1.) - 2.)

Himmelssturz.
Roman von Gregor Hens (2002, Goldmann).
Besprechung von Willi Kleinhorst aus Die Welt vom 3.3.2002:

Neue Stimme in der deutschen Literatur
Debütroman von Gregor Hens

Seine Habilitation hat er über Thomas Bernhard geschrieben, den großen österreichischen Grantel-Literaten, den Meister der mitunter quälenden Wiederholung. Doch als Gregor Hens daranging, selbst einen Roman zu verfassen, da hat er sich ganz bewusst abgesetzt vom alten Meister. Und siehe, es war gut so: Hens' Debütroman "Himmelssturz", der soeben erschienen ist, besitzt bereits einen eigenen Ton, der den 36-jährigen Autor, diese Prognose sei gewagt, zu einem unverwechselbaren Schriftsteller seiner Generation machen wird. Dabei macht Hens es dem Leser durchaus nicht leicht. Er erzählt die Geschichte vom Scheitern einer Liebe zwischen einem Professor und einer wohlhabenden Kunstsammlerin nicht linear, sondern unterbricht die Handlung immer wieder durch Abschweifungen und Neben-Geschichten, die ihren ganz eigenen Reiz entfalten. Goethes "Wahlverwandtschaften" sind als grundierender Einfluss erkennbar in dieser Geschichte über die Sehnsüchte der Geschlechter, das Glück und Unglück der Liebe. Durch viele Anspielungen, zum Beispiel auf Werke Vladimir Nabokovs, gewinnt der Text eine weitere spannende Ebene. Hens hat diesen Roman irgendwo im Mittleren Westen der USA angesiedelt, in einer Gegend, die die Bewohner "Heartland" nennen, die arroganten Küstenbewohner jedoch "Fly-over-Country".....Fortsetzung

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2.)

Himmelssturz.
Roman von Gregor Hens (2002, Goldmann).
Besprechung von Thomas Kraft aus Neue Zürcher Zeitung vom 17.8.2002:

Schiefer Haussegen
Gregor Hens' Roman «Himmelssturz»

Eine «ménage à quatre», Goethes «Wahlverwandtschaften» in der amerikanischen Provinz, Campus-Roman und transatlantische Literaturbetriebskritik - all dies in einem Text realisieren zu wollen, scheint selbst für ein ambitioniertes Projekt masslos und problematisch. Vielleicht bedarf es da der Unbekümmertheit eines Debütanten; jedenfalls hat der 1965 in Köln geborene und nun in Columbus an der Ohio State University lehrende Gregor Hens dieses Unternehmen gewagt - und das Spiel gewonnen. Sein Roman «Himmelssturz» stellt den allmählichen Zusammenbruch eines kühnen Lebensentwurfes facettenreich dar.

Erzählt wird die Geschichte eines Scheiterns; die makellos scheinende Oberfläche einer Lebensgemeinschaft eines jungen Universitätsprofessors mit einer schönen und reichen Frau erhält im Spiel mit dem Feuer dunkle Flecken; am Ende stehen Auflösung und Tod. Das Fiasko deutet sich schon zu Beginn an, wenn der Erzähler von der lähmenden Hitze des amerikanischen Sommers, von einer buchstäblich aus den Fugen geratenen Neuen Welt berichtet. Das Paar plant mit Hilfe eines Freundes - einem angesehenen, überaus vitalen Architekt - den Bau einer Traumvilla am River Forest, in dem sich die Perfektion ihrer Beziehung spiegeln soll. Doch schon bald stellt sich Unbehagen ein, eine Ahnung, «dass etwas Entscheidendes fehlte. Etwas, dessen Existenz wir voraussetzten». Bei allen Freiräumen, aller Kultiviertheit im Umgang und trotz den scheinbar sicheren Konstanten ihrer Beziehung ist ein «Ungleichgewicht» entstanden, das durch das Auftreten einer jungen Frau verstärkt wird....Fortsetzung

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