Imperium von Christian Kracht, 2012, KiWi1.) - 4.)

Imperium.
Roman von
Christian Kracht, (2012, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von Sabine Vogel in der Frankfurter Rundschau, 16.2.2012:

Hitler war kein Hippie
Und Christian Krachts Roman über das „Imperium“ eines deutschen Aussteigers ist keine Nazischmonzette sondern ein Roman, der ob seiner gespreizten Manieriertheit ziemlich schnell nervt. Der Roman ist ein recht hanebüchener Schmarrn.

Bitte keine Rezension vor dem 16. Februar. So steht es in meinem Exemplar des neuen Romans „Imperium“ von Christian Kracht. Aber wenn Christian Kracht einen neuen Roman veröffentlicht, stehen die Literaturkritiker in der Spur und da sind Sperrfristen Makulatur. Der Sohn eines Aufsichtsratsvorsitzenden von Springer hat für die Bild, Tempo und Die Welt geschrieben, war Kolumnist der FAZ und für den Spiegel Indienkorrespondent. Man kennt sich halt und außerdem gilt der geläuterte Popliterat Kracht als erfrischender Eigenbrötler des Literaturbetriebs.

Die Zeit preschte letzte Woche lobend vor, am Wochenende zog die taz und die FAZ nach, letzterer mit ihrer Sonntagsausgabe gleich dreifach. Während in der Samstagsrezension noch der „lässige Abenteuerroman eines deutschen Romantikers“ gefeiert wird, wettet Peter Richter in der FAS unter der grandiosen Überschrift „Prüder zur Sonne“ darauf, dass bald die Nazikeule fliegen werde. Das erledigt Georg Diez tags drauf im Spiegel. Er nennt Kracht einen „Türsteher rechter Gedanken“ und unterstellt ihm „antidemokratisches, totalitäres Denken“. Zutiefst gekränkt sagte Kracht deshalb seine Buchvorstellung in Berlin ab.

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch weist diese Anschuldigungen empört zurück– schließlich hätte auch Elfriede Jelinek den Roman abgesegnet. Schon lustig. Diez belegt seine Vorwürfe weniger mit dem Roman selbst, als durch Krachts Freundschaft mit dem amerikanischen Aktionskünstler David Woodward, der sich wiederum mit der von der Philosophenschwester Elisabeth Förster-Nietzsche mitbegründeten völkischen Kolonie Nueva Germania beschäftigte, woraus der Dokumentarfilm über „Die letzten Arier von Paraguay“ entstand. Das ist dann so nazigeil wie die Berliner Volksbühne, wo Woodward 2010 mit einer Performance auftrat.

Nackter Fructivore

Mit seiner Diktatorenkoketterie hat Kracht freilich schon länger für wachsame Holzaugen gesorgt: In „1979“ (2001) erlebt ein deutscher Schnösel in Teheran die iranische Revolution und endet in einem stalinistisch-chinesischen Gulag. Die nordkoreanische Kulisseninszenierung Kim Jong Ils führt Kracht in einem affirmativen Fotoband („Die totale Erinnerung“) vor. Sein letzter Roman „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" (2008) spielt in einer bolschewistischen Schweiz, die in Afrika den letzten Hort der Zivilisation kolonisiert hat.

Um gar keine Zweifel an seiner „Faszination für das Mythisch-Faschistoide“ aufkommen zu lassen, lässt Kracht seinen überheblichen Erzähler von „Imperium“ gleich selber die parabelhafte Nähe seines Helden zu Hitler aufdecken: „So wird nun stellvertretend die Geschichte nur eines Deutschen erzählt werden, eines Romantikers, der wie so viele dieser Spezies verhinderter Künstler war, und wenn dabei manchmal Parallelen zu einem späteren deutschen Romantiker und Vegetarier ins Bewusstsein dringen, der vielleicht lieber bei seiner Staffelei geblieben wäre, so ist dies durchaus beabsichtigt und sinnigerweise, Verzeihung, in nuce auch kohärent.“

Doch so explosiv, wie das Mediengetrommel glauben machen könnte, ist der Roman gar nicht. Worum geht es? „Imperium“ erzählt die Geschichte eines radikalen, aber vergleichsweise harmlosen Aussteigers aus dem wilhelminischen Spießerdeutschland.

Die Vorlage bildet die wahre Geschichte des 1875 in Nürnberg geborenen August Engelhardt. Als 27-Jähriger reist dieser erste deutsche Hippie 1902 in die Südsee und kauft sich dort (halb auf Pump) eine kleine Insel in Deutsch-Guinea, wo er 1919 ausgemergelt, isoliert, krank und verrückt geworden stirbt. Auf Kabakon, dem Inselchen in Neu-Pommern, streift der Nudist, Vegetarier und Lebensreformer mit seinen Klamotten auch den letzten Rest der „durchseuchten und verfaulten“ Zivilisation ab. Er ernährt sich nur von Kokosnüssen, die er für göttlich hält, und bastelt sich daraus eine neuheidnische Heilslehre namens „Kokovorismus“ und begründet einen Sonnenorden.

