Istanbul von Orhan Pamuk, 2006, hanser

1.) - 3.)

Istanbul.
Erinnerungen an eine Stadt von Orhan Pamuk (2006, Hanser - Übertragung Gerhard Meier).
Besprechung von Gülcin Wilhelm in freitag vom 24.11.2006:

Hüzün als Chance
WEHMUT: In seinem neuen Buch "Istanbul" erzählt Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk von seiner Kindheit und seinen Gefühlen für die Stadt am Bosporus

"Schreib das auch, schreib über die Brände. Nicht vergessen den Zusammenstoß der Barkasse mit dem Holztransport, infolgedessen drei Menschen im dunklen Wasser des Bosporus verschwanden" - das forderten Bekannte von Orhan Pamuk, dem türkischen Schriftsteller, als er ihnen seine Absicht mitteilte, ein Buch über Istanbul zu schreiben. Erst irritierte ihn diese Aufforderung. Doch dann konnte er sie sich erklären. Schließlich ging es um die gemeinsam erlebte Zeit, in der noch eine Million Menschen in Istanbul lebten und nicht, wie heute, zehn Millionen. Als man die Seeunfälle am Bosporus beobachtete, habe man sie durch Weitererzählen zu Legenden gemacht. Heute dagegen seien derlei Unfälle Alltagsereignisse einer Megastadt. So wird der 54jährige Schriftsteller mit seinem Buch Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt, das in der Türkei ein Jahr nach der Veröffentlichung seines Romans Schnee erschien, zum Übermittler des kollektiven Gedächtnisses. Insbesondere des Gedächtnisses seiner eigenen Generation.

In Istanbul, wo Pamuk seine Erzählungen über seine Kindheit und Jugend mit der Geschichte der Stadt unauflösbar verbindet, gibt es eine Reihe von Schwarzweiß-Fotografien. Private wie auch von dem berühmten Fotografen Ara Güler geschossene Bilder, der auch mit Pamuk gemeinsam die Auswahl für das Buch traf. Es ist nicht nur der Charme oder die sorgfältige Platzierung dieser Aufnahmen, die den Betrachter berühren. Sie wirken gleichzeitig wie eine Art Geheimcode: Wenn man die Fahrzeuge, Straßen und Häuser auf den Fotos sieht, beginnt man unwillkürlich, Erinnerungen aus den Tiefen des Unterbewusstseins zu holen.

In dem Kapitel mit dem Titel Schwarzweiß beschreibt Pamuk diesen schmerzhaften Vorgang am Beispiel türkischer Filme der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, die man sich heute noch einmal ansieht. Wenn er die Straßenszenen, die alten Gärten, das Ufer des Bosporus, die in der Zwischenzeit abgerissenen hölzernen Herrschaftshäuser in Schwarzweiß und in der Form sehe, in der er diese selbst erlebt habe, so Pamuk, überkäme ihn das Gefühl, er sehe keinen Film, sondern seine eigenen Erinnerungen. Dass das Istanbul seiner Kindheit ihm im Nachhinein nur in zwei Farben erscheint, löst in ihm abwechselnd Freude und Wehmut aus. Einen Teil dieses Empfindens führt er auf die Armut Istanbuls und auf die Tatsache zurück, dass das Historische und Schöne verborgen bleibt, dass die Stadt verfallen, blass, abgewertet und verstoßen sei.

"Wehmut" ist ein wiederkehrendes Wort in Istanbul, mittels dessen Pamuk die Stadt charakterisiert. Deshalb widmet der Autor dem Unterschied zwischen Hüzun, dem türkischen Begriff dafür, und den Begriffen Melancholie und Tristesse ein gesondertes Kapitel. Hüzün, so Pamuk, treffe die Gefühlslage, die von einer Gesellschaft geteilt wird, besser als das Wort Melancholie; ein Seelenzustand, der dagegen vom einzelnen Individuum empfunden werde. Hüzün umfasse in Istanbul gleichzeitig ein wichtiges lokales "musisches" Gefühl, ein Grundwort für Dichtung, eine Weltansicht, ein Seelenzustand und Ausdruck dessen, was die Stadt ausmache. Deshalb sei es sowohl ein negatives wie auch ein positives Gefühl. Hüzün läge gleichermaßen in Momenten, Bildern und Orten wie den Gassen mit Pflastersteinen, den stillgelegten Häfen mit ihren alten Bosporus-Schiffen, oder den unbeweglich im Regen stehenden Möwen auf den verrosteten Bojen.

