Ich bedaure, daß wir uns nicht kennen von Italo Calvino, 2007, HanserIch bedaure, dass wir uns nicht kennen.
Briefe von Italo Calvino (
2007, Hanser, hrsg. von Franziska Meier - Übertragung Barbara Kleiner).
Besprechung von Steffen Richter aus der NRZ vom 14.01.2008:

Post von der Ratte über Füchse und Igel

Als Schriftsteller, schreibt Italo Calvino einem Kritiker, sei Alberto Moravia ein Igel. Igel nämlich sind Autoren mit einem Werk wie aus einem Guss. Das Gegenteil sei der Fuchs, der von Buch zu Buch die Methode wechselt. Wie der Tausendsassa Calvino selbst. Weil es ihm nicht gelingt, "zweimal hintereinander dasselbe zu glauben".

Wunderbar, dass Calvinos Briefe endlich auf Deutsch erscheinen. Originelle Selbstverortungen und Aufschlüsse über den inneren Calvino bleiben aber rar. Bis auf eine spektakuläre Ausnahme. Sie beginnt 1941, als der 18-Jährige in Turin studiert. Da setzt ein reger Austausch mit dem Schulfreund Eugenio Scalfari ein. Der ist Redakteur bei "Roma fascista", wird nach dem Krieg aber die linksliberale "La Repubblica" gründen. Calvino nimmt sich vor: "1) schärfste Kritik an Deinem Schaffen; 2) resignierte Betrachtungen über mein gescheitertes Leben." 1943 aber wird er Partisan im Widerstand. Der jugendliche Überschwang kehrt nie zurück.

Nach dem Krieg ist Calvino Lektor im Turiner Einaudi-Verlag, der in den Fünfzigern der italienischen Nachkriegskultur seinen Stempel aufdrückt. Calvino korrespondiert mit Cesare Pavese, Luigi Nono, Michelangelo Antonioni und Hans Magnus Enzensberger. Mit Pasolini streitet er über Dialektdichtung, mit Leonardo Sciascia über den Kriminalroman. 1967 flieht Calvino nach Paris, um das Leben einer "Bibliotheksratte" zu führen.
Es ist nur ein Viertel der in Italien veröffentlichten Korrespondenz, die Franziska Meier ausgewählt und kommentiert hat. Calvino-Verehrern könnte das zu wenig sein. Der Außenstehende aber könnte über all den kulturpolitischen Interna das Interesse an dem wunderbaren Schriftsteller Calvino verlieren. Der steckt nun einmal in seinen Büchern: dem "Baron auf den Bäumen", den "Unsichtbaren Städten" oder dem Polyroman "Wenn ein Reisender in einer Winternacht". (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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