Heinrich Grewents Arbeit und Liebe.
Erzählung von Christoph Peters (2005, btb).
Besprechung von JD aus der NRZ vom 24.05.2005:

Der Klopapier-Rechner in der Sehnsuchts-Hölle
Lesenswert: Christoph Peters bringt seine erste Erzählung "Heinrich Grewents Arbeit und Liebe" neu heraus.

E in Buch aus der alten Bundesrepublik, als man noch ein Leben lang bei derselben Firma gearbeitet hat und Altherrencharme ein Einstellungskriterium für Showmaster im Fernsehen war: Mit "Heinrich Grewents Arbeit und Liebe" hat der aus Kalkar stammende Christoph Peters nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit seinen literarischen Einstand gegeben, drei Jahre bevor sein großartiger Debüt-Roman "Stadt Land Fluss" dann 1999 zu einem preisdekorierten Erfolg wurde. Nun hat Peters sein erstes Buch noch einmal überarbeitet und neu erscheinen lassen. Heinrich Grewent rechnet als Betriebswirt an den Erfolgs-Chancen von "Prosan feucht classic" und anderen Toilettenpapieren herum. Einer, der sein Sprechtempo überm Diktiergerät so drosselt, dass es die Sekretärin abtippen kann, ohne das Band anhalten zu müssen. Bei einem so stillen, unauffälligen Menschen wie diesem Grewent kommt auch die Katastrophe ganz still und unauffällig. Gerade noch starrt er auf den ruhig, ja träge vorbeifließenden Rhein. Eigentlich müsste er dringend nach Hause. Er hat sich bös mit seiner Frau verkracht. Sie ist das ganze öde Leben mit ihm leid, von dem er nicht einmal wusste, dass es öde ist. Aber da tritt sein Chef an seinen Schreibtisch und bittet ihn, für vier Tage nach Hamburg zu reisen. Grewent sieht seine Einsatzbereitschaft geprüft - und seine Fahrt mit der Bahn führt den Mann, der alles unter Kontrolle haben möchte, geradewegs in die Hölle seiner ungestillten Sehnsüchte. . .Das alles erzählt Peters mit sanfter Ironie, voller Zuneigung für seinen Helden. Den kann man am Ende zu gut verstehen, als dass man mit ihm tauschen möchte.

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