Nicht zuletzt seit dem Untergang des Osmanischen Reiches sei dieses Gefühl von Wehmut vorherrschend. Istanbul habe gegenüber dem Westen zunehmend seine Identität verloren und sei ärmer geworden. Pamuk kritisiert einige bedeutende türkische Dichter und Schriftsteller wie Ahmet Hamdi Tanpinar und den Lyriker Yahya Kemal Beyatli, die damals die Idee einer türkischen Nation mitsamt ihrem Nationalismus forciert hätten. Dies sei auf Kosten von Griechen, Armeniern, Juden, Kurden und anderen Minderheiten gegangen, die bis dato ein wesentlicher Bestandteil dieses Reiches waren.

Pamuk schreibt, das Gefühl der Demütigung, der Wehmut und des Verlustes durch den Verfall des Osmanischen Reiches habe nach und nach auch seine Familie erreicht. Er selbst ist in wohlhabende Verhältnisse hineingeboren. Die Großfamilie bewohnte mit Köchen und Haushältern ein Haus im bürgerlichen Viertel Nisantasi auf der europäischen Seite der Stadt. Eine Etage gehörte der verwitweten Oma väterlicherseits, deren angehäuftes Vermögen durch mehrere Pleiten von Pamuks Vater und Onkel mit der Zeit verpuffte. Die glückliche Vorschulkindheit Pamuks und seines zwei Jahre älteren Bruders wurde nach und nach nicht nur durch häufiges Umziehen und den ständigen Zwist der Familie wegen ihrer Besitzverhältnisse, sondern auch durch den Streit der Eltern überschattet. Immer öfter wurde der kleine Orhan für mehrere Wochen zu Tanten geschickt, bei denen er zwar gut behandelt wurde, aber viele Jahre litt er unter Verlustängsten. Diese entstanden, weil mal seine Mutter, mal sein Vater, mal beide für mehrere Wochen fort blieben.

Wenn Pamuk die einzelnen Mitglieder seiner Familie beschreibt, hat man unweigerlich den Eindruck, als umrisse er das Aussterben gewisser Prototypen des Istanbuler Großbürgertums am Beispiel des Schrumpfens seiner Familie. Seine Oma beispielsweise, die Pamuk im Vorfeld seiner Einschulung jeden Morgen besuchte, um auf ihrem Bett das Schreiben zu üben, war der "Boss" der Familie. Ihr Frühstück samt Zeitung wurde von ihrem Koch am Bett serviert, währenddessen sie mit ihm beriet, was an diesem Tag für die ganze Familie gekocht werden sollte. Dann verbrachte sie viele Stunden lesend im Bett, von wo aus sie durch den Spiegel ihres Schminktisches das ganze Geschehen in der Wohnung kontrollierte. In ihr dickes Schreibheft, das sie immer bei sich hatte, notierte sie Abrechnungen, Ausgaben, Pläne und "meteorologische Vorgänge". Das Heft fungierte auch als Tagebuch, in dem sie in den späteren Jahren folgende Eintragung schrieb: "Heute besuchte mich mein Enkelkind Orhan. Ein Kluger, Süßer. Er studiert Architektur. Hoffentlich wird er eines Tages sehr erfolgreich." Doch Pamuk brach nach drei Jahren sein Architekturstudium ab, um Journalismus zu studieren. In Istanbul erzählt er, wie schon sehr früh seine Leidenschaft fürs Malen entbrannte. Das Buch endet in der Periode, in der er sich, 24-jährig, dann doch zum Schreiben entschloss.

