Ich
schwebe über Krakau.
Roman von Adam
Zagajewski (2000, Hanser).
Besprechung von Urszula Lisson, literaria.org:
Flug über
Krakau
Er ist zurückgekehrt in die Stadt seiner Jugend. Nach langen Jahren der Emigration in
Paris schwebt Adam Zagajewski wieder über Krakau und macht viele kleine literarische
Luftaufnahmen. Skizzenartig überfliegt er seine Jugend und seine
Studienzeit im kommunistischen Krakau der 60er Jahre. Ein Krakau, das ihn begeisterte und
in seinen Bann zog. Auf seinem Erinnerungsflug in die Vergangenheit streift er oft und
gerne die schönen Künste, die gesamte Kulturgeschichte und die halbe Welt der
Philosophie. Es tauchen immer wieder wichtige Namen, große Symphonien und viele kleine
Gedichte zwischen den kurzen Familien-, Studien- und Stadtgeschichten auf. In den
Flickenteppich seiner Gedanken und Rückblicke sind einzelne Krakauer Geschichten und
Schicksale eingewebt.
Aber ich kann nicht Krakaus Geschichtsschreiber sein, ich kann nur versuchen, zu
einigen Momenten, einigen Orten, einigen Personen zurückzukehren, die ich mochte,
bewunderte und zu etlichen, die ich nicht ausstehen konnte.
So lernen wir in einer der vielen kurzen Episoden z.B. seine Tante kennen, die einen
jungen Priester zum Abendessen einlädt, der erst ein guter Freund der Familie und später
Papst wird; wir erfahren von Professor U., der aus allem einen Nutzen für sich zu ziehen
weiß; und von Helena, die als Aufwartfrau in der Anstalt für
Rattenbekämpfung morgens um vier Uhr aufstehen muß.
Dazwischen immer wieder die Frage: Prosa oder Poesie?, die sich wie ein roter Faden, der
eigentlich keiner ist, durch das Werk, durch diese literarische Skizze zieht,
die voll von Metaphern und Bildern ist. Adam Zagajewski beschreibt ein Stück polnischer
Geschichte ausschließlich aus seiner eigenen, ganz persönlichen Perspektive nicht
mehr und nicht weniger.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.literaria.org]
Leseprobe I Buchbestellung 0901 LYRIKwelt
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