Für eine Weile lebt der Berliner Musiker Max Lützow bei ihm auf der Insel, gleichfalls ein nackter Fructivore, der euphorisierte Briefe und Artikel nach Hause schickt. Aufgrund deren Veröffentlichungen machen sich zwei Dutzend Jünger in die deutschen Südsee-Schutzgebiete auf. Die Kommune der neuen Menschen um den Kokosnussapostel scheitert jämmerlich an Tropenkrankheiten, Machtstreitereien und Ideologiekämpfen zwischen Prüderie und Libertinage. Ach ja, etwas Antisemitismus wird auch eingeschleppt von den zivilisationsflüchtigen Reinheitsfanatikern.

In Salz eingelegter Lepradaumen

Im letzten Jahr hat auch Marc Buhl die Biografie Engelhardts in einen tragikomischen Roman verwandelt (Das Paradies des August Engelhardt. Eichborn 2010, 240 S., 18,95 Euro). Aus den 1200 Büchern, die Engelhardt zur geistigen Stütze seiner angestrebten Erleuchtung mit in seine koloniale Enklave bringt, baut Buhl ihm eine groteske Strandburg, die zumindest den kannibalistischen Ureinwohnern Respekt einflößt.

Im Vergleich zu Buhls bildergesättigter Dramatisierung der „versonnten“ Hirnverbranntheit Engelhardts wirkt Krachts stilisierter, wenngleich ironisch gebrochener Ästhetizismus einer „exquisiten Barbarei“ seltsam leblos. Krachts sanftmütig schlurfende Malayen und Lakaien mit ihren weißen Zähnen und den „nicht mehr ganz frischen weißen Hemden“ bleiben tote Staffage.

Wenn diese Herzenskälte (Ernst Jünger!) ein Stilmittel sein soll, um Engelhardts Entfremdung von der Welt zu symbolisieren, ist das misslungen. Kein gefährlicher Sturm vermag einen mitzureißen, noch die krassesten Symptome des Verfalls, der in Salz eingelegte Lepradaumen, all das Abdriften in einsamen Wahn erscheint als elegant gedrechselte Dekoration.

Bloß von was? Krachts gespreizter Manieriertheit dieser scheinbar Thomas Mann imitierenden Sprache nervt ziemlich bald. Da ist der schnöde Heizer ein „Demiurg gegen die Impertinenz der Weltenunordnung“ und das „Ektoplasma wird in geordnete Schranken“ geleitet. Dass Krachts Engelhardt dann auch noch von „Nordmännern“ deliriert und Kindern, „deren blondes Haar zu Kränzen auf ihren Häuptern verflochten war“, ist zwar grauenhafter Rollenprosa-Kitsch, jedoch ihm wegen seinem durchaus ein wenig „dräuendem“ Pathos-Gewaber Nazigesinnung zu unterstellen, ist Humbug. Hitler war kein Hippie.

Aber, um mit der Gestelztheit der Kracht’schen Diktion zu sprechen: man kommt nicht umhin zu sagen, dass der Roman ein recht hanebüchener Schmarrn ist.

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Imperium von Christian Kracht, 2012, KiWi2.)

Imperium.
Roman von
Christian Kracht, (2012, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von W. Öschelbrunn, Berlin für Amazon.de, 26.02.2012:

Wer in diesem Roman totalitäres Denken entdeckt, sollte dringend seinen Psychopharmaka-Konsum überdenken

Christian Krachts "Imperium" ist ein - verhältnismäßig kurzer - schwerelos-unterhaltsamer Roman über die absurde Kehrseite des ansonsten überhaupt nicht komischen Versuchs einer verspäteten Nation, koloniale Bedeutung zu erreichen. Kracht schildert den Weg des Nudisten und Vegetariers August Engelhardt aus Nürnberg in die kaiserlich-deutsche Südsee, um dort eine Kokovoren-Kommune aufzubauen. Genauso absurd wie Engelhardts Kokusnuss-Kult sind viele Geschehnisse, die sich sonst noch so im entlegensten Winkel des Reiches Kaiser Wilhelms abspielen. Krachts Erzählstil ist der eines amüsierten, kopfschüttelnden Beobachters, der allerdings an mehr als einer Stelle deutlich macht, dass das Beschriebene lediglich Vorstufe zu weit weniger amüsanten welthistorischen Ereignissen sein wird.