Pamuk entdeckte seine Lust und sein Talent schon in der Grundschule und malte unablässig. Mit 15 begann er Istanbul-Bilder zu malen, was er im Nachhinein nicht unbedingt auf die Liebe zur Stadt zurückführt. Da Stillleben und Menschenporträts ihn nicht sonderlich interessierten, blieb ihm nur eins übrig: das vom Balkon aus Gesehene darzustellen. Insgeheim wusste er natürlich immer, dass das, was er malte, einfach aus dem Grund gut ankommen würde, weil die von ihm portraitierte Landschaft, der Bosporus mit seinen Wellen und Schiffen, der Topkapi-Serail, der Mädchenturm in Üsküdar und die Silhouetten der Altstadt etwa, einfach so wunderschön war.

Mit der künstlerischen Darstellung der Stadt setzt sich Pamuk in Istanbul eingehend auseinander. Er bemängelt an den osmanischen Malern, sie hätten die Stadt nicht als Volumen oder Anblick sondern als eine Oberfläche und Landkarte betrachtet und sich auf die Pracht des Sultans konzentriert, anstatt sich mit dem Alltag der Stadt zu befassen. In dem Kapitel mit dem Titel Mellings Bosporus-Ansichten wendet sich Pamuk dem deutschen Künstler zu, den er für den glaubwürdigsten unter allen westlichen Malern hält, die sich mit dem Bosporus befasst haben. Aus dessen 1819 in Frankreich veröffentlichten Bildband mit dem Titel Malerische Reise in Konstantinopel und an den Ufern des Bosporus, der 48 Schwarzweiß-Stiche enthält, sind einige in Istanbul abgebildet.

Der 19-jährige Künstler kam im Zuge der damals aufkommenden Orientsehnsucht nach Istanbul. Er wurde von der Schwester des Sultans Selim III. mit der Aufgabe betraut, ihren Garten nach westlichem Muster zu gestalten. In den 18 darauffolgenden Jahren, die Melling in Istanbul verbrachte, entstanden sehr detailgetreue, mit mathematischer Präzision gefertigte, aber auch poetische Bilder, die nicht zuletzt das Geschehen auf der Straße einfingen. Pamuk schreibt, der Bildband erwecke keinesfalls den Eindruck, dass die Stadt etwas Exotisches oder Magisches sei. Vielmehr wiesen die Stiche Mellings Ähnlichkeiten mit dem Bosporus seiner Kindheit auf. Was Pamuk prompt in "hüzün" stürzt.

Orhan Pamuk verbrachte bis auf drei Jahre, die er im Ausland war, sein ganzes Leben in Istanbul, und mit ein paar Unterbrechungen hauptsächlich in Nisantasi. Zur Zeit bewohnt er sogar das Haus, in dem er geboren wurde. Er schreibt, diese Verbundenheit mit Istanbul bedeute, dass das Schicksal der Stadt und sein eigenes sich zu ähneln begännen. Es sei für ihn unausweichlich. Es gebe zwar Momente, in denen er sich als ein Pechvogel betrachte, weil er in einer Stadt geboren sei, die verarmt und gedemütigt unter der Asche und den Ruinen eines untergegangenen Reiches verschüttet liege. Andererseits gebe es immer wieder Momente, in denen ihm eine innere Stimme sage, dass gerade das eine Chance sei.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Freitag]

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Istanbul von Orhan Pamuk, 2006, hanser2.)

Istanbul.
Erinnerungen an eine Stadt von Orhan Pamuk (2006, Hanser - Übertragung Gerhard Meier).
Besprechung von Thomas Borchert aus dem Münchner Merkur, 15.12.2006:

Das fortwährende Scheitern
Große Liebe „Istanbul”: Die Ode von Orhan Pamuk an seine Stadt

Man muss sich kein Stück für die größte Stadt der Türkei interessieren, um von Orhan Pamuks neuem Buch „Istanbul ­ Erinnerungen an eine Stadt” gefesselt zu sein. Der 54-Jährige hat hier über 400 Seiten originell, intelligent, warmherzig und auch raffiniert Betrachtungen über seine Heimatstadt mit Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend in der 14-Millionen-Einwohner-Metropole zusammengeflochten.

