Hoppe von Felicitas Hoppe, 2012, S. Fischer1.) - 3.)

Hoppe.
Roman von Felicitas Hoppe (2011, S. Fischer).
Besprechung von Roland Mischke in der WAZ, vom 3.04.2012:

Biografie-Schau
Für gewöhnlich erfinden Autoren Handlungen. Felicitas Hoppe aber erfindet sich als Autorin in einem Buch, dessen Handlung aberwitzig ist. Geschrieben wie aus dem Jenseits, befasst sich aber mit Irdischem. Dabei ist die wahre Schriftstellerin im Dezember 1960 geboren, was entscheidend ist: "Ich bin und bleibe ein Winterkind", erklärt sie, "ich bin mit dem Leben nicht einverstanden."

Deshalb versucht sie es mit Abstand zu erforschen: Sie sichtet nachgelassene Zettel dieser "fh", vergleicht das Früh" mit dem Spätwerk dieser Autorin und schaut zurück in ein Leben, das ihr irgendwie bekannt, dennoch fremd ist. Sie behauptet sogar, dass "ich seit vielen Jahren verschollen bin". Es bleibt unklar, von welchem Ort aus sie das verkündet.

Walthers Stein

Da kommen einige in Frage. fh sitzt auf dem Stein, auf dem Walther von der Vogelweide Minnelieder komponierte, begibt sich auf die Spuren Kafkas und schwebt mit dem Schmetterlingsnetz von Nabokov herum. Im kanadischen Brantford lebt die in HameinIWestfalen geborene Literatin mit ihren Eltern, der Mutter aus Breslau, der Vater ein rätselhafter Zeitgenosse, der später mit ihr auf eine Schiffsreise ins australische Adelaide geht, wo sie gern Dirigentin geworden wäre, die Stelle aber nicht bekam. Hoppe irrlichtert durch die Welt, verwischt die Spuren und lässt sie anderswo wieder auftauchen. Sie zitiert aus dem eigenen Werk, ohne dass man gleich darauf kommt.

Und wozu das Ganze?

Hoppe sucht Hoppe. Das ist mysteriös, aber auch unterhaltsam, kein aufgeblasener Germanistenquark, dessen Blubbern beeindrucken soll, sondern das Leben als ständiger Wechsel von Zeiten, Schauplätzen, Lieben und Identitäten.

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Hoppe von Felicitas Hoppe, 2012, S. Fischer2.)

Hoppe.
Roman von Felicitas Hoppe (2011, S. Fischer).
Besprechung
von Markus Fritz aus Rezensionen-online *LHW.Lesen.Hören.Wissen*, Frühjahr 2012:

Felicitas Hoppe schreibt ein Buch über Hoppe!?

Die Autorin hat bisher viel über andere geschrieben, über Abenteurer, Seefahrer und historische Persönlichkeiten, aber nie über sich selbst. Nun erfindet sie die eigene Biografie, eine Art Wunschbiografie: so hätte sie gerne gelebt, das war der Anspruch zu Beginn des Schreibens. Hoppe, geboren in Hameln in Deutschland, zieht mit ihrem Vater nach Kanada. Dort trifft sie den berühmten Eishockeyspieler Wayne Gretzky. Der Vater arbeitet an seinen Erfindungen. Die Pubertät verbringt sie in Südaustralien. Dort lernt die hochmusikalische Hoppe verschiedene Instrumente und besucht das Musikkonservatorium. Ihr erstes Geld verdient sie dann als Deutschlektorin an der Uni Oregon.

Gleichzeitig liefert die Autorin eine Werkbiografie, sie zitiert aus eigenen Werken, stellt sie in Relation mit der fiktiven Biografie. Es ist ein Spiel mit Wahrheit und Fiktion, mit dem Leser und mit sich selbst. Vor allem Kenner ihrer Prosa kommen auf ihre Kosten. Das Buch liest sich leicht, auch wenn einige Passagen etwas ermüdend und manchmal verwirrend wirken, vor allem wegen der vielen Zitate und Anspielungen. Ein wichtiges Thema im Werk und Leben von Hoppe ist das Unterwegssein.

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Hoppe von Felicitas Hoppe, 2012, S. Fischer3.)

Hoppe.
Roman von Felicitas Hoppe (2011, S. Fischer).
Besprechung von Barbara Mader aus der Kurier, Wien, 4.5.2012:

Dass das Ich ein anderer ist, haben wir oft gehört.
In Felicitas Hoppes fabulierter Autobiografie "Hoppe" wird Rimbauds Diktum erneut auf die Probe gestellt.

Man könnte viel Zeit damit verbringen, nachzuprüfen, was in diesem Roman stimmt: Etwa, ob Erfinder Alexander Bell der Großvater des Pianisten Glenn Gould war (nein!). Hoppe dichtet ihnen das Verwandtschaftsverhältnis an.

In ihrem zwanzigsten Roman behauptet Hoppe eine Kindheit in Kanada, samt Karriere als Eishockeyspielerin. Ausgestattet mit Erfindergeist und absolutem Gehör habe sie den "Leuchtpuck" erfunden und sei Pianistin geworden. Ihre Jugendliebe: Eishockeycrack Wayne Gretzky. Die frühe Kindheit verbringt sie im Rattenkostüm, sie stammt ja aus Hameln. Sei von ihrem Erfindervater entführt worden, später per Schiff nach Australien gereist. In jeder Lebenslage dabei: ihr Rucksack.

Die brillante Felicitas Hoppe – 1969 tatsächlich in Hameln geboren – legt mit "Hoppe" einen originellen und zutiefst komischen Text vor, in dem sie die landläufige Literaturkritik aufs Korn nimmt. Und philosophisch wird. Über ihre Romanfigur sagt sie: "Ich habe sie nach Kanada, nach Australien geschickt und stelle fest: Egal, in welche Kulisse ich diese Person stelle, sie bleibt Felicitas Hoppe! Und das ist eine interessante Erfahrung, denn das, was wir faktisch für so wichtig halten, ist nicht das, was die Essenz unserer Person ausmacht".

KURIER-Wertung: ***** von *****

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