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Harmlosigkeit des Geschehens einerseits und Hinweis auf die Ereignisse des 20igsten Jahrhunderts andererseits sehe ich die Besonderheit von Krachts "Imperium". Wie konnten sich Nationen, die sich in der Südsee derart lächerlichen Spielereien hingaben, eigentlich wenig später in einem mörderischen Krieg gegenüberstehen? Oder spiegelt die grenzenlose Naivität und Verblendung des August Engelhardts genau dieses Phänomen wieder, dass es uns aus heutiger Perspektive so schwer macht zu verstehen, warum unsere Ahnen die Absurditäten der historischen Ereignisse vor über einem Jahrhundert nicht zu erkennen vermochten.

Wie Georg Diez (Spiegel) in diesem Roman eine "rassistische Weltsicht" und "antimodernes, demokratiefeindliches und totalitätes Denken" entdeckt, ist mir schleierhaft und grenzt geradezu an Engelhardtsche Wahnvorstellungen. Ich würde Lesern, die sich ein wenig für Geschichte interessieren und sich außerdem auf die Formulierfreude Krachts einlassen möchte, "Imperium" zur Lektüre uneingeschränkt empfehlen. Ein thematisch verwandter und ebenfalls empfehlenswerter Roman wäre Alex Capus' "Eine Frage der Zeit".

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Imperium von Christian Kracht, 2012, KiWi3.)

Imperium.
Roman von
Christian Kracht, (2012, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von Christoph Schröder in der Frankfurter Rundschau, 17.3.2012:

Rassismus-Vorwürfe
Christian Kracht: Absolut skandalfrei

Scheu wie ein Reh liest Christian Kracht in Leipzig aus seinem neuen Roman „Imperium“. Wer nach den Rassismus-Vorwürfen gegen Kracht hier auf einen Skandal hoffte, wurde enttäuscht.

Früh kommen, sagt jeder, auch die Presseabteilung von Kiepenheuer & Witsch gibt diesen Ratschlag. Reserviert wird nichts. Um halb neun ist Veranstaltungsbeginn; da postiert man sich am besten schon gegen viertel nach sieben vor den Flügeltüren der Leipziger Universitätsbibliothek und wartet darauf, dass es losgeht mit Christian Kracht. Den hat ein vermutlich des Lesens nicht fähiger oder williger Literaturkritiker vom Spiegel zum Skandalautor gemacht, zum „Türsteher rechten Gedankengutes“. Als ihm daraufhin Empörung entgegenschlug, ruderte der Mann zurück. Das sei ja alles gar nicht so gemeint gewesen, insgesamt, aber Recht habe er dennoch, insgesamt. Eine jämmerliche Posse, mit der der Schweizer Autor Kracht nun zurechtkommen muss.

Er kommt ganz gut zurecht damit in Leipzig. Auf der Eröffnungsfeier der Buchmesse am Mittwoch stand er mit seinem Verleger im Foyer des Gewandhauses herum und plauderte. Und auch am Donnerstagnachmittag vor seiner Lesung, der ersten in Deutschland aus seinem vermeintlichen Skandalroman „Imperium“, stand Kracht bei der Verleihung des Leipziger Buchpreises am Rand, adrett gekleidet wie stets, ein Buch von Erich Kästner in der Hand. Hier interessiert sich niemand für ihn. Für den Abend allerdings und die auf die Buchmesse folgende Lesereise haben Kracht und der Verlag strenge Auflagen herausgegeben: Keine Bild- und Tonaufnahmen, keine Interviews, kein Publikumsgespräch. Einfach nur Text.

Ein kurioser Ort für eine Lesung

Um halb acht werden die Türen des Bibliothekssaal geöffnet. Etwa 50 Menschen strömen in den Raum hinein. Ein kurioser Ort für eine Lesung, aber auch durchaus pompös: Eine hohe Halle mit verglastem Dach und langen Lesetischen, an denen die Zuhörer Platz nehmen. Rundbögen, Klinkersteine, das Licht bleibt gedämpft; ein Halbdunkel, das sich langsam mit Menschen füllt. Mehr als 400 werden es am Ende wohl sein.

Das Publikum sieht dann auch so aus, wie man es erwartet hätte: Viele junge Leute, die gerne Dandys wären, so wie Christian Kracht ein Dandy ist. Anfangszwanziger mit weißen Hosen und karierten Jacketts mit aufgenähten Lederflicken auf den Ellenbogen und Halstüchern zum Hemd. Junge Frauen mit modisch großen Brillen, bei denen die Fensterglaswahrscheinlichkeit bei geschätzten 70 Prozent liegen dürfte. Es gibt hier aber auch ältere Herrschaften, das „Leipzig liest“-Publikum, das überall hingeht.