Schwarzweißperspektiven

Als „Stadtschilderung” haben die Nobel-Juroren von der Schwedischen Akademie das nicht leicht zu fassende Genre des Buches etwas fantasie- und lieblos eingestuft, dem Autor aber dann den berühmtesten Preis der Welt mit einer etwas anspruchsvoller klingenden Begründung zuerteilt: „Pamuk hat auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden.”

Gut, dass der Geehrte viel lockerer und leserfreundlicher formulieren kann. Bei Pamuk ist die „melancholische Seele” keine naturgegebene kollektive Grundstimmung, sondern sie ergibt sich aus vielfältigen historischen Entwicklungen heraus. Schlüsselbegriff ist hier der Untergang des Osmanischen Reiches.

Nicht nur melancholisch ist es daheim im Elternhaus des Autors zugegangen, in Sichtweite des Bosporus. Die Schilderung der eigenen Entwicklung vom Kind zum jungen Mann, der Schriftsteller werden will, gehört zu den Glanzpunkten dieses Buches. Pamuk hat vielleicht mehr noch als „die melancholische Seele seiner Heimatstadt” den Schlüssel zu eigenen seelischen Entwicklungen gesucht. Erinnerungsarbeit also und die Suche nach der Stadtseele als Rahmen scheinen ihm bestens zu Diensten gewesen zu sein. Aus der Verknüpfung beider Elemente erwachsen eindrückliche Passagen, in denen Pamuk raffiniert seine Befunde zu Istanbul als niedergehender, von Passivität befallener Metropole mit persönlichen Entwicklungsstadien als unsicher Suchender zusammenfügt.

Pamuk urteilt oft hart und mitunter seltsam pauschal über das, was er als Niedergang von Istanbul empfindet: „Das seit 150 Jahren auf der Stadt lastende Gefühl des fortwährenden Scheiterns manifestiert sich in zahllosen Schwarzweißperspektiven, und eben auch in der Kleidung.” Oder: „Istanbul verkam zu einem langsam vor sich hin alternden, verödenden, schwarz-weißen, monotonen und einsprachigen Ort.” Und doch ist man sich am Ende völlig sicher, dass dieser bienenfleißige „Stadtschreiber” Istanbul viel mehr mag als verabscheut.

Schließlich wohnt er dort nach wie vor. Und da ist ja auch die Verknüpfung mit der Erforschung der eigenen Seele. „Der geneigte Leser” habe ja gemerkt, dass er sich bemühe, „durch mich über Istanbul und durch Istanbul über mich zu berichten”, heißt es im Buch.

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Istanbul von Orhan Pamuk, 2006, hanser3.)

Istanbul.
Erinnerungen an eine Stadt von Orhan Pamuk (2006, Hanser - Übertragung Gerhard Meier).
Besprechung von Jürgen Weber:

Das türkische Wort "Hüzün", das bei der Konzeption dieses Buches, oder besser: der Autobiographie der ersten zwanzig Jahre des Lebens von Orhan Pamuk, eine tragende Rolle zukommt, wird schon im Koran erwähnt. Die Bezeichnung des Todesjahres der Frau von Mohammed wird als "senetul huzun", also als "Hüzün-Jahr" bezeichnet und macht deutlich, dass ein schmerzlicher Verlust den Begriff kennzeichnet. Pamuk betont aber, dass es heute vor allem zwei Sinnvarianten dieses Wortes gibt. Die erste führe das Auftreten von "hüzün", also Melancholie, auf unverhältnismäßige Hinwendung zu Profitstreben und diesseitigen Genüssen zurück. Der Verlust dieser, würde das Gefühl des Hüzün verursachen. Die zweite Interpretation leitet Pamuk vom Sufismus her: es bedeute das Gefühl der Unzulänglichkeit, Gott nicht nahe genug zu sein und hienieden für Gott nicht genügend tun zu können.

