflers Assoziationsmaschine läuft und läuft. Der Geruch in Wiener Altbauwohnungen inspiriert ihn ebenso wie die Kontaktannoncen in der Tageszeitung "Der Standard". Hellhörig greift er Journalistenphrasen und Sprachfetzen aus Politikerreden auf, um sie satirisch gegen den Strich zu bürsten. Dabei scheint für ihn zu gelten: Viel Feind, viel Ehr". Auch vor Schmähungen schreckt er nicht zurück, im Gegenteil. In bester österreichischer Literaturtradition scheint er es zu genießen, wortreiche Schimpftiraden zu komponieren. Zu den Zielscheiben seines Spotts zählen österreichische Rechtsextreme ebenso wie der Dramatiker Felix Mitterer. In diesem Strom von Einfällen gibt der Autor auch immer wieder autobiographische Splitter preis, die sich zu einem Selbstporträt des Dichters als alternder Mann zusammenfügen lassen. Und plötzlich wird hinter all den Witzen, den Sprachkunststücken, den Seitenhieben gegen Schriftstellerkollegen und der Selbstironie ein gar nicht so geringes Maß an Melancholie spürbar. - Allen zu empfehlen, die sich für moderne österreichische Literatur interessieren.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionen-online.at Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks - Medium]
Leseprobe I Buchbestellung I home 0105 LYRIKwelt © Rezensionen-online