Ich wll dich von Hilde Domin, 1985, Piper VerlagIch will dich.
Gedichte von Hilde Domin (1970, Piper/S. Fischer).
Besprechung von ith in der Frankfurter Rundschau, 13.6.2002:

Unaufhaltsam
Hilde Domin bei S. Fischer

Hilde Domin, die Ende Juli 90 Jahre alt sein wird, hat im Verlagshaus S. Fischer in der Hedderichstraße elf Gedichte vorgelesen und einiges aus ihrem Leben erzählt. Es sei ja eine schwierige Situation derzeit, sagte sie als erstes, und weil "wir in diesen Tagen so viele scheußliche Sachen lesen über Möllemann oder Walser", habe sie sich vorgenommen, mit "etwas Harmlosem" anzufangen. Sie las dann vor, wie sie Anfang der Sechziger wieder nach Heidelberg, ihre alte Studienstadt zog, ein heiteres Stückchen. Bei der Gelegenheit berichtete sie von ihrem 22-jährigen Exil in Italien, England und der Dominikanischen Republik. Und wie ihre Eltern, die sie nach 1933 bat, Deutschland ebenfalls zu verlassen, das erst für übertrieben hielten und dann nicht mehr. Ihre Gedichte las sie je zweimal vor, einige auch dreimal, und kommentierte unverdrossen dazwischen ("das ist von Mallarmé, das ist von Spinoza, das erkläre ich gleich").

Die meisten waren aus dem Band Ich will Dich und, wie sie einen so plötzlich erwischten, erschreckend klar und perfekt. "Gedicht/das Unmögliches verlangt/von jedem der vorübergeht". Das Gedicht Unaufhaltsam - "Besser ein Messer als ein Wort./Ein Messer kann stumpf sein." - habe sie bei Veranstaltungen im Gefängnis nie gelesen, erzählte sie.

Nach der Lesung durften Fragen gestellt werden. Bei dieser Gelegenheit trug eine Dame zu Ehren von Domin ein Domin-Gedicht vor. Eine andere wollte wissen, ob sie Paul Celan gekannt habe. Mit dem habe sie nur telefoniert, sagte die Dichterin, und nur einmal. Celan habe für einen Sammelband nur schreiben wollen, wenn der und der wieder rausfliege, also sei der Band dann ohne Celan erschienen. Schließlich wollte eine Zuhörerin wissen, woher sie nur ihre Vitalität nehme. Was aber soll man dazu sagen, und die Gefragte ging auch höflich darüber hinweg.

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