Orhan Pamuk verbrachte seine ganze Jugend hinter diesem "Dampf", der die Fensterscheiben beim Teekochen im Winter beschlug. So beschreibt er jedenfalls das Grundgefühl seiner Jugend, das "Hüzün", die Melancholie, ein Gefühl, dass laut ihm nicht nur er empfindet, sondern auch die Stadt Istanbul selbst prägt. Die Beschreibung und Definition von "Hüzün" in vorliegendem Buch gehört zweifellos zu einem der magischsten Momente der europäischen Literaturgeschichte, den Sie sich unbedingt selbst gönnen sollten.

Wenn Pamuk das "Hüzün Istanbuls" näher definiert, schreibt er: "Das seit 150 Jahren auf der Stadt lastende Gefühl permanenten Scheiterns." Schilderungen und Vergleiche mit dem französischen "Tristesse", dem italienischen "tristezza" oder eben der griechischen "Melancholie" (von griech. für: schwarze Galle) gehören zu den Höhepunkten Pamuks Literatur und er beweist, wie belesen und feingeistig er ist. Für ihn ist die Melancholie kein bloß individuelles Gefühl, sondern geradezu "das" Gefühl der Stadt. Er begründet dies u.a. mit dem Untergang des Osmanischen Reiches, das auf der Stadt laste, wie ein Fluch. Der "Zwang zur Moderne", der sich nach dem Ersten Weltkrieg in der türkischen Bourgeoisie (zu der auch seine Familie gehörte) festsetzte, wird von Pamuk fast mit Spott bedacht, denn es gibt eigentlich ja keinen Grund sich für die (osmanische) Vergangenheit zu schämen.

Am Ende wird die Ursache für sein "hüzün" auch enträtselt, dann nämlich, wenn Orhan Pamuk aufgrund seiner enttäuschten ersten Liebe, der albanischen "schwarzen Rose", das Malen aufgibt und schließlich Schriftsteller wird. "Und vielleicht ist für mich Istanbul ja auch deshalb ein so melancholischer Ort, weil ich einige seiner Straßen und Viertel und so manche nur von einem bestimmten Hügel aus sichtbare Perspektive zum ersten Mal in jener Zeit erblickte, als ich meine nach Mandel duftende Geliebte verlor und daraufhin kaum mehr in den Unterricht ging." Sein "hüzün" treibt ihn dazu sein Architekturstudium hinzuschmeißen und auch das Malen, da ihm ja sein Modell abhanden kam, aufzugeben. Seiner Mutter, die ihm von jedem künstlerischen Beruf ohnehin abraten will, eröffnet er hingegen: "Ich will Schriftsteller werden".

Die langen Spaziergänge durch die versteckten Winkel Istanbuls, das Nachdenken über seine verlorene Liebe und das dabei empfundene "hüzün" machten Orhan Pamuk zu dem, was er heute ist: einer der größten europäischen Schriftsteller. Mit "Istanbul" schreibt er nicht nur die Geschichte seiner ersten zwanzig Jahre, sondern auch die Geschichte einer Stadt und eines Lebensgefühls, das europäischer nicht sein könnte. In einer Symbiose aus Stadtchronik und Autobiographie schafft Orhan Pamuk das, was nur wenigen Autoren gelingt: wahrhafte Authentizität.

Außerdem sind im Hanser Verlag von Orhan Pamuk erschienen: "Das schwarze Buch" (1995), "Das neue Leben" (1998), "Rot ist mein Name" (2001) und "Schnee" (2005), das von der New York Times als bestes ausländisches Buch gefeiert wurde. Wer noch mehr autobiographisches von Orhan Pamuk lesen möchte, findet dies in der Essaysammlung "Der Blick aus meinem Fenster (2006).

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter buchkritik.at]

Leseprobe I Buchbestellung I 0207 LYRIKwelt © Jürgen Weber