Ilias.
Texte von Homer (2008, Hanser
- Übertragung Raoul Schrott).
Besprechung von Hildegard Lorenz im Münchner Merkur,
12.12.2008:
Homer ist zeitlos und immer spannend. In
die erneut hochgeschaukelte Dichter-
Es homert in Deutschland: „Ilias“ und
„Odyssee“ haben Konjunktur, man besinnt sich auf klassische
Werte. Zur großen Homer-
Da rollen die Hexameter, da klingen die Alliterationen, da
malt die Sprache gewaltige Bilder. Voss übersetzt die ersten
Zeilen der Ilias mit „Singe den Zorn, o Göttin, des
Peleiaden Achilleus,/ Ihn, der...“ und ahmt damit fast
völlig die antike Satzstellung nach. Das Buch ist
augenfreundlich gedruckt, liegt trotz seines Riesenumfangs
mit über 1400 Seiten leicht in der Hand, und die Zeilen sind
durchnummeriert. Die griechischen Texte folgen bei der Ilias
der Oxford-
Damit konkurriert nun der Hanser Verlag, der Homers „Ilias“
in der modernen Übersetzung von
Raoul Schrott
herausbrachte, allerdings ohne das griechische Original. So
liest sich der erste Vers der „Ilias“ bei Schrott als „von
der bitterniss sing, göttin – von achilleús, dem sohn des
peleús / seinem verfluchten groll, der...“. Dazu werden die
ersten zwei Zeilen des griechischen Textes in lateinischer
Buchstabenumschrift angeboten. Größer könnte der Gegensatz
zu der Ausgabe von Zweitausendeins nicht sein. Schrott
offeriert zusätzlich zu seiner Übersetzung einen
umfangreichen Kommentar von Peter Mauritsch (über 100
Seiten), ein Vorwort mit Erläuterungen zu Geschichte, Zeit,
Ort, zeitgeschichtliche Vorbilder, Sprache und Schrift,
Text, Vortrag, Hexameter und vieles mehr. Man hat den
Eindruck, als müssten sich Vorwort und Nachwort für das
Dargebotene entschuldigen.
Wie schon der Vergleich der ersten Zeilen zeigt, bietet
Schrott eine eigene Nachdichtung, Voss eine ziemlich
wörtliche Übersetzung an. Da hilft es nichts, dass in
Schrotts Übertragung immer wieder zwei oder drei
altgriechische Verse in lateinischer Schrift integriert
sind. Da hilft es auch nichts, dass das Nachwort den
berühmten Schiffskatalog in einer Tabelle aufweist. Es ist
also, wie Homer beweist: Das Alte ist nicht unbedingt das
Schlechtere, und das Modernere kann gegenüber dem Klassiker
nicht bestehen. Auch wenn es mehr Geld kostet.
Lesungen im Münchner Marstall am 13. und 14. Dezember jeweils ab 10 Uhr. Einlass ist jederzeit möglich. Es lesen unter anderem Sibylle Canonica, Juliane Köhler, Lisa Wagner, Rainer Bock, Lambert Hamel, Jörg Hube, Stefan Hunstein, Thomas Loibl, Rudolf Wessely – und Intendant Dieter Dorn
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.merkur-online.de]
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