Ich brauch einen Wintermantel von H.C.Artmann, 2005, ungundJungIch brauch einen Wintermantel etz.
Briefe an Herbert Wochinz von H. C. Artmann (2005, Jung und Jung, hrsg. von Alois Brandstetter).
Besprechung von Jdl in Neue Zürcher Zeitung vom 23.04.2005:

Infortunater H. C.

«Deftige, feste, harte barocksachen» wünscht sich der übersetzende Dichter ins kalte Malmö, und, ach ja: «ich brauch einen wintermantel.» H. C. Artmann, Österreichs grosser Poet, ist in diesen sechziger Jahren mit Einfällen reich gesegnet, immer aber knapp bei Kasse. Theaterstück um Theaterstück überträgt er für den Kärntner Festspielintendanten Herbert Wochinz ins luftige Artmann-Deutsch (von Molière über Goldoni bis Scribe), und er tut es, um leben zu können. «das leben kostet was», schreibt Artmann an Wochinz. Der Satz bleibt das Siegel einer Korrespondenz, die jetzt in ihrer resoluten Unmittelbarkeit nachzulesen ist. «Ich brauch einen Wintermantel etz.» heisst der schmale Band. Wenn Artmann schnorrt, dann ist das tiefste Pleite auf höchstem Niveau. Der «pauvre duc exilé» verzweifelt an schwedischen Brotpreisen oder an Berliner Mietkosten. Die wieder einmal «denkbar bekackte lage» treibt den «infortunaten HC» an klapprige Schreibmaschinen, wo die Not in schönste Poesie umschlägt. Wovon er schreibt, das weiss man längst, wovon er in seinen ärmsten Zeiten lebt, das kann man jetzt erfahren. Die Korrespondenz zwischen H. C. Artmann und Herbert Wochinz dauert von 1962 bis 1966. Aus Malmö, Stockholm, Lund, Berlin oder Wien schreibt ein unsteter Dichter, der seine Quartiere aus Gründen der Liebe oder der Not bezieht. Vor den Häschern der Finanz oder wegen «alimentationsvergehen» gegen sitzengelassene junge Mütter ist H. C. Artmann stets auf der Flucht. Auch ein Grund dafür, dass die Antworten von Herbert Wochinz verschollen sind. «bin ins weite», schreibt der Dichter, «weiss ich, wo ich hinkomme?»

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter nzzonline.jpg (1303 Byte)]

Leseprobe I Buchbestellung 0505 LYRIKwelt © NZZ