Um zehn nach acht setzt klassische Musik aus den Lautsprechern ein, leise zunächst, dann dramatisch anschwellend. Wagner, vermutet man sofort, das wäre ein Klischee, und damit spielt Kracht gerne. „Zu lieblich“, sagt einer in der Sitzreihe und hat wohl Recht damit. Hinter einer Säule lugt der Autor wie ein scheues Reh hervor: Brille, dünner Bart, Dufflecoat.

Krachts Verleger Helge Malchow merkt in seiner Begrüßung an, er habe den Eindruck, die wissenschaftliche Beschäftigung mit Kracht sei stets stärker gewesen als die des Feuilletons. Das kann er nun ja kaum mehr behaupten. Dann beginnt Kracht mit der Lesung aus „Imperium“, einem Roman, der, mit allerlei fiktiven Wendungen und doppelten Erzählböden, von August Engelhardt erzählt, einem Aussteiger aus Unterfranken; ein Vegetarier und Nudist, der die Welt verbessern, ja retten will, und im Jahr 1902 auf Papua-Neuguinea eine Kokosnussplantage kauft und einen Sonnenorden gründet.

Kracht liest unbewegt

Kracht liest monoton und leise, so leise, dass irgendwann ein junger Mann neben den Lesetisch tritt und dem Autor einen Zettel zuschiebt – wohl die Bitte, die Stimme etwas zu heben. Anstößiges gibt es nicht zu hören, das hatte wohl auch niemand ernsthaft erwartet. Erstaunlich ist, dass Kracht, wie es zunächst scheint, seinen recht dramatischen Text zu Tode liest. Es geht um Stürme, Hinrichtungen und Schiffsunglücke, doch Kracht bleibt geradezu betont unbewegt. Nach einiger Zeit stellt sich allerdings heraus, dass auch das einen beträchtlichen Sog erzeugt – die große halbdunkle Bibliothekshalle und der kleine blonde Vorleser da vorne. Das hat was. Ein einziges Mal lacht eine Frau laut auf, das wirkt irritierend.

Genau 55 Minuten dauert die Lesung. „Ich danke Ihnen für Ihre großartige Aufmerksamkeit“, sagt Kracht. Danach signiert er Bücher, immerhin. Vor dem Ausgang steht ein Kamerateam und interviewt die Besucher, noch immer auf der Suche nach dem Skandal. Man wird hier und heute nicht mehr fündig werden.

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Imperium von Christian Kracht, 2012, KiWi4.)

Imperium.
Roman von
Christian Kracht, (2012, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 7.4.2012:

Christian Kracht: Wer nur Kokosnüsse isst, ist Gott am nächsten
War das ein Theater, als ein deutscher Rezensent den Autor als "Türsteher rechten Gedankenguts" bezeichnet hatte (und die Kritik später zurückzog)!

"Imperium" verkaufte sich gleich viel besser, das übrige Feuilleton verteidigte Christian Kracht fast durchgängig ... und trotzdem ist es ein ziemlich langweiliger Roman.

Das liegt nicht an der – historisch verbürgten – Geschichte. Die hat etwas. Die hat sogar sehr viel.

Da wandert der langhaarige Nürnberger Apothekergehilfe August Engelhardt 1902 auf die Südseeinsel Kabakon aus. In eine deutsche Kolonie, wo er eine Kokosnussplantage erwirbt und den Sonnenorden gründet.

Engelhardt ist radikaler Vegetarier, und vom allwissenden Erzähler wird man ständig darauf aufmerksam gemacht, dass später ein anderer Vegetarier ("eine absurde schwarze Zahnbürste unter der Nase") sein Unwesen treiben wird.
Der schüchterne, junge Deutsche schadete sich vor allem selber. Wurde betrogen, bestohlen, ausgenützt. Seine Philosophie war der "Kokovorismus", gepaart mit Nudismus: Wer nichts anderes isst als Kokosnüsse, der ist Gott am nächsten. Kokosnüsse seien der Stein der Weisen.

Der altertümliche, pathetische Ton raubt dem Leser den Atem

Der damals bekannte Dirigent und Pianist Max Lützow, zivilisationsmüde geworden, schloss sich ihm vorübergehend an. Das brachte dem Kokovorismus einige Anhänger. Nein, ein Böser war dieser Engelhardt nicht. Ein Schwindeliger schon.

Es ist der Ton des Romans, der an den Nerven rüttelt. Dieser altertümliche, pathetische Ton, der – selbst wenn er parodistisch verwendet wurde – für schlechte, staubige Luft sorgt. Und atmen sollte man während des Lesens schon können dürfen.

"Unversehens überkam ihn das blümerante Gefühl, sein Körper würde schweben ..."

Fein, dass Christian Kracht diese Sprache beherrscht. In diesem Fall lenkt sie vom Abenteuer ab; und bringt nicht viel. Außer, dass einem plötzlich so blümerant zumute ist ..., dass man völlig erschöpft ist.

KURIER-Wertung: *** von *****

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