himmelhalb von Monika Vasik, 2015, Hernalshimmelhalb.
Gedichte von Monika Vasik (
2015, Verlagshaus Hernals, mit Fotografien von Johannes Ebner).
Besprechung von Helwig Brunner für LYRIKwelt.de, Januar 2016:

Wider die literarästhetische Schubladisierung

Buchbesprechungen sind nicht mein bevorzugtes Genre. Ich schreibe sie gelegentlich auf Anfrage, manchmal auch zum Zweck des Nebenerwerbs – und ganz selten einem inneren Imperativ folgend, der mir die Wortmeldung zum Bedürfnis macht. Monika Vasiks Gedichtband „himmelhalb“ hat diesen Imperativ in mir geweckt. Wobei sicherheitshalber erwähnt werden soll, dass ich weder die Autorin noch den Verleger persönlich kenne.

Monika Vasik hat sich für ihren Werdegang als Dichterin Zeit gelassen. Erst ab ihren späten Dreißigern ist sie mit literarischen Veröffentlichungen in Erscheinung getreten und publiziert seit 1997 Lyrik und Kurzprosa in Zeitschriften und Anthologien. Weitere vierzehn Jahre brauchte es, bis 2011 ihr Debüt nah.auf.stellung im Wiener Verlagshaus Hernals erschien. Der Band himmelhalb ist nun ihr dritter Lyriktitel in diesem Verlag.

Vasiks Gedichten ist die Langzeitentwicklung wohltuend anzumerken. Ihre Verse sind gekonnt ausgewogene Kompositionen, die einer ausgereiften Poetik folgen. Sie beziehen ihre Energie aus einem Spannungsverhältnis zwischen eingängigen lyrischen Bildern und deren konsequenter Aufrauung und Brechung. Auf sprachlicher Ebene wird diese Spannung dadurch aufgebaut, dass zwar ein altbekannter Lyrikwortschatz genutzt, dieser aber gleichzeitig mit unerwarteten anderen Sprachregistern bis hin zu Wortneuschöpfungen und paragrammatischen Neuschreibungen bekannter Formulierungen konterkariert wird. Daraus ergibt sich ein reizvolles Zusammenspiel zwischen den Herschreibungslinien eines im besten Sinn traditionellen Lyrikbegriffs und den Diskursen einer zeitgenössischen, vermehrt am Sprachmaterial arbeitenden Poesie, ohne dass Vasik Gefahr liefe, in einer der beiden Schubladen – traditionell oder experimentell – hängen zu bleiben. Eine oftmals gebrochene oder verschränkte, aber noch nachvollziehbare Syntax unterstreicht diesen produktiven Doppelbezug.

Inhaltlich herrscht in himmelhalb Landschaftliches im weiteren Sinne vor. Landschaft wird als vielfältig belebter Natur- und Zivilisationsraum, Sehnsuchts­ort und Projektionsfläche für Zwischen- und Innermenschliches thematisiert. Gleichzeitig wird das Genre des Landschafts- und Naturgedichts mit den vorhin beschriebenen Mitteln gründlich ausgereizt und in Frage gestellt. Auch die Fotografien von Johannes Ebner zeigen Landschaften sowie deren pflanzliche, tierische und menschliche Bewohner, wobei Ebners Bildsprache häufig mit Verfremdungseffekten, gleichzeitig aber auch mit traditioneller Bildgestaltung arbeitet. Daraus ergibt sich eine profunde ästhetische Übereinstimmung mit den Gedichten.

Monika Vasik erweist sich mit diesem Band als avancierte Lyrikerin, deren Gedichte weite Landschaftshorizonte öffnen und sich auch in literarästhetischer Hinsicht erfolgreich einer verengenden Kategorisierung entziehen. Ihrer Leserschaft schenkt sie damit einen überaus spannenden, auf allen Ebenen geglückten Gedichtband, dem eine breite Rezeption zu wünschen